Die “Seenomaden” haben die Erde zwei Mal umsegelt. Die Heimat ist für sie überall. Nur nicht daheim.

Die Seenomaden in der Südsee

Allein in der Südsee verbrachten die beiden Österreicher mehrere Jahre. Fotos: Seenomaden

Ihre Leidenschaft hat sie zu Heimatlosen gemacht. Doris Renoldner, 47, und Wolfgang Slanek, 59, sind zwei Mal um die Welt gesegelt. Einmal in sieben, einmal in acht Jahren.

Heute ist ihr Kopf voll mit Eindrücken. Ihr Herz hängt an Häuptlingen auf einsamen Südeeinseln. Und an so vielen anderen Menschen, die sie ihr ganzen Leben lang nicht mehr sehen werden. Das Wort Heimat existiert für sie nicht mehr. Heimat ist die große weite Welt. Der sichere Hafen Wien, die alte Heimat, nur mehr Zwischenstation.

Einsame Inseln, wilde Stürme

Die beiden Weltumsegler haben Inseln besucht, die unsereins nicht einmal beim Namen kennt. Kein Flieger geht dorthin, kein Urlaubsschiff legt den Anker. Sie haben Stürme überstanden und waren oft Tage und Wochen auf offener See unterwegs.

Nomad, so heißt das Segelschiff der Seenomaden.

Ihre Yacht Nomad müssen die beiden auf Reisen laufend instand halten – also streichen und reparieren.

Die Magie des Ankommens

1.000 Euro brauchen sie im Monat ungefähr, das reicht für Treibstoff, Instandhaltung der Yacht und Verpflegung. Nach Jahren des Unterwegsseins wieder heil in Europa anzukommen, sei “magisch”. “Man ist glücklich, demütig, dankbar”, sagt Doris. Aber auch die Furcht vor der Rückkehr und das Wissen, das Landleben nicht mehr zu packen, mische dabei mit.

Um die Welt segeln birgt auch Gefahren

Womit hat man zu kämpfen, wenn man völlig auf sich gestellt die Welt umsegelt? Natürlich mit diversen Stürmen oder dass viele abgelegene Inseln keine geschützten Ankerplätze haben. Auch, dass man das Dingi (Beiboot) verliert, in Patagonien eine Eisscholle rammt oder eine Kokosnuss den Kopf trifft. Alles passiert, alles überstanden.

Die Seenomaden umsegeln die Welt.

Leben auf und mit dem Wasser. Manchmal dauert es zehn Tage oder mehr, bis die beiden Weltumsegler auf die nächste Insel treffen.

Unter Häuptlingen auf Südseeinseln

Und überhaupt – die magischen Momente machen alles wieder wett. Zum Beispiel auf Vanuatu, wo “jegliches Zeichen der Moderne fehlt”. Oder auf der Südseeinsel Tikopia, wo man sich stillschweigend der Aura eines Häuptlings hingibt. Und das Volk vor Leichtigkeit zu schweben scheint.

Oder auf Kitawa. Wo man der erste Besuch seit 18 Jahren ist, abgesehen von ein paar Versorgungsschiffen. Und mitgebrachte Medikamente gegen eine überdimensionale Yamswurzel tauscht. Doris: “Solche Augenblicke und Momente kann man nicht wiederholen.”