Vienna Coffeehouse Converesations: auf einen Kaffee mit Fremden

Vienna Coffee House Conversations
Ein Schuckerl Kaffee und ein Wortwechsel mit einem unbekannten Gegenüber
Normalerweise geht man mit Freunden ins Kaffeehaus. Anders bei den Vienna Coffeehouse Conversations: Dort treffen Wiener und Reisende aufeinander und grübeln bei einer Tassee Kaffee über das Leben.

VON GASTAUTORIN EVA SINGER

Was sind die Vienna Coffeehouse Conversations? Fangen wir erstmal so an: Auf einen Kaffee gehen – das tun wir Österreicher am liebsten mit Freunden. Wir suchen uns ein nettes Café und ziehen uns zurück ins unsere Komfortzone. Dabei könnten ganz neue, spannende Perspektiven und Gedankengänge entstehen, wenn wir uns statt mit Freunden mal mit gänzlich Fremden zum Kaffeeklatsch treffen.

Genau das haben sich auch die Initiatoren der Vienna Coffeehouse Conversations gedacht: Im Ambiente eines traditionellen Wiener Kaffeehauses treffen Wien-Reisende und Einheimische aufeinander, um einen Abend im Gespräch mit Unbekannten zu verbringen. Als Leitfaden dient ein Fragenkatalog des Oxforder Philosophen Theodore Zeldin. Am Ende des Abends muss man nicht alle Fragen beantwortet haben und sich auch nicht mögen – nur die Sichtweise des anderen kennengelernt haben. kofferpacken.at-Autorin Eva hat sich dem Versuch gestellt.

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Da sitzen wir nun und blicken uns leicht verlegen über unsere Kaffeetassen hinweg an. Auf der einen Seite des Tisches Paul, ein 73-jähriger Rentner aus Australien, auf der anderen Seite ich, eine junge Frau aus Wien. An einen Tisch gebracht haben uns die Vienna Coffeehouse Conversations des Wiener Kulturvereins Space and Place.

Vienna Coffeehouse Converesations: “Wer bist du?” als größte Frage

Organisator Eugene Quinn erklärt die Idee, frei nach dem Oxforder Philosophen und Historiker Theodore Zeldin. „Wer bist du?“, das sei die größte Frage des 21. Jahrhunderts. Bei der Antwort helfe das Gespräch mit anderen, mit Fremden. In seinem Werk „An Intimate History of Humanity“ hat Zeldin 25 Fragen formuliert, die wir einander stellen sollen.

Vienna Coffee House Conversations
Mit Fremden Kaffee trinken und reden – bei den Vienna Coffehouse Conversations. Foto: Vienna Unwrapped

Schweigend studieren Paul und ich das Fragenmenü, das wir in Händen halten. Wo beginnen? Wir entscheiden uns für das Naheliegende – was uns an diesen Tisch beziehungsweise zum Mitmachen bei den Vienna Coffeehouse Conversations gebracht hat.

Mein Kaffeehauspartner ist kein Mann der großen Worte

Paul hat sein Haus in Brisbane im Rahmen eines Wohnungstausches einem Wiener überlassen und logiert nun für drei Wochen in dessen Wohnung in der Wipplingerstraße. Die Idee, an den Vienna Coffeehouse Conversations teilzunehmen, hatte seine Frau. Er sei eigentlich kein Mann der großen Worte.

Und doch erfahre ich an diesem Abend viel über Paul. Nicht nur über sein Leben in Australien und seine Familie. Sondern auch über Dinge, die er in seinem Leben nicht getan hat, über Wendepunkte, an denen er sich entscheiden musste. Manchmal klingt die Frage an, was gewesen wäre, wenn. Dann legen wir den Fragenkatalog kurz beiseite, nehmen einen Schluck Kaffee und hängen unseren Gedanken nach.

Auch was wir nicht besprechen, hat jetzt Gewicht

Aber auch die Dinge, über die Paul und ich nicht sprechen, haben Gewicht. Themen, bei denen wir, kaum merkbar, ausweichen. Auch sie erzählen etwas über unsere Geschichte.

“Wo sind die Grenzen Ihres Mitgefühls?“, “Welche Teile Ihres Lebens waren Zeitverschwendung?”, “Wogegen haben Sie in der Vergangenheit rebelliert – und wogegen heute?”, so und ähnlich lauten die Fragen aus dem Menü.

Die Kellnerin lädt scheppernd Pauls Teller am Tisch ab. Mein Gericht kommt später: “Ich hab da was verwechselt. Das kann jetzt dauern”, erklärt sie ohne eine Spur des Bedauerns. Paul lacht herzhaft: “Das kenne ich so gar nicht. Ist das der bekannte Charme der Wiener Kellner?“

Am Ende des Abends haben wir beide etwas gelernt – über uns selbst und über die Heimat des anderen. Und darüber, dass Smalltalk und richtig gute Gespräche oft nur ein paar gute Fragen auseinander liegen.

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  • Beginn der Vienna Coffeehouse Conversations ist jeweils um 19 Uhr im Café Ministerium, Georg Coch-Platz 4; 1010 Wien
  • Kosten: einfaches Event-Ticket 11 Euro, mit Getränk & Essen mehr
  • Anmeldung online beim Kulturverein Space and Place – hier gehts zu den FAQs des Events.
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4 Kommentare

  • Vienna Coffeehouse Conversations: eine wunderbare Idee!! Vor allem die Fragen finde ich sehr spannend. Trifft man denn dort wirklich auf Wiener oder gibt es mehr Touristen, die den Kontakt zu Wienern suchen? LG, Sabine

    • Liebe Sabine! Laut unserer Autorin treffen Reisende bei den Coffeehouse Conversations durchaus auf “echte” Wiener, zumindest auf in Wien lebende Personen. Falls es sich verhältnismäßig mal nicht ausgehen sollte, kann man das Gespräch zum Beispiel auch zu Dritt führen.
      Liebe Grüße
      Maria

  • Klingt toll, ich werde das Kaffehaus mal besuchen. Es ist wirklich eine originale Idee! Spricht man dort auf Deutsch, oder sind die Conversations auf Englisch?

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