In der Region Axarquia bei Málaga liegen zwischen steilen Bergrücken und Olivenhainen verschlafene weiße Dörfer, die pueblos blancos.

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Die Strände der Costa del Sol rund um das südspanische Málaga sind als Touristenhochburg bekannt. Nur eine Autostunde entfernt findet man sich in einer gänzlich anderen Welt wieder: Steile Gebirgsketten, Olivenhaine und riesige Agaven zieren die Landschaft. Dazwischen liegen die pueblos blancos, die weißen Dörfer von Axarquia, der östlichen Region der Provinz Málaga.

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Andalusien_Malaga_weisse Doerfer_pueblos blancos_Dorfplatz

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Maurische Hinterlassenschaft in Andalusien

Es sind kleine Siedlungen von je ein paar Hundert mit Kalk weiß getünchten Häusern. Eng aneinandergepresst stehen sie da, seit Hunderten von Jahren. Enge, steile Gassen, ein Kirchturm und ein kleiner Dorfplatz in der Mitte sind charakteristisch für sie. Viele der Häuser sind mit filigran bemalten Fliesen verziert. Die pueblos blancos stammen aus der maurischen Epoche. Sie steht für die fast 800 Jahre andauernde Herrschaft der Araber in Spanien – damals al-Andalus.

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Winterliche Ruhe in Cómpeta

Ein vergleichsweise belebtes weißes Dorf ist Cómpeta, das auf etwas mehr als 600 Metern Seehöhe liegt und knapp 4.000 Einwohner hat. Es gibt zahlreiche Bars und Restaurants, die meisten davon sind im Winter aber geschlossen. Samstags ist Markttag, dann werden Honig, süßer Muskateller, Käse, Datteln, Gemüse, Keramikgeschirr, Kleider und Schuhe angeboten.

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Ein Plausch mit Hirte Emilio

Cómpeta ist, so wie die meisten pueblos blancos, auf einer Anhöhe gebaut. Platz für Weideflächen gibt es nicht, aber Schafe und Ziegen finden sich auf den steilen Hängen gut zurecht. Sie werden von Emilio begleitet. Der Hirte mit dem sanften Lächeln lässt sich gerne von den vorbeikommenden Touristen ablichten. Er erzählt, dass er sogar schon einmal im spanischen Fernsehen gewesen sei. Es ist Anfang Jänner. „Schönes neues Jahr“, ruft er nach der Verabschiedung hinterher.

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Nationalpark Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama

Gleich hinter Cómpeta tut sich der Nationalpark Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama auf. Man kann direkt vom Ort aus hinaufwandern oder ein Stück weit mit dem Auto fahren. Oben ist es windig und kahl, Pinien und üppige, intensiv riechende Rosmarinsträucher zieren die Bergrücken. Der Ausblick von der Aussichtsplattform „Mirador de los Arjona“ reicht weit in den Nationalpark hinein und gibt zugleich den Blick aufs Meer frei.

Mandeln, Zitronen & Orangen

Die Hügel und Berge außerhalb des Nationalparks werden landwirtschaftlich genutzt. Gemüse wird in schräg angelegten, mit niedrigen Mauern umrahmten Beeten angebaut. Im Winter blühen die Mandelbäume, die Oliven sind schon reif. Saftige Zitronen und Orangen leuchten jetzt zwischen dem Grün der Baumblätter hervor. Und seit Avocados zur internationalen Trendfrucht avanciert sind, sind auch die Bauern der Region auf diesen Zug aufgesprungen.

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Andalusien_Malaga_weisse Doerfer_pueblos blancos_Mandelbluete

Andalusien_Malaga_weisse Doerfer_pueblos blancos_Avocados

Was der gebirgigen Landschaft ein exotisches Flair vermittelt, hat auch seine Schattenseiten: Die Landwirtschaft ist der größte Wasserverbraucher, gerade Mandeln und Avocados benötigen extrem viel Flüssigkeit. Dabei ist Andalusien eine sehr trockene Region. Regen wäre dringend notwendig, die Stauseen sind jetzt im Winter nur zu einem Drittel gefüllt.

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Weitere weiße Dörfer in der Axarquia tragen Namen wie Canillas de Albaida, Archez oder Salares. In den Sommermonaten sind die engen Gassen mit Horden von Touristen befüllt, heißt es. Jetzt im Winter ist es still hier. Die Fensterläden sind heruntergeklappt. Zwischen 14 und 17 Uhr sind die Geschäfte sowieso geschlossen und auch sonst hat man das Gefühl, man durchwandert Geisterdörfer.

Wenn Ferias die Stille durchbrechen

Nicht so an jenen Abenden, an denen Ferias gefeiert werden. Ende Jänner findet in einigen der Ortschaften das Festival zu Ehren des Heiligen Antonio statt. Durch das Dorf Salares zieht um 22 Uhr abends eine Gruppe von Einheimischen. Voran schreitet eine Gruppe von Männern, die eine Figur des hell beleuchteten Heiligen auf einem Holzgestell tragen. Dahinter die Blasmusikkapelle, gefolgt von einigen Dorfbewohnern. Immer wieder werden Raketen geschossen, bevor man sich ins Festzelt begibt. Dort reichen sich Jung und Alt die Hände und tanzen bis weit in die Nacht hinein zu Flamenco, Paso Doble und spanischen Radiohits.

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Was beim Besuch der pueblos blancos auffällt, sind die vielen Verkaufsschilder. „Se vende“ prangt von gefühlt jeder zweiten Hausmauer. Auch zahlreiche Fincas rund um die weißen Dörfer werden in den Auslagen der Immobilienfirmen zum Kauf angepriesen. Ein deutscher Rentner, der selbst seit 17 Jahren hier lebt, hat für das Überangebot an Immobilien folgende Erklärung: „Viele ausländische Hausbesitzer sind mittlerