Auswandern nach Neuseeland? Tipps von einer, die es getan hat

Auswandererin nach Neuseeland
Kiwis statt Äpfel: als Auswanderin in Neuseeland.
Die Österreicherin Anna-Sofia Birgit Lehner hat eine Zeit lang in Neuseeland gelebt. Im Interview erzählt sie, warum man beim Auswandern keine halben Sachen macht

Leben am anderen Ende der Welt? Auswandern nach Neuseeland scheint für viele ein Traum zu sein. Die Niederösterreicherin Anna-Sofia Birgit Lehner hat vier Jahre lang in Neuseeland gelebt, bevor sie weiter nach Spanien zog. Auswandern, sagt sie, geht nur „ohne Rücksicht auf Verluste.“

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kofferpacken.at: Ihre erste Auswanderung führte Sie vor einigen Jahren nach Neuseeland. Wie kam es?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Den Traum vom Leben und Arbeiten in einem anderen Land gab es schon lange, aber der Zeitpunkt war nie der richtige. Entweder passte es beruflich nicht, ich hatte zu wenig Geld gespart oder war in einer Partnerschaft. Während meiner Studienzeit habe ich immer wieder die Gelegenheit genutzt, Erfahrungen im Ausland zu machen. Als schließlich alles stimmig war, habe ich diese Entscheidung getroffen.

kofferpacken.at: Waren Sie vor der Auswanderung schon einmal in Neuseeland?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Ich war nur ein Mal für zwei Wochen dort. Vor allem um meine „Immigration Advisers“ (Anmerkung: Einwanderungsbetreuer) mal persönlich kennen zu lernen und gewisse Dinge zu besprechen und zu klären.

kofferpacken.at: Warum haben Sie damals genau das „Ende der Welt“ als vorübergehenden Lebensmittelpunkt gewählt?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Alles was ich bisher über Neuseeland gehört oder gelesen hatte, hat mich fasziniert. Ich bekam ein Bild von einem Land, in dem noch alles in Ordnung ist beziehungsweise wo alles friedlicher und gelassener ist. Also wollte ich dorthin.

kofferpacken.at: Wie stellet sich die Realität des Auswanderns dar?

Anna-Sofia Birgit Lehner:: Die Realität ist, dass man den Sprung ins kalte Wasser wagen muss. Meiner Meinung nach gibt es nur alles oder nichts, ganz oder gar nicht – halbe Sachen funktionieren nicht. Ich hatte diese Entscheidung getroffen und jetzt musste ich sie auch durchziehen. Weil ich wissen wollte, ob es funktioniert. Ich hatte in Österreich alles aufgegeben und mit dem Koffer in der Hand das Land verlassen, ohne zu wissen, was mich in Neuseeland erwarten würde. Ob ich einen Job finden würde und ob ich grundsätzlich bleiben könnte.

Auswandern: neue Heimat Neuseeland
Wiesen, Schafe, Ozean – das klassische Neuseeland

kofferpacken.at: Gab es Anfangsschwierigkeiten und Stolpersteine?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Ich habe in Österreich alles so gut wie möglich geplant und vorbereitet, das hat mir viele Stolpersteine erspart. Zuerst musste ich mich an das schnell gesprochene Englisch mit einem ganz eigenen „Slang“ gewöhnen. Das Einzige, das mir – vor allem als Österreicherin – anfangs im Weg war, war meine eigene Ungeduld. In Österreich muss alles schnell gehen und wir sind auch eine gewisse Geschwindigkeit gewohnt. Das ist in Neuseeland anders, alle Prozesse, einfach alles ist viel langsamer und gelassener. Das gilt für den Bewerbungsprozess bei der Jobsuche genauso wie für’s Autofahren. Rückblickend ist alles sehr gut und rund gelaufen – dank meiner Planung.

kofferpacken.at: Was unternahmen Sie, um sich in die neuseeländische Gesellschaft zu integrieren?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Ich beobachtete die Menschen und versuchte, gewisse Verhaltensweisen nachzuahmen beziehungsweise mich anzupassen. Ein kleines Beispiel ist, dass in Neuseeland zur Begrüßung und Verabschiedung nicht die Hände geschüttelt werden. Obwohl es nur eine Kleinigkeit ist, war es eine große Umstellung für mich, weil es einfach Gewohnheit war. Ein anderes Beispiel: Der Maori-Nasenkuss zur Begrüßung in meinem ersten Job – ich habe einfach das gemacht, was die anderen auch getan haben.

kofferpacken.at: Wie ging es Ihnen dabei, langsam Fuß zu fassen?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Ich hattee mich bei meinen Immigration Advisers sehr gut informiert und wusste von Anfang an über meine Chancen und die zugehörigen Bedingungen Bescheid. Ich musste eine Vollzeit-Stelle in meinem Berufsfeld, der Psychotherapie, finden. Das gelang mir rückblickend betrachtet relativ schnell.

Grundsätzlich ist das neuseeländische Volk außerordentlich freundlich, hilfsbereit und vor allem tolerant. Das erleichtert alles, denn jeder hilft dir gerne weiter, gibt dir Auskunft oder Tipps. Und es passiert schon mal, dass dich ein Fremder auf einen Ausflug mitnimmt und dir ein Stück Schönheit zeigt.

