Polens Hauptstadt gilt nicht gerade als Augenweide. Manche schimpfen sie sogar als “hässlichste Hauptstadt Europas”. Dabei wird Warschau längst als “das neue Berlin” gehandhabt.

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Hip bei Trendsettern. Ist Warschau das “neue Berlin”? Was Berlin vor 20 Jahren war, ist Warschau heute: Wenig herausgeputzt, günstige Mieten, aufsteigende Kreativszene. Vor allem im Viertel Praga, das am anderen Ufer der Weichsel liegt, tut sich in dieser Hinsicht viel. “Immer mehr Leute ziehen von Berlin hierher”, erzählt ein Engländer, der seit sechs Jahren hier lebt. Nicht nur wegen der Umzugswelle aus Berlin wird Warschau internationaler: Zurzeit sind es vor allem Spanier, die der Krise entfliehen und hier ihr Glück versuchen.

Warschau

So bunt ist eine der angeblich hässlichsten Städte Europas.

Auf Entdeckungsreise. So bunt ist eine der angeblich hässlichsten Städte Europas. Warschau ist auf den ersten Blick unübersichtlich. Und vor allem eines: ziemlich grau. Die Stadt wirkt wie ein in alle Richtungen gezogener Strudelteig. Ein grauer Strudelteig. Von A nach B ist es meist weiter als vermutet. “Es ist nicht alles auf den ersten Blick sichtbar, man muss meistens ein Stück um die Ecke biegen, um die wirklich coolen Sachen zu entdecken”, erzählt ein anderer Expat. Neugierige entdecken hinter den grauen Fassaden unerwartet viel Buntes, Kreativität und Socializing.

Warschau für Newbies: Die Metropole in fünf Bildern

Warschau

Warschau

Warschau will hoch hinaus. Neben grauen kommunistischen Betonklötzen ragt eine Skyline aus hypermodernen Glasbauten hervor. Die polnischde Hauptstadt hat angeblich nach London, Frankfurt und Rotterdam die meisten Wolkenkratzer Europas. Wer sich in große Hotelketten wie Marriott oder Novotel einmietet, befindet sich mittendrin. Hoteltipp: MDM Hotel. Kommunistisches Bauwerk, innen renoviert, Frühstücksbüfett mit Blick auf den Platz der Konstitution; Verkehrslärm sollte einen nicht stören.

Zlote Tarasy

Zlote Tarasy

Kapitalismus pur. Im futuristischen Einkaufszentrum “Zlote Tarasy” wimmelt es am Samstag vor Menschen. Von H&M bis Marcs & Spencer sind alle gängigen Ladenketten vertreten. Und auch sonst erstrahlt die Stadt im Glanz des Kapitalismus: Auf den grauen Sowjet-Bauten prangen Leuchtreklamen so groß wie fast nirgendwo in Europa.

Altstadt Warschaus

Altstadt Warschaus

Die neueste Altstadt Europas. Die Altstadt Warschaus wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Jetzt ist sie neu aufgebaut und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO: gepflasterte Gassen, bunte Fassaden, Restaurants und Bars.

Milchbars in Warschau

Milchbars in Warschau

Kommunistisches Relikt. Die vielen Milchbars in Warschau und dem Rest Polens gelten als Relikt aus dem Kommunismus. Eigentlich sind sie nichts anderes als Selbstbedienungs-Lokale, in denen man sich günstig den Bauch vollschlagen kann. Mittlerweile gibt es viele modernere Milchbars, in denen vor allem jüngere Leute und Pensionisten essen gehen. Beliebteste Speise sind Piroggen, gefüllte Teigtaschen. Mit süßer oder saurer Füllung sind sie eine leckere, günstige Mahlzeit.

Warschauer Kulturpalast

Kulturpalast

Verhasster Palast. Der Kulturpalast gilt bei der älteren Generation als verhasstes Gebäude. Warum? Stalin ließ ihn nach dem Zweiten Weltkrieg als “Geschenk aus Russland“ erbauen. Die Jüngeren haben mit alldem aber nichts mehr am Hut: Heute wird der Koloss unter anderem als Schwimmbad, Theater und Einkaufszentrum genutzt. Tipp: Im Café Kulturalna ist immer viel los. Und: Wer mit dem Lift auf die Aussichtsterrasse fährt, hat den besten Ausblick auf die Stadt. (Maria Kapeller, Mai 2014, kofferpacken.at)