(Anzeige) 10.000 Jahre, sechs Epochen, authentische Nachbildungen von Siedlungen: Im „Historischen Park“ bei Varna werden Besucher selbst Teil der Geschichte von Bulgarien.

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Geschichte ist trocken oder spannend. Je nachdem, wie sie erzählt und dargestellt wird. Oft kann man sich wenig vorstellen, weil von einst pompösen Gebäuden nur mehr Gesteinsbrocken übrig sind. Oder weil die Informationen auf den Hinweistafeln so kleingedruckt und langweilig dargestellt sind, dass man sie nicht bis zu Ende liest. Ganz anders ist das ab sofort mit der Geschichte von Bulgarien.

Der „Historische Park“ bei Varna in Bulgarien ist eines jener Projekte, die Geschichte hautnah erlebbar und nachvollziehbar machen. Man könnte ihn am besten als ein überdimensionales und interaktives Freilichtmuseum beschreiben, das gerade im Entstehen ist. Und sich zum Ziel gesetzt hat, die wechselhafte Geschichte von Bulgarien möglichst angreifbar zu vermitteln.

„Historischer Park“: Ein Projekt der Superlative

Beim “Historischen Park” handelt es sich um ein Projekt der Superlative: Es ist 50 Millionen Euro schwer und in seiner Endausführung 13 Hektar groß. Aktuell arbeiten 100 Angestellte auf Hochdruck daran, das Megabauprojekt fertigzustellen. Insgesamt wirken rund 4.000 Menschen mit, damit das Großprojekt zeitgerecht realisiert wird. Ein Teil davon ist für Besucher bereits offen, der Endausbau ist mit 2022 veranschlagt. Dann wird die Geschichte von Bulgarien im vollen Ausmaß erleben zu sein.

Bulgarien Geschichte_Historsicher Park_Thrakisches Schloss im Bau
Nachbau eines Thrakischen Schlosses

Zu den Siedlungsnachbildungen unterschiedlicher Eopchen kommen künftig ein Hotel, ein Pferdereitzentrum und ein Kongresszentrum. Alles in allem wird der „Historische Park“ dann rund 50 Hektar umfassen. Die Betreiber sprechen sogar von einem „weltweit einzigartigen Projekt“, weil man hier künftig in 10.000 Jahre bulgarische Geschichte eintauchen kann. Und die ist vielseitig, turbulent und zum Teil noch wenig erforscht.

10.000 Jahre Geschichte von Bulgarien

Die Grundidee des „Historischen Parks“: Die Geschichte von Bulagrien geballt an einem Ort darzustellen. Zahlreiche historische Schauplätze und Alltagsorte, die quer über Bulgarien verteilt sind, werden originalgetreu nachgebaut und sind zentral begehbar. Besucher können das Flair von früheren Epochen spüren, ohne durch das ganze Land reisen zu müssen.

Um möglichst authentische Gebäude und Szenen bieten zu können, wird eng mit Historikern und Wissenschaftlern zusammengearbeitet. „Wir wollten, dass die Menschen historische Orte erleben und auch selbst Dinge ausprobieren können“, erklärt Roman Georgiev, Leiter des Historischen Parks.

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Die einzelnen Epochen im „Historischen Park“

Die wichtigsten Epochen der Geschichte Bulgariens werden anhand von sechs unterschiedlichen Siedlungsnachbildungen dargestellt. Die Besucher sehen, wie die Menschen in der jeweiligen Zeit gelebt haben, welche Alltagsgegenstände sie hergestellt haben, welche Kleidung sie getragen haben oder was sie gegessen haben.

  • Jungsteinzeit und Kupferzeit (6.000 bis 3.000 vor Christus)
  • Thrakische Periode (2.200 bis 29 vor Christus)
  • Römische Epoche (29 vor bis 5. Jahrhundert nach Christus)
  • Slawische und Protobulgarische Epoche (5. bis 7. Jahrhundert)
  • Erstes Bulgarisches Reich (7. bis 11. Jahrhundert)
  • Zweites Bulgarisches Reich (1185 bis 1396)

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Exkurs in die Jungsteinzeit und Kupferzeit (6.000 bis 3.000 vor Christus)

Waren die Menschen davor noch Jäger und Sammler, wurden sie während dieser Zeit sesshaft. Im „Historischen Park“ sind die einfachen Häuser der damaligen Zeit originalgetreu nachgebaut. Die Wände bestanden aus einer Mischung aus Erde, natürlichen Abfällen und Haaren.

Einfaches Schlafgemach. Diese ersten Häuser hatten jeweils nur einen Raum mit einem Bett. Darin durfte die älteste Frau schlafen, alle anderen legten sich am Boden zur Nachtruhe. Lebensmittel wurden durch ein Loch in der Erde kühl gehalten. Und der „Herd“ befand sich stets unter dem Fenster, damit der Rauch von der offenen Feuerstelle abziehen konnte.

Erste Hierarchien. Die Menschen hielten Tiere, bauten Getreide an und stellten einfache Keramiken und später auch Gegenstände aus Kupfer her. Mit dem Einzug des Metalls entstanden erstmals Hierarchien. Mehr Güter konnten schneller produziert werden, der Beruf des Händlers entstand. Es entwickelten sich Schichten, die erste Einteilung in reich und arm zeichnete sich ab.

Exkurs in die Thrakische Periode (2.200 bis 29 vor Christus)

Die Thraker siedelten sich rund 3.000 Jahre vor Christus in Bulgarien an. Sie bestanden aus mehr als 80 verschiedenen Stämmen. Später wurde Thrakien eine Provinz im Römischen Reich. Man weiß heute aber vergleichsweise wenig über die Menschen dieser Zeit, weil sie angeblich keine Schrift hatten.

Genussfreudige Kämpfer. Sie waren jedenfalls Kämpfer, die gern und viel Wein tranken – bevorzugt aus Goldbechern. Auch üppigen Festmahle mit energieliefernden Speisen gehörten zu ihrem Markenzeichen.

Thrakisches Schloss. Im „Historischen Park“ öffnet eine 800 Kilogramm schwere Marmortür den Eingang ins Thrakische Schloss. Dort blickt einem eine Nachbildung eines Thrakischen Königs entgegen. Er ist mit einem Speer bewaffnet und posiert mit ernstem Blick zwischen zwei Thronstühlen.

Luxus & Gold. In einem anderen Raum sind Nachbildungen von thrakischen Schätzen aus Gold zu bewundern. Die Originale befinden sich im Archäologischen Museum in Sofia. Das Schlafgemach des thrakischen Königsschlosses mutet an wie ein luxuriöses Hotel: ein breites Bett aus Holz, bedeckt mit edlem Tierfell.

Grabkunst. Auch dem Phänomen der thrakischen Gräber ist im „Historischen Park“ viel Platz gewidmet. „Mit dem Bau der Kuppelgräber wurde begonnen, als die Herrscher noch am Leben waren“, erklärt Roman Georgiev. Sie dienten als Tempel. Starb der Herrscher, wurden sie zum Grab umfunktioniert.

Schwarzmarkt. Heute gibt es in ganz Bulgarien noch fast 10.000 solche Gräber, jedes ist ein Unikat. Vor allem im „Tal der thrakischen Könige“ sind Originale und Nachbildungen zu besichtigen. Es ist mittlerweile ein großes illegales Geschäft in Bulgarien, in verlassenen Gräbern nach Gold zu suchen und es am Schwarzmarkt zu verkaufen.

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In die Geschichte von Bulgarien eintauchen: Das gibt es künftig im „Historischen Park“ aktiv zu erleben

Der „Historischen Park“ steht ganz unter dem Motto „aktiv miterleben“. Ein Beispiel: Heute streifen viele Menschen stundenlang mit dem Daumen über ihr Smartphone, um sich die Zeit zu vertreiben. Früher gab es das Problem der Langeweile nicht. Man brauchte allein unzählig viele Arbeitsstunden, um ein Loch in einen Stein zu bohren.

Das war mühselige Kleinstarbeit. Am Ende fertigte man aus den durchbohrten Steinen kunstvolle Amulette an, die man sich um den Hals hängte. Sie sollten Energie geben und Schutz bieten. Im „Historischen Park“ können Besucher selbst Hand anlegen und probieren, wie diese Glücksbringer einst hergestellt wurden.

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Roman Georgiev, Leiter des Historischen Parks

Die Geschichte von Bulgarien aktiv zu erleben kann auch so ausschauen: In historische Gewänder schlüpfen, mit Pfeil und Bogen umgehen oder eine Falkenschau erleben. In Bulgarien hat die Jagd mit dem Falken Tradition, ist heute aber verboten.

