Höhepunkte, Kulinarik und Traditionen fernab von den Saufgelagen am Goldstrand und Sonnenstrand. Wer das Land individuell bereist, sollte diese Tipps für Sehenswürdigkeiten & Alltägliches in Bulgarien nicht verpassen.

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Bulgarien. Das ehemalige kommunistische Land in Osteuropa wird eher mit Korruption oder Armut in Verbindung gebracht als mit glänzenden Sehenswürdigkeiten. Die großen Touristenströme bleiben bisher aus. Einzig die beliebten Strände an der Schwarzmeerküste, der Goldstrand und der Sonnenstrand, locken sonnenhungrige Touristen an. Immerhin fließt hier das Bier reichlich, die Tische sind voll gedeckt und ein relativ luxuriöser Urlaub ist sehr leistbar.

9 Sehenswürdigkeiten in Bulgarien für alle, die es gern echt mögen

Individualreisende rümpfen dabei eher die Nase. Für alle, die das authentische Bulgarien erleben möchten, hat kofferpacken.at vor Ort neun Tipps recherchiert. Sie haben so gar nichts mit Strandbars und Eimersaufen zu tun. Denn in Bulgarien hat das Wort „Sehenswürdigkeit“ noch seine wahre Bedeutung: Es gibt reichlich Orte und Dinge, die es würdig sind, gesehen zu werden. Hier sind neun davon.

#1 Die Strände der Schwarzmeerküste

Bulgarien liegt am Schwarzen Meer und hat eine Küstenlinie von rund 350 Kilometern. Ein guter Start für alternative Reisende ist die 330.000-Einwohner-Küstenstadt Varna. Hier brodelt im Sommer das Leben. Viele der Strandbars punkten mit Restaurants direkt am Meer, die abends öffnen. Trotzdem kann man baden mit Kultur verbinden, zahlreiche Festivals, Märkte und Konzerte ziehen ein großes Publikum an.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Schwarzmeerkueste bei Varna
In Varna rasucht das Schwarze Meer

Es gibt aber auch ruhigere Küstenorte, zum Beispiel Sozopol mit hübscher Altstadt. Das Städtchen Nessebar ist UNESCO-Weltkulturerbe und liegt auf einer vorgelagerten Halbinsel. Im Norden der Schwarzmeerküste befindet sich das Naturreservat Kaliakra, im Süden der Naturpark Strandzha.

Tipp: Ein Kaffee oder Mittagessen im Social Teahouse in Varna. Hier arbeiten junge Leute, die keinen guten Start ins Leben hatten.

#2 Das Rila-Gebirge mit dem Rila-Kloster

Im alpinen Rila-Gebirge ragen die Gipfel fast 3.000 Meter in die Höhe. Besonders beliebt, aber teilweise auch überlaufen, ist die Wanderung zu den sieben Rila-Seen. Geschichte, Kultur und Architektur verspricht ein Besuch des Rila-Klosters, das mitten im Gebirge liegt.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Rila Kloster
Meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Bulgarien: das Rila-Kloster.
Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Deckenmalerie Rila Kloster
Kopf hoch: Deckenmalerie in der Kirche des Rila-Klosters

Individualreisende sollten jedoch kein abgeschiedenes Kleinod erwarten. Sondern ein dramatisch inszeniertes Meisterwerk der Baukunst, das sie mit einer großen Touristenmasse teilen müssen. Das Rila-Kloster zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Bulgarien. Aber es absichtlich auszulassen, wäre trotzdem schade.

Tipp: Die Stadt Bansko am Rande des Pirin-Gebirges verfügt über eine beachtliche Menge an luxuriösen Spa-Hotels. Sie liegt rund eineinhalb Autostunden vom Rila-Kloster entfernt. Hier kann man sich eine Auszeit gönnen – für Idylle und Beschaulichkeit muss man sich aber auf die Suche nach kleineren, weniger bekannten Ortschaften machen.

#3 Das Tal der Rosen

Bulgarien ist nicht nur ein großer Kräuter-Produzent, sondern auch das Land der Rosen und weltweiter Spitzenreiter bei der Produktion von Rosenöl. Das wertvolle ätherische Öl wird aus den Blüten der Damascena-Rosen durch Wasserdampf-Destillation hergestellt. Der Prozess ist aufwändig: Die Rosen werden frühmorgens von Hand gepflückt. Für ein Kilo Rosenöl braucht man 3,5 Tonnen Rosen und 14 Tonnen Wasser. Die Rosen blühen von Mitte Mai bis Mitte Juni im „Tal der Rosen“ rund um die Stadt Kasanlak. Jedes Jahr im Juni findet das Rosen-Festival in einem anderen kleinen Ort statt.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Tal der Rosen
Im Tal der Rosen duftet es zart.

Das begehrte Rosenöl wird vor allem in Parfüms und Kosmetikprodukten eingesetzt und an Großabnehmer für bis zu 12.000 Euro pro Kilo gehandelt. Überall in Bulgarien sieht man deshalb auch Shops, die Cremen, Duschgels und Co. mit Rosenöl verkaufen. Rosenwasser ist ein Nebenprodukt aus der Rosenöl-Herstellung und hat nur einen minimalen Anteil an Rosenöl. Es wird zum Beispiel für Süßspeisen verwendet.

Tipp: Außerhalb der Ortschaft Skobelevo hat das Unternehmen „Damascena“ einen riesigen Besucherpark errichtet. Man kann sich erklären lassen, wie das Rosenöl hergestellt wird und im zugehörigen Shop Rosen-Kosmetikprodukte kaufen.

#4 Historische Altstädte

Wer an Bulgarien denkt, dem fallen vielleicht auch triste Wohnhäuser im sozialistischen Stil ein. Die gibt es immer noch, vor allem an den Stadträndern. Weniger bekannt sind aber die sehenswerten Altstädte, die sich über das Land verteilen.

Dazu zählt etwa das historische Plovdiv, Europäische Kulturhauptstadt 2019. Die historische Altstadt mit ihren unebenen Pflastersteinen und den eindrucksvollen Kaufmannshäusern zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Bulgarien. Und das erst vor wenigen Jahren entstandene alternative Kreativviertel Kapana lädt zum Trinken, Essen und Einkaufen ein.

Noch weniger besucht als Plovdiv ist die kleine, beschauliche Altstadt von Veliko Tarnovo. Die Studentenstadt mit der Festung Tsarevets war zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert die Hauptstadt des zweiten Bulgarienreichs. In der alten Handelsstrassee Samovodska Charshia kann man Handwerkern über die Schulter schauen und hübsche Souvenirs kaufen.

Tipp: Beim örtlichen Tourismusbüro in Veliko Tarnovo nachfragen, wann die nächste nächtliche Lichtershow mit Burgblick stattfindet.

#5 Orthodoxe Kirchen

Auch wer daheim selten ein Gotteshaus betritt oder sich gänzlich von der Religion abgewendet hat, sollte sich die orthodoxen Kirchen in Bulgarien nicht entgehen lassen. Sie sind wahre architektonische Prachtstücke: Die zwiebelförmigen Kuppeln sind außen manchmal sogar mit Gold überzogen. Innen beeindrucken großflächige Wandmalereien und Bienenwachskerzen sorgen für eine andächtige Stimmung.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Kirche der sieben Heiligen
Eien eher wenig beachtete Sehenswürdigkeit in Sofia: Die Kirche der Sieben Heiligen.

Eines der Kennzeichen von orthodoxen Kirchen ist die Ikonostase. Das ist eine Wand voller Heiligenbilder, die den Kirchenraum in den Hauptraum und den Altar teilt. Sie ist meistens aus Holz, seltener auch mit Gold überzogen. Aber in jedem Fall immer ein überwältigender Anblick.

Tipp: Zwei besonders sehenswerte orthodoxe Kirchen sind die Alexander-Nevski-Kathedrale und die kleinere, weniger bekannte Kirche der Sieben Heiligen in Bulgariens Hauptstadt Sofia.

#6 Thrakische Gräber

Die Thraker lebten rund 2.200 bis 29 vor Christus im Gebiet von Bulgarien. Sie bestanden aus mehr als 80 Stämmen und waren recht wilde Kämpfer, die viel aßen und reichlich Wein tranken. Die Periode ist vergleichsweise wenig erforscht, weil die Thraker angeblich keine Schrift hatten.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Unesco Thrakischers Grab
UNESCO-Welterbe: das Thrakische Grab bei Kasanlak
Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Thrakisches Grab
Imposante Deckenmalerei im Nachbau des Grabs

Recht mystisch muten die mehr als 10.000 thrakischen Gräber an, die sich über das ganze Land verteilen. Sie sind wohl die geheimnisvollsten Sehenswürdigkeiten in Bulgarien. Einige der Kuppelgräber kann man besuchen, vor allem im „Tal der thrakischen Könige“. Andere sind noch unentdeckt. Immer wieder suchen Glücksritter solche Grabhügel auf, um nach Gold zu suchen und es am Schwarzmarkt zu verkaufen.

Tipp: Das „Thrakergrab von Kasanlak“ im Rosental gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Besucher dürfen es nicht betreten. Ein paar Schritte weiter kann man sich aber die Nachbildung mit seinen außergewöhnlichen Deckenmalereien anschauen.