Auswandern Neuseeland Erfahrungsbericht
Auswanderin Krickl: „Schöner und besser als ich mir erträumt hatte.“

kofferpacken.at: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Es war besser und schöner, als ich mir erträumt hatte. Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich in diesem wundervollen Land sein durfte. Und auch wenn ich auf gewisse Vorzüge, die das österreichische System bietet, verzichten musste, war es das für mich wert. Ich bereue diesen Schritt nicht.

kofferpacken.at: Was sind die schönen beziehungsweise weniger schönen Seiten am Leben in Neuseeland?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Schöne Seiten sind viele zu benennen, von der traumhaften Landschaft über die offene Mentalität der Leute, deren Gelassenheit, Freundlichkeit und Toleranz bis zu der Tatsache, dass die Suppe nicht so heiß gegessen wird wie gekocht. Ich könnte von unzähligen Situationen berichten, die mich fasziniert und gleichzeitig menschlich berührt haben.

Zu den nicht so angenehmen Seiten würde ich vor allem meine Ungeduld zählen. Manchmal forderte mich diese Langsamkeit und Gelassenheit heraus. Das Gesundheitssystem ist in Neuseeland nicht so wie in Österreich, man muss jeden Arztbesuch bezahlen. Es gibt „nur“ vier Wochen Urlaub im Jahr und kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Aber ich würde das System trotzdem nicht als schlecht bezeichnen. Ich selbst hatte dieses Land gewählt und es relativierte sich alles, wenn man hier leben und arbeiten durfte.

kofferpacken.at: Zwischen Neuseeland und Österreich kann man nicht mal schnell hin- und herfliegen. Wie fühlte es sich an, so weit weg von der Heimat, vor allem von Familie und Freunden zu leben?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Es braucht in Neuseeland mehr Zeit, bis sich echte Freundschaften entwickeln. Man kommt schnell in Kontakt mit Menschen und erzählt sich auch persönliche Dinge von sich, doch es dauert länger, bis sich eine langfristige Freundschaft bildet. Mit der Zeit hatte ich ein paar vertrauensvolle Freundschaften geknüpft.

Ich hatte die letzten Jahre vor der Auswanderung in Wien gelebt und war daher schon vorher ein Stück von meiner Familie entfernt. Dank der modernen Technik war es sehr einfach, den Kontakt mit Freunden und Familie zu halten – vor allem über Internet- und Videotelefonie, Social Media und E-Mail.

kofferpacken.at: Haben Sie ein paar allgemeine Tipps für Menschen, die mit dem Gedanken einer Auswanderung spielen?

Anna-Sofia Birgit Lehner: Die Entscheidung, es ohne Rücksicht auf Verluste zu wagen – unabhängig davon, ob der Plan aufgeht oder nicht. Außerdem eine gute Planung. Die Zusammenarbeit mit den Immigration Advisers empfehle ich für Neuseeland unbedingt. Sie wissen genau, welche bürokratischen Wege zu gehen sind und wie die Chancen stehen. Ich halte es nicht für sinnvoll, sich auf eigene Faust durch den „Wald“ der Visumsanträge zu kämpfen – das kostet nur unnötig Zeit.

Ich würde auch empfehlen, sich einen Notfallplan zurecht zu legen – für den Fall, dass der Traum sich nicht verwirklicht. Doch meiner Meinung nach muss man wirklich alles aufgeben, alles hinter sich lassen und es wirklich mit ganzem Herzen tun. Halbe Sachen haben erfahrungsgemäß keine lange Dauer.

Und jeder Traum hat seinen Preis.

Anmerkung der Redaktion: Die Interviewpartnerin arbeitet für eine internationale Organisation und lebt mittlerweile in Spanien. Sie kann sich aber eine Rückkehr nach Neuseeland gut vorstellen.

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5 Kommentare

  • Hallo Birgit,
    super gratuliere dir. Ich vermisse die Welt. Kannst du mir ein paar Tipps geben, um in dieses tolle Land zu gelangen?

    Ich habe viel Fernweh. Würde mich freuen, wenn wir uns austauschen können, wenn du Lust und Zeit hast. Ich habe vor Jahren Australien gesehen, ein schönes Land. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

    Freue mich auf den Austausch mit dir.
    LG. Eva Reitzer (du kannst mich über FB erreichen)

      • Liebe Birgit,
        Ich hätte auch ein paar Fragen und würde mich sehr über einen Austausch freuen! Lieder kann ich dich unter bridget Anna krickl nicht bei Facebook finden. Gibt’s noch eine andere Möglichkeit? Liebe Grüsse
        Sonja

  • Hallo Birgit

    Bin auf deinen Bericht, durch eine Empfehlung gestossen und habe ihn mit viel Interesse gelesen. Zu deiner Entscheidung, alles hinter Dir zu lassen und hier von Null anzufangen, bekommst du meine volle Anerkennung und ich moechte Dir auch dazu gratulieren.

    Ich bin mir sicher, dass du es nicht bereuen wirst !!!

    Neuseeland ist ein wunderbares Land und meine Erfahrungen decken sich zum groessten Teil mit den Deinen.
    Ich lebe hier schon seit 10 Jahren und bin den Weg schon gegangen, den du noch vor dir hast. Dafuer wuensche ich Dir auch weiterhin, die noetige Ausdauer und Kraft, zu haben

    Arohanui

    Thomas

  • Wenn man diesen Beitrag liest kommt man regelrecht ins Schwärmen. Nach Neuseeland auszuwandern wäre schon ein Hit. Ich denke schon lange darüber nach diesen Schritt zu wagen aber gleichzeitig habe ich Angst, meine Heimat hinter mir zu lassen. Von den ganzen Umzugsarbeiten möchte ich erst gar nicht anfangen. Ein Katzensprung ist Neuseeland nämlich nicht gerade. Ich habe höchsten Respekt vor allen, die den Sprung geschafft haben und ausgewandert sind.

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