(WERBUNG) Von außen betrachtet grau. Innen voller Leben. Belgrad ist kein Freileichtmuseum. Aber ein Ort mit Potenzial. Man weiß selten, was hinter der nächsten Tür lauert.

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Müsste man Belgrad mit nur einem Wort beschreiben, würde man wohl dieses wählen: Wandel. Die Stadt befindet sich fortwährend im Transformationsmodus, seit sie einst von den Kelten gegründet und von den Römern, Osmanen und Habsburgern beherrscht wurde. Mehr als 150 Schlachten wurden in Belgrad ausgetragen, mehr als 40 Mal wurde die serbische Hauptstadt neu aufgebaut. Und heute? Belgrad erfindet sich wieder einmal neu. Darin ist die Stadt, an der sich die Ströme Save und Donau vereinen, Meister. Vieles ist im Fluss, im Niedergang, im Entstehen.

Serbien_Belgrad_ Künstlerviertel Skadarlija

Künstlerviertel Skadarlija

Einzig der Verkehr stockt. Das liegt daran, dass die Hauptverkehrsader gerade umgebaut wird. Bis der neue Kreisverkehr befahrbar ist, ist Stop-and-Go vorprogrammiert. Eine U-Bahn ist in Planung. Schon lange. Wann genau sie fertig wird, ist ungewiss. So wie die Fertigstellung der Heiligen Sava Kirche.

Serbien_Belgrad_Heilige Sava Kirche

Serbien_Belgrad_Heilige Sava Kirche

Sie ist eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. Während des Kommunismus, als Religion verpönt war, stand sie jahrelang als Baustelle da. Aktuell wird der Dom saniert, die Kuppel mit einem kunstvollen Mosaik verziert, finanziert von der russischen Gazprom.

In Belgrad ensteht ein Mini-Dubai

Auch andere Interessenten haben sich heute in Belgrad breitgemacht. Araber zum Beispiel. Geldgeber aus Abu Dhabi investieren in das neue Hafenviertel „Belgrade Waterfront“, das in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten entsteht.

Serbien_Belgrad_Belgrade Waterfront

Das Großprojekt “Belgrade Waterfront” wird von arabischen Investoren finanziert.

Eine eigens dafür eingerichtete Ausstellung zeigt das Vorhaben im Miniaturformat: Wolkenkratzer mit Luxusappartements, Promenaden, Bürokomplexe. Man könnte meinen, hier entsteht ein zweites Mini-Dubai. Wer Belgrad heute besucht, wird es wahrscheinlich morgen nicht mehr wiedererkennen. Das sagt auch Reiseführer Dimitri: „Das Faszinierende an Belgrad ist die Schnelllebigkeit, in zwei bis drei Jahren sieht wieder vieles ganz anders aus.“

Rundum-Erneuerung in Planung

Verändern wird sich in nächster Zeit auch der alternative Stadtteil Sava Mala, der heute von Szenelokalen und Graffiti geprägt ist. Die Häuser sollen renoviert werden, das Viertel aufgewertet und eine Fußgängerbrücke hinauf in die Altstadt führen.

Serbien_Belgrad_Graffiti

Graffitikunst im Stadtteil Sava Mala

 

Serbien_Belgrad_Beton Hala

Beton Hala: Flaniermeile mit Lokalen an der Wasserfront

Gleich daneben, am Ufer der Save, haben sich stylische Cafés und Bars in den Lagerstätten des ehemaligen Handelshafens eingemietet. Loungemusik, moderne Balkanküche und Blick aufs Wasser prägen den „Beton Hala“ genannten langgestreckten Gebäudekomplex.

Belgrads kulinarische Revolution

Apropos Kulinarik: Selbst die erlebt in Belgrad gerade eine kleine Revolution. Serbien ist traditionell ein sehr fleischlastiges Land. Gleichzeitig hat die Fastenküche der Orthodoxen den Speiseplan geprägt. Heute türmen sich zwar in vielen Restaurants noch immer Teller mit Zentimeter hohen Fleischbergen auf den Tischen, aber auch vegetarische und vegane Speisen setzen sich durch. Belgrads Restaurantszene fügt sich ins wandlungsfähige Stadtbild ein: Sie ist im Umbruch.

“New Balkan Cusine”

Neuer Star am Gastrohimmel ist das Lokal Iris, untergebracht in einer unscheinbaren Altbauwohnung. Die Wände sind bewusst kahl gehalten, das Raumkonzept simpel. Der 31-jährige Koch Vanja Puškar will, dass sich die Gäste auf das Geschmackserlebnis konzentrieren, nicht auf das Interieur. Jeden Monat wechselt das Menü, es gibt eine Version mit Fleisch und eine vegetarische Variante.