#7 Bulgarische Küche

Fleisch, Fleisch und nochmal Fleisch. Die bulgarische Küche ist – erraten – sehr fleischlastig. Egal, ob Lamm, Schwein, Rind oder Huhn – fast alle Gerichte auf den Speisekarten beinhalten in irgendeiner Art und Weise Fleisch. Aber auch Vegetarier müssen nicht verhungern: Für sie ist die erste Wahl meistens der Shopska-Salat, ein Salat mit Gurken, Tomaten und Käse.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Essen gefuellte Weinblaetter
Typisch bulgarisch: Gefüllte Weinblätter in Tomatensauce

Auch gefüllte Weinblätter, diverse Paprika- und Auberginen-Gerichte oder Käse mit Honig und Nüssen gibt es fast überall zu kaufen. Zum Frühstück wird traditionell eine Art in Fett herausgebackener Bauernkrapfen gegessen. Immer und überall findet man Banitsa, ein mit Eiern und Käse gefüllter Teig. Und das bulgarische Brot, Parlinka, kann man auf Wunsch mit Öl, Knoblauch oder Käse bestellen.

Tipp: Bulgarisches Joghurt ist eine Spezialität und Honig gibt es auf jedem Markt zu kaufen.

#8 Traditionen und Bräuche

Ist man in Bulgarien eingeladen, bekommt man traditionell Brot und Salz zur Begrüßung. Typisches Kleidungsstück ist eine weiße Tracht mit roten beziehungsweise mehrfarbigen Stickereien. Sie sieht man zwar häufig auf Postkarten, in der Realität aber selten. Vielleicht ist die Verwendung der Tracht vergleichbar mit dem österreichischen Dirndl: Am Land und da vor allem zu bestimmten Feierlichkeiten wird sie auch heute noch ausgepackt.

Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Brotempfang
Bulgarische Gastfreundschaft, aber inszeniert: Brot zum Empfang.
Sehenswuerdigkeiten in Bulgarien_Tanz
Hier ist Ausdauer gefragt: traditionelle Tanzshow.

Scheinbar ist es – so wie hierzulande – auch in Bulgarien en vogue, wieder in Tracht zu heiraten. Ansonsten tragen die Tracht aber eher Tänzerinnen und Tänzer, wenn sie in traditionellen Restaurants auftreten. Diese Shows zählen zu jenen Sehenswürdigkeiten in Bulgarien, die sich einheimische Touristen selbst gern gönnen.

Tipp: Den bulgarischen Feuertanz, ein Tanz auf heißen Kohlen, können Touristen ebenso im Rahmen von organisierten volkstümlichen Restaurant-Abenden sehen.

#9 Geschichte hautnah erleben

Noch mehr kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten in Bulgarien gefällig? Das bisher einzige Freilichtmuseum in Bulgarien liegt in Etera. Dort kann man ein paar Stunden verbringen, Handwerkern zuschauen und Mitbringsel wie Schmuck oder Holzspielzeug kaufen. Recht authentisch speist man in den zugehörigen Restaurants.

Bulgarien Geschichte_Historsicher Park_Malerarbeiten
Bulgariens Geschichte authentisch darstellen: Malarbeiten im Historischen Park.

Während Etera nur eine Periode der bulgarischen Geschichte behandelt, entsteht bei Varna gerade ein riesiger archäologischer Komplex: Der „Historische Park“ ist eine Art interaktives Freilichtmuseum und ein Teil davon ist bereits für Besucher geöffnet. Die sechs wichtigsten geschichtlichen Perioden des Landes werden anhand von Siedlungs-Nachbauten anschaulich dargestellt. Besucher können aktiv sehen und erleben, wie sich das Leben zu jenen Zeiten abgespielt hat.

Tipp: Rund 40 Kilometer vom „Historischen Park“ in Neofit Riski entfernt kann man ein UNESCO-Welterbe besuchen: den Reiter von Madara, ein Felsrelief in mitten üppiger Natur.

Klimaschonende Anreise
Wir sind mit dem Bus von Österreich nach Bulgarien gereist. Es gibt günstige Direktverbindungen von Wien nach Sofia. Die Fahrtzeit liegt bei rund 15 Stunden. Wer mehr Zeit hat, kann die Reise auf einzelne Etappen aufteilen und zum Beispiel in Budapest und Belgrad halten. Auch die Anreise per Zug ist möglich, dauert aber länger: Von Wien nach Belgrad (aktuell rund 14 Stunden über Zagreb) und von dort aus weiter nach Sofia (rund 11 Stunden).

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