Hypezig oder Leipzig? Egal.

Graffiti, Kreativwirtschaft, Nachtleben. Erst hieß es, Leipzig sei cooler als Berlin. Dann: doch nicht. Der Hype um Leipzig ist verblasst. Wir waren trotzdem dort. Die Reisetipps dafür kommen hier. Einer für jeden Tag.

Graffiti,  Kreativwirtschaft, Nachtleben. Erst hieß es, Leipzig sei cooler als Berlin. Dann: doch nicht. Der Hype um Leipzig ist verblasst. Wir waren trotzdem dort. Die Reisetipps dafür kommen hier. Einer für jeden Tag.

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Montag ist Demo-Tag in Leipzig

Montag ist in Leipzig traditionell Demo-Tag. Das rührt noch aus der Zeit der DDR: Die sogenannten Montagsdemonstrationen (“Wir sind dsa Volk”) waren Teil der friedlichen Revolution im Herbst 1989 vor dem Mauerfall. Sie hatten in Leipzig ihren Ursprung. Jahrzehnte später demonstrieren aber oft nicht Menschen mit Sehnsucht nach Freiheit, sondern Legida-Anhänger. So nennen sich in Leipzig die Fans der fremdenfeindlichen Partei Pegida. Sie marschieren seit rund zwei Jahren montags auf, schwingen Hassparolen und Deutschland-Fahnen. Straßen werden gesperrt und die Polizei ist omnipräsent. Gegendemonstrationen gibt es natürlich auch. Wir waren mittendrin – ein mulmiges Gefühl. Abgesehen davon haben wir Leipzig aber als extrem freundliche Stadt mit offenen und hilfsbereiten Menschen erlebt.

Am Dienstag geht’s auf den Markt

Frisches Obst und der Gemüse aus der Region sowie aus aller Welt steht bei vielen Leipzigern an diesem Tag auf dem Speiseplan. Eingekauft wird in herrschaftlicher Kulisse – direkt am großen Marktplatz beim alten Rathaus. Die Preise sind deutlich niedriger, als man sie von österreichischen Märkten gewohnt ist: Ein Glas hausgemachte Marmelade oder ein halbes Kilo Nudeln gibt’s ab zwei Euro.

Einen Namen gemacht hat sich mittlerweile die Käsekuchenbäckerei Vincent aus dem benachbarten Bundesland Sachsen-Anhalt. Tipp: Wer den Markt am Dienstag versäumt, hat am Donnerstag nochmal die Möglichkeit zum Einkaufen.

Mittwoch: Frühstück im 100Wasser

Günstig, zentral, hell und freundlich, das ist das Café 100Wasser. Auf eine kitschige Art und Weise ist es eine Hommage an den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser (das geht wohl bei diesem Künstler nicht anders).

Unter der Woche gibt es ein megagünstiges Frühstücksbüfett um knappe sieben Euro pro Person. Alles da, was das Herz begehrt: Eier, Speck, Aufstriche, Cous Cous Salat, Lachs und frisches Obst. Adresse: Barfußgässchen 15

Donnerstag: Die Altstadt erkunden

Leipzigs Innenstadt ist vom Bahnhof aus in zwei Minuten zu Fuß erreicht. Sie ist nicht groß und hübsch anzuschauen. Vor allem die teilweise pompösen Einkaufspassagen fallen auf.

Sehenswürdigkeiten wie Auerbachs Keller oder das Barfußgässchen sind schnell abgegrast. Viel interessanter ist die überdimensionale Wandmalerei (“Wir sind das Volk”) auf einem Gebäude zwischen Bahnhof und Altstadt. Sie stammt vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art und ist eine Erinnerung an die friedliche Revolution 1989.

Freitag: Zeit für’s alternativen Kreativviertel

Was sich in Leipzig auf jeden Fall lohnt, ist eine Erkundungstour abseits des Zentrums. Straßenbahn Nummer 15 führt direkt ins kreative Herz der Stadt: nach Plagwitz. Quasi jener Ort, wo der Hype um Leipzig vor ein paar Jahren begann. Günstige Mieten, Cafés, hippe Imbissbuden und kleine Shops sorgten dafür. Besonders viele Hausfassaden sind mit Graffiti besprüht. Bald wurde Leipzig nur mehr Hypezig genannt und als alternative Hochburg bekannt. Leipzig, hieß es, sei das neue Berlin. Das zog Leute an. Und manch einer, der eigentlich der lässigen Atmosphäre wegen gekommen war, rümpfte die Nase und verließ die Stadt wieder.

Lange bevor das Zentrum von den jungen Kreativen entdeckt wurde, war der kleine, versteckte Laden da, der am Bild oberhalb zu sehen ist. Der Besitzer betreibt hier in einem Hinterhof gemeinsam mit seiner Frau einen Keramikbetrieb. Und ist uns sofort behilflich, als wir nach dem Weg fragen.

Im „Westwerk“, einem alten Backsteinbau, haben sich ebenfalls Kreative eingemietet. Eine davon ist die Modedesignerin Sandra Jahn mit ihrer Marke „Rosentreter“. „Meine Kleidung ist urban, zeitlos und dank Naturmaterialien angenehm zu tragen“, erklärt sie uns. Obwohl es schon spät ist und wir spontan hereingeschneit ist, nimmt sie sich ausführlich Zeit für einen Plausch. Adresse: Karl-Heine-Straße 93.

Da, wo die Straßenbahn ihre Endstation hat, befindet sich ein riesiges altes Firmenareal. Heute haben sich in der alten „Spinnerei“ – einer ehemaligen Baumwollfabrik – Künstler und Kreative eingemietet, auch ein Café gibt es. Tagsüber wird man hier als Tourist allerdings wenig zu sehen bekommen. Wer interessiert ist, informiert sich am besten über laufende Events und Ausstellungen. Adresse: Spinnereistraße 7

Samstag: Leipzigs Nachtleben auf der KarLI testen

Leipzigs bekannteste Fortgehmeile ist die Karl-Liebknecht-Straße. Die Einheimischen nennen sie einfach nur KarLI – man kennt sich untereinander. Immerhin spielt sich das Nachtleben zu einem großen Teil hier ab.

Die Mischung aus Geschäften, Bars, Kneipen und Dönerläden in der Südvorstadt erinnert ein bisschen an Wien-Ottakring. In einem abgeranzten Gebäude-Komplex mit der Aufschrift „Feinkost“ hat sich die alternative Szene niedergelassen.

Sonntag: Tatort-Schauen in der Rumpelkammer

Die Innenstadt ist sonntags wie ausgestorben. Dafür versammeln sich abends unzählige Anhänger der Fernsehserie Tatort im Café Rumpelkammer. Es ist in einem Jahrhundertwendehaus an der Dresdner Straße untergebracht und liebevoll mit alten Möbeln eingerichtet.

Neben Kleinigkeiten zu Essen, den in der Gegend üblichen Kiba (Kirsch-Banane-Saft) und Cocktails um fünf Euro füllen hausgemachte Quiches und Kuchen den Magen. Adresse: Dresdner Straße 25

Und sonst?
Susi von blackdotswhitespots ist es bei ihrem Leipzig-Besuch ähnlich ergangen wie uns: Coole Stadt, egal ob Hype oder nicht.

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4 Comments

  • hypezig ? ja leipzig wäre so gern wie berlin…..oder hamburg….oder,oder,oder ! Autoaufkleber mit dem spruch “leipzig – the better berlin” sind wohl nur trotziges wunschdenken (und nebenbei gesagt sehr lächerlich)
    Billige mieten in leipzig? Wohl inzwischen eher fehlanzeige, nicht zuletzt eben durch jenen “hype”, dass leipzig ja ach so anders, achso “undergroundig” und achso “scenig” wäre. Nichts davon! hier ist nichts anders als anderswo !
    hier gibts ebenso die ewig gleichen vegan-hipster, die ewiggleichen “trendigen scenecafes” . By the way, welche scene? alternativscene? wie genau definiert sich diese? In leipzig fehlt vor allem: geld und mut ! fragt man bei all den “kreativen” und den kleinen selbstständigen nach, sieht es wohl eher so aus, dass eine menge von ihnen ums überleben kämpfen. Wenn man mit seinem kleinen kreativgewerbe in leipzig geld verdienen will/muss, dann siehts mit zahlungskräftiger kundschaft in/um leipzig eher düster aus. Woher auch bei dem leipziger lohn und mietniveau? Da kann man noch so viele kreative ideen haben, noch so “scenig” sein, vom alternativen studentenklientel lässt sich eher nicht leben. Ich könnte einige veranstaltungen und läden/shops nennen die es beispielsweise in berlin gibt und in leipzig überhaupt nicht. Da von einem “…the better berlin” zu sprechen ist dann doch eher lächerlich. (und , NEIN, ich bin beileibe kein berlin-liebhaber). Vielleicht kann man mir als leipziger mal erklären, was genau an meiner stadt so “anders” ist ? Etwa , dass man mit einem anderen modegeschmack auf der raucherinsel vorm lokal dumm angemacht wird wie man denn aussähe? alles was im artikel oben genannt wurde ist beim besten willen nichts besonderes, nichts super aussergewöhnliches, nichts was einen hype rechtfertigt, oder je gerechtfertigt hätte! Der überlebenskampf derer, die immer so schön “die kreativen” genannt werden ist hier genauso alltäglich wie anderswo. Und wenns es beim “hype” nur darum geht, dass hier die mieten angeblich so billig seien…..nun denn, ist das wirklich so ?

    • Hallo Matthias! Vielen Dank für deinen wortreichen Kommentar. Unser Artikel sollte keinen Lobeshymne an “Hypezig” sein. Deshalb haben wir nur kurz und relativ neutral beschrieben, was es mit diesem Wort und dem (ehemaligen) Trend um die Stadt auf sich hat. Es liegt uns fern und als alternatives Reisemagazin ist es auch nicht unsere Aufgabe, das zu beurteilen. Vielmehr wollen wir Reisetipps und Inspirationen liefern – aber nicht ohne Hintergrundwissen, unkonventionelle Zugänge oder etwas kritisch zu hinterfragen. Wir finden jedenfalls, dass Leipzig eine Reise wert ist. Weil es eine gemütliche, wenig eingebildete Stadt ist mit auffallend freundlichen Menschen (soweit man das als Reisender beurteilen kann). Und weil es in Leipzig bzw. im “Osten” eben nicht nur Rechtsradikalismus gibt, wie usn vielfach beim Einschalten des Fernsehers vermittelt wird. Übrigens zählen auch wir zum kleinen Kreativgewerbe – und haben es in einer reichen Stadt wie Salzburg auch nicht gerade leicht 🙂 Liebe Grüße, Maria

  • Hallo Maria!

    Ich finde Leipzig hat sich in den letzten Jahren ganz schön gemacht! Ich war das erste Mal 2009 dort und dann wieder 2016. Die Innenstadt hat mir super gefallen und wir waren einen Abend ganz klassisch in Auerbachs Keller. Mir gefällt Leipzig deutlich besser als Berlin!

    Viele Grüße,
    Kaja

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