Noch haben es Menschen mit Behinderung in Österreich schwer, eine passende Unterkunft zu finden. Immerhin: Es tut sich etwas.

tl_files/Berichte/RundUmsReisen/Reisen mit Barrieren.jpg

Die Suche nach einem Urlaubsquartier gestaltet sich für körperlich beeinträchtigte Menschen oft schwierig.

****

“Ich buche nur Hotels, die ich selbst kenne”, erzählt Leo Pürrer. Das hat seinen Grund: Der Steirer sitzt seit 28 Jahren im Rollstuhl, für ihn ist es schwer, ein passendes Urlaubsdomizil zu finden. Laut Behindertenbericht 2008 sind derzeit rund 50.000 Menschen in Österreich auf einen Rollstuhl angewiesen, rund 13 Prozent der Bevölkerung haben dauerhafte Probleme mit der Beweglichkeit. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Bevölkerung altert und damit die Anzahl der Reisenden mit Mobilitätsbeeinträchtigungen steigt. “Es werden zwar immer wieder barrierefreie Hotels angeboten, aber meistens kommen die ersten Probleme schon beim Betreten des Hauses auf, weil es Stiegen gibt oder die Haustür zu eng ist”, sagt Pürrer.

Schwierige Quartierssuche

Auch Eduard Riha, Generalsekretär der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, der Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs, weiß: “Das Schwierige ist immer die Suche nach einem Quartier.” In Österreich gebe es im Vergleich zu anderen europäischen Ländern “keine wirklich guten” Datenbanken. Die Selbstbewertungen der Hotels würden oft nicht mit den tatsächlichen Bedürfnissen übereinstimmen. “Meistens kommt es da zu merkwürdigen Überraschungen”, so Riha.

Das größte Problem bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft sei häufig das Badezimmer. “Dabei ist nachgewiesen, dass ein behindertengerechtes Bad nicht mehr Platz braucht, als für Hotels in gewissen Sternekategorien ohnehin vorgeschrieben – es kommt nur auf die Raumaufteilung an.” Viele der Schwierigkeiten sieht Riha darin begründet, dass das Thema Barrierefreiheit in bautechnischen Ausbildungen nicht verpflichtend ist.

Vorschrift ja, Verpflichtung nein

Im barrierefreien Tourismus tut sich zwar etwas, aber die Mühlen mahlen langsam. Seit Jahren gibt es neben der ÖNORM B 1600 “Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen” auch einen technischen Standard für den Tourismus: Die ÖNORM B 1603 “Barrierefreie Tourismuseinrichtungen – Planungsgrundlagen” besagt, wie Tourismusbetriebe wie zum Beispiel Hotels oder kulturelle Einrichtungen barrierefrei gestaltet werden können. Sie wird derzeit überarbeitet.

Weil die Anwendung von Normen aber grundsätzlich freiwillig und nur in Verbindung mit Gesetzen oder Verträgen verpflichtend ist, müssen sich Tourismusbetriebe bisher nicht danach richten. Für Riha, der an der Erstellung der ÖNORM B 1603 mitgearbeitet hat, wären die nächsten logischen Schritte, sie gesetzlich zu verankern oder verpflichtend in Förderungsbedingungen einzubinden.

Keine einheitlichen Zertifizierungskriterien

Der Schwachpunkt im barrierefreien Tourismus liegt auch darin, dass es für barrierefreie Hotels derzeit noch keine einheitlichen Zertifizierungskriterien gibt. Vordergründig bestehen zwar barrierefreie Übernachtungs-Angebote, oft entsprechen diese aber nicht den tatsächlichen Ansprüchen behinderter Menschen. Derzeit ist ein Zertifizierungsschema der ÖNORM B 1600 in Arbeit, um künftig die Barrierefreiheit von Gebäuden bewerten zu können. Auch für weitere ÖNORMEN wie etwa die ÖNORM B 1603 sollen künftig Zertifizierungsschemen erarbeitet werden.

Es gibt Anlaufstellen

Bis sich das Zertifierungsschema bewährt hat, gibt es immerhin einige Anhaltspunkte bei der Suche nach barrierefreien Hotels oder Urlaubsangeboten: Hilfestellung bietet etwa die Broschüre “Behindertenfreundlicher Hotelführer – Barrierefrei übernachten in Österreich” des Wirtschaftsministeriums. Darüber hinaus haben die meisten Bundesländer und einige Städte eigene Webseiten oder zumindest Infomaterial, das beim Urlaubsservice der Österreich Werbung erhältlich ist.

Oft sind es in Österreich aber Initiativen Einzelner, meist selbst Betroffener, die sich dem barrierefrien Tourismus widmen. Leo Pürrer, der im Land Steiermark als Berater für den Bereich “Barrierefreies Planen und Bauen” arbeitet, führt selbst die Urlaubs-Datenbank www.barrierefreierurlaub.at. In Wien hat das Österreichisches Hilfswerk für Taubblinde und hochgradig Hör- und Sehbehinderte (ÖHTB) im Jahr 2004 eine Internetplattform mit dem Namen www.urlaubfueralle.at ins Leben gerufen, die sämtliche Informationen über barrierefreien Tourismus in Österreich bündelt. Vor allem der Umgang mit dem Wort “barrierefrei” ist dem Verein wichtig: Man verstehe darunter Barrierefreiheit für alle, das heißt: nicht nur für Rollstuhlfahrer. (Maria Kapeller, kofferpacken.at)

Hoteltipp: Hotel Bräuwirt in Kirchberg bei Tirol