Bei der Vorführung lernt man unter anderem, dass die Harris Falken mit 386 Kilometern pro Stunde fliegen. Wer sich traut, kann für ein paar Minuten selbst einen Falken am Arm halten.

Bulgarien Geschichte_Historsicher Park_Falkenvorfuehrung
Falkenvorführung

Auch die Kulinarik früherer Epochen ist im „Historischen Park“ vertreten. Auf den Tisch kommt das, was die Menschen in den dargestellten Epochen gegessen haben. Denn bevor man auf dem Balkan hauptsächlich Tomaten und Gurken anbaute, wurden vor allem Rettich, Kraut, Bohnen und Erbsen kultiviert.

Alte Getreidesorten wie Dinkel wurden mit Steinen zermahlen, um aus dem Mehl Brot zu backen. Im Restaurant des „Historischen Parks“ wird das authentische Essen ausvergangenen Zeiten im historischen Geschirr serviert. So schmeckt die Geschichte von Bulgarien!

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Speisen, wie es vor tausenden Jahren die Thraker getan haben.

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Den Historischen Park im Bulgarien-Urlaub besuchen

Der „Historische Park“ liegt rund 33 Kilometer oder 40 Autominuten von der Küstenstadt Varna am Schwarzen Meer entfernt. Wir schlagen nachstehende drei Möglichkeiten für einen Bulgarien-Urlaub vor, um für einen oder mehrere Tage auch in den Genuss des „Historischen Parks“ zu kommen.

OPTION 1: Urlaub an der bulgarischen Schwarzmeerküste: Meer, Küste und Geschichte erleben
Anreise nach Varna und Besichtigung der Stadt mit ihrer eindrucksvollen orthodoxen Kathedrale, der Flaniermeile, dem Meerespark und den vielen Restaurants direkt am Strand. Von hier aus sind es mit dem Mietauto nur rund 40 Minuten bis zum „Historischen Park“, in dem man künftig auch übernachten kann. Darüber hinaus hat die bulgarische Schwarzmeerküste neben Goldstrand und Sonnenstrand auch das Naturreservat Kaliakra, den Naturpark Strandzha, das historische UNESCO-Welterbestädtchen Nessebar und kleinere Küstenorte wie Sozopol zu bieten.

OPTION 2: Historischer Höhepunkte in Bulgarien: Städte, Welterbe-Stätten und Historischer Park

Geschichtefans können echte historische Stätten sowie den Historischen Park besuchen – eine interessante Kombination. Zu den Original-Schauplätzen zählt zum Beispiel Pliska, die erste bulgarische Hauptstadt. Nicht weit davon beeindruckt der Reiter von Madara, ein Felsrelief auf einem Plaeteau aus dem frühen Mittelalter. Ebenso sehenswert sind die zahlreichen orthodoxen Klöster, die eine zentrale Rolle im Widerstand gegen die 500 Jahre andauernde osmanische Herrschaft spielten. Fast mystisch muten die vielen Thrakergäber an. Eines davon zählt zum UNESCO-Welterbe, ein Nachbau kann bei Kasanlak besichtigt werden. Nicht zuletzt dürfen historische Städte wie Veliko Tarnovo oder Plovdiv auf der Tour nicht fehlen.

OPTION 3: Bulgarien-Roadtrip: Ein bisschen von allem – von Sofia bis zum Schwarzen Meer
Bulgarien ist um rund ein Drittel größer als Österreich und eignet sich deshalb ideal für einen Roadtrip. Start ist am besten in der entspannten Hauptstadt Sofia, in der es von römischen Ausgrabungen über orthodoxe Kirchen bis hin zu kommunistischen Bauten eine facettenreiche Architektur aus verschiedenen Epochen zu bestaunen gibt. Nach dem Sightseeing in Sofia geht’s weiter mit dem Mietauto: Historisch und architektonisch interessant ist etwa das berühmte Rila-Kloster, in dessen Nähe sich die sieben Rila-Seen befinden. Plovdiv ist die Europäische Kulturhauptstadt 2019, hat eine hübsche Altstadt mit prächtigen Kaufmannshäusern und eine lebendige Kulturszene. Veliko Tarnovo war einst Hauptstadt von Bulgarien und beeindruckt mit ihrer Lage zwischen Fluss und Hügeln, mit der Burganlage Tsarevets und der kleinen Altstadt. Zum Schluss geht’s ein paar Tage an die Schwarzmeerküste, um in Varna zu baden und den „Historischen Park“ zu besuchen.

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