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Im Restaurant Iris in Belgrad wird “Neue Balkanküche” serviert.

 

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Überbackenes serbisches Wurzelgemüse im Restaurant “Iris”.

Zubereitet werden die Speisen in der offenen Schauküche. Auch kulinarisch geht Puškar andere Wege: Er interpretiert traditionelle serbische Gerichte neu. „New Balkan Cuisine“ nennt er sein Konzept. Die Zutaten und auch so manche Rezeptidee holt er sich bei Bauern und kleinen Produzenten im Umland von Belgrad.

Belgrad für Vegetarier

In einem noch unscheinbareren Gebäude ist das vegetarische Restaurant „Radost House“ untergebracht. Von außen vermutet man eher ein Abrisshaus. Sobald der Fuß in die Tür gesetzt ist, tut sich eine gänzlich andere Welt auf: dunkelblaue Wände, Kerzenlicht, antik anmutende Vollholzmöbel. Wohnzimmeratmosphäre.

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Unscheinbar: Das Lokal “Radost House” von außen.

 

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Stimmungsvolle Atmosphäre im Restaurant “Radost House”

 

Serbien_Belgrad_Radost House

Vegetarisches Restaurant “Radost House” in Belgrad

Eine steile Treppe führt in den Hinterhof, wo sich ein Gastgarten in Form einer kleinen, grünen Oase versteckt. Serviert werden vegetarische und vegane Burger, Tortillas, Salate und Aufstriche.

Noch ist wenig auf Hochglanz poliert

Ähnlich rau und ungeschminkt wie die Szenelokale von außen wirken, präsentiert sich an vielen Ecken auch der Rest Belgrads. Genau das macht die Stadt aber spannend, geheimnisvoll, erkundenswert. Belgrad gibt nicht vor etwas zu sein, das es nicht ist. Nur wenig ist auf Hochglanz poliert – noch nicht. Potenzial liegt in der Luft. Hinter jeder Tür könnte etwas Unerwartetes lauern. Concept Stores, Sperrmüllhaufen, Hipstercafés, Graffitikunst, Bio-Eisläden, sozialistische Wohntürme und prunkvolle Gebäude wie das Parlament existieren nebeneinander.

Grafitti in Belgrad

In Belgrad hat alles seine Berechtigung – noch.

Reiseleiter und andere Einheimische machen einem ebenso wenig etwas vor. Die Dinge werden beim Namen genannt, etwas schön zu reden scheint ihnen gar nicht in den Sinn zu kommen. Man hat das Gefühl, nicht durch ein aufgemascherltes Freilichtmuseum geführt zu werden. Sondern durch einen realen städtischen Dschungel mit all seinen Ecken und Kanten.

Die “schwarzen Flecken” von Belgrad

Bei einer Radtour mit „IBikeBelgrade“ führt Tourguide Dušan zu einem, wie er es nennt, „schwarzen Fleck“ Belgrads. Auf einer Wiese steht ein altes, eingefallenes Gebäude. „Hier wurde zwischen den zwei Weltkriegen ein Handels- und Messezentrum gebaut“, erklärt Dušan, „das hier war der Fernsehturm.“ Vom Glanz vergangener Zeiten ist nichts mehr zu erkennen, außen bröckelt die Mauer ab, innen gammeln Müll und verblichene Zeitschriften vor sich hin.

Serbien_Belgrad_IBikeBelgrade

Radtour durch Belgrad mit “IBikeBelgrade”

 

Serbien_Belgrad_Fernsehturm alt

Belgrad ehemaliger Fernsehturm ist heute eine Ruine.

Am selben Areal befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Konzentrationslager. Heute wird eines der Häuser von Roma und Sinti bewohnt. Etwas weiter drüben wurde nach 1945 nicht etwa eine Gedenkstätte errichtet, sondern in den Neunziger Jahren eine Disco, später ein Restaurant. Was wird aus diesem Ort in Zukunft? Dušan weiß es nicht.

Kosename für die sozialistischen Wohnblöcke

Die sozialistischen Wohnblöcke in der Nähe muten von außen nicht gerade gemütlich an. „Die Leute wohnen aber gern hier“, sagt Dušan, „weil sie sehr stadtnah gelegen sind“. Die großen, grauen Klötze werden von den Einheimischen liebevoll „Fernsehhäuser“ genannt.

Serbien_Belgrad_Fernsehhaus

Sozialistische Wohnblöcke wie diese werden in Serbien “Fernsehhäuser” genannt, weil sie tiefe Blicke in die Wohnzimmer freigeben.

Die Fensterfronten der Wohnungen schauen von außen wie überdimensionale TV-Bildschirme aus. Wenn es dämmert und innen das Licht angeht, bräuchte man nur ein Fernglas zur Hand nehmen. Und man könnte wie in einem Fernsehprogramm beobachten, was sich in den fremden Wohnzimmern abspielt.

Sonnenuntergang über der Save

Romantischer als in anderer Leute Wohnungen zu spähen ist aber der Sonnenuntergang über der Save, zum Beispiel von der Ada Brücke aus. Während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, zerfließt das Belgrader Häusermeer zu einem gräulich-weißen Brei.

Serbien_Belgrad_Ada Bruecke_Sonnenuntergang

Von der Ada-Brücke kann man der Sonne zuschauen, wie sie über der Save untergeht.

Die Metropole stimmt sich auf das Nachtleben ein. Auch das ist im ständigen Wandel. Clubs, die heute noch en vogue sind, haben am nächsten Tag vielleicht schon dicht gemacht. Zerbröselnde Jahrhundertwendehäuser entpuppen sich als Hotspots für Nachteulen.

Belgrads legendäres Nachtleben

So wie der Club „Strogi Centar“. Steigt man die steilen Treppen hinauf und öffnet die Tür, findet man sich in einer filmreifen Szene wieder. In die verschachtelte Altbauwohnung wurde eine Bar platziert. Die Wände sind von lokalen Künstlern bemalt. Es wuselt vor Leuten und die Klänge einer Live-Bluesband durchdringen das heitere Geschehen. Man kommt leicht ins Gespräch. Das Publikum scheint aus weltoffenen Bürgern zu bestehen.

Serbien_Belgrad_Nachtleben

Der Belgrader Club “Strogi Centar” von außen

 

Live-Band im Belgrader Club "Strogi Centar"

Live-Band im Belgrader Club “Strogi Centar”

Einige von ihnen sind im Jugendalter während der Jugoslawienkriege mit ihren Familien ins Ausland geflohen, um der schlechten wirtschaftlichen Situation und den Folgen des internationalen Handelsembargos zu entkommen. Rund 20 Jahre lang haben sie in Ländern wie Israel oder Zypern gelebt, dort Ausbildungen gemacht, studiert, Berufserfahrung gesammelt. Jetzt, mit Mitte, Ende 30, sind sie heimgekehrt und somit ebenfalls ein Teil des Belgrader Wandlungsprozesses. Die Nächte in Belgrad sind lang. Am nächsten Tag geht die Erkundungstour weiter. Schließlich wartet noch viel Unerwartetes.

 

Koffer packen und los geht’s:

Anreise: Natürlich kann man nach Belgrad fliegen. Wir empfehlen aber die Anreise per Zug, die von Wien aus rund zwölf Stunden dauert.

Unterkunft: In Belgrad gibt es viele lässige Hostels. Einige davon befinden sich auf einem Hausboot auf den Flüssen Save und Donau, zum Beispiel das San Art Floating Hostel oder das ArkaBarka Floating Hostel. Wer es komfortabler mag, checkt im Radisson Blu Old Mill Hotel ein. Das moderne Luxushotel mit Spa-Bereich ist in einer ehemaligen Mühle untergebracht.

Sehenswürdigkeiten:

  • Künstlerviertel Skadarlija: Kopfsteinpflaster, traditionelle Restaurants, Cafés und Galerien.
  • Nikola Tesla Museum: Nikola Tesla gilt als der Erfinder des Wechselstromgenerators. Ein Film zeigt seine von Rückschlägen geprägte Forscherkarriere, eine interaktive Ausstellung befasst sich mit Teslas Faszination für Strom.
  • Festungsberg Kalemegdan: Von hier oben aus hat man einen weitreichenden Ausblick auf die Neustadt Novi Beograd sowie den Zusammenfluss von Save und Donau. Der ideale Ort, um der Sonne beim Untergehen zuzuschauen.
  • Radtour: Belgrad ist zwar nicht gerade eine fahrradfreundliche Stadt. Trotzdem lohnt sich eine Radtour mit „IbikeBelgrade“, um einen Überblick zu bekommen und mit Insiderwissen versorgt zu werden.

Offenlegung
Dieser Beitrag ist auf Einladung und mit finanzieller Unterstützung von Serbien Tourismus entstanden.