Adventzauber mit Insel-Feeling: Mit dem Schiff auf die Insel zum Adventmarkt. Sowas gibt’s tatsächlich: Auf der Fraueninsel am Chiemsee in Bayern.

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Ein eisiger Wind weht. Schneeflocken bröseln vom Himmel und lösen sich Sekunden später auf den sanften Wellen des Chiemsees auf. Der wirkt heute rau wie das Meer, schlägt aufmümpfig Wellen. Er präsentiert sich in einem kahlen Grau-Blau, umhüllt von einer Landschaft aus Weiß. Nebel, Wolken, Schnee vereinen sich zu winterlicher Blässe. Im Hintergrund die verschneiten Gipfel der Chiemgauer Alpen. Man stellt sich kurz vor, man würde auf einem Schiff zwischen den eisigen Fjorden Norwegens hin- und herschaukeln.

Dabei befindet man sich in Deutschland. In Bayern. Eine Zugstunde von München oder – aus der anderen Richtung kommend – eine Zugstunde von Salzburg entfernt. Vom Bahnsteig gelangt man zu Fuß oder mit dem Shuttlebus zur “Stefanie”. Das Linienschiff bringt einen über das „Bayrische Meer“ auf die Fraueninsel.

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Sie ist neben der Herreninsel und der unbewohnten Krautinsel eine von drei Eilanden im Chiemsee. Gemeinsam bilden die Inseln die kleinste Gemeinde Bayerns. Auf der autofreien Fraueninsel leben rund 250 Menschen, ein eineinhalb Kilometer langer Fußweg führt rundherum. Vorbei an Bootshäusern und verschneiten Stegen. Inselfeeling, gepaart mit Adventzauber – eine ungewöhnliche Mischung.

Christkindlmarkt auf der Fraueninsel

Jedes Jahr im Advent veranstalten die Insulaner einen ganz besonderen Adventmarkt. Der „Christkindlmarkt auf der Fraueninsel“ findet jeweils nur an den ersten zwei Adventwochenenden statt. Dementsprechend überlaufen sind die Linienschiffe, die Besucher rüber auf die Insel bringen. Die Menge, die sich zuvor noch in langen Schlangen anstellen musste, verteilt sich aber relativ gut.

Selbstgemachtes von den Insulanern

Der Christkindlmarkt ist nämlich über die gesamte Insel verteilt. Überall finden sich liebevoll dekorierte Holzstandln mit Kunsthandwerk, Geschenken und Kulinarischem. Insgesamt 90 Aussteller laden zum Flanieren ein. Da gibt es zum Beispiel Schüsseln und Krüge von der Insel-Töpferei zu kaufen, Kunst aus der Insel-Galerie oder Hauben aus Merinowolle, handgestrickt in Prien am Chiemsee.

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Inselfische am Adventmarkt

Auch kulinarisch merkt man, dass man sich auf einer Insel befindet: Neben typischen vorweihnachtlichen Leckereien wie Bratwürsteln oder Rösti werden vor allem geräucherte und herausgebrutzelte Inselfische wie zum Beispiel Renken aus Wildfang – in Österreich Reinanken genannt – angeboten.

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Die Weite des Sees

Advent mit Inselfeeling, das sieht so aus: Man schlendert ein paar Mal über das Eiland. Mal bleibt mal hier stehen, mal da. Man schaut, man stöbert, man isst und trinkt. Man staunt wie ein kleines Kind, wenn sich das beleuchtete Karussell zu drehen beginnt. Man lässt sich von der Gastfreundschaft der Bayern verwöhnen. In der Nase der Geruch nach geräuchertem Inselfisch. Und immer wieder schaut man über den Chiemsee. Kann kaum glauben, dass sich das reine Existieren so anders anfühlt, wenn die Weite eines Sees von der Hektik da draußen abschirmt.

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Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont. Das Wetter hat sich gedreht, der Himmel ist aufgeklart. Jetzt ist die Insel komplett in Blau gehüllt. Der See, der Himmel, die Berge, die Wolken. Ein heimeliges Gefühl vermitteln die Lichter der Verkaufshütten, das farbenfrohe Ringelspiel, das beleuchtete Schiff, dass wie in Zeitlupe am Steg andockt. Wer schon länger da ist, wärmt sich die Hände am Lagerfeuer. Oder an einem Häferl mit BIO-Ingwer-Glühwein. Bei der Rückfahrt mit dem Schiff nach Prien am Chiemsee kommt ein Hauch von Wehmut auf. Wie das mit Inseln eben so ist. Man fühlt sich, als würde man wieder zurück ins Leben, in die Realität, in den ganz normalen Alltagswahn katapultiert werden.

Koffer packen und los geht’s:

  • Datum: Der Christkindlmarkt auf der Fraueninsel findet jedes Jahr an den ersten beiden Adventwochenenden statt. Der Besucheransturm ist dementsprechend groß. Trotzdem lohnt es sich, hierherzukommen, die Menge verteilt sich nach Anlegen des Schiffes rasch auf der gesamten Insel.
  • Anreise: Am besten mit dem Zug von Salzburg nach Prien am Chiemsee. Von dort aus gibt es einen Shuttlebus und einen Dampfzug. Wir empfehlen, die rund zwei Kilometer lange Strecke zum See zu Fuß zu gehen (Seestraße oder Eschenweg). Das geht schneller, als sich an der Kassenschlange anzustellen. Vom Hafen in Prien am Chiemsee geht es per Linienschiff auf die Fraueninsel. Die Überfahrt dauert rund eine halbe Stunde. Es gibt ausreichend Sitzmöglichkeiten im Warmen.
  • Christkindlmarkt in Prien: Nach dem Besuch des Christkindlmarkts auf der Fraueninsel zahlt es sich aus, noch einen Abstecher in die Ortschaft Prien zu machen. Nur wenige Gehminuten vom Bahnhof befindet sich der Priener Christkindlmarkt (bei der Kirche).
  • Aufwärmen in Prien: Vor der Rückfahrt mit dem Zug eignet sich das Café Villino (Hochriesstraße 20) bestens, um sich noch kurz bei Kaffee oder heißer Schokolade aufzuwärmen. Es liegt nur eine Gehminute vom Bahnhof entfernt etwas versteckt in einem kleinen Park. Drinnen kann man nicht nur Kuchen essen und trinken, sondern auch im liebevoll arrangierten Geschenkladen schmökern.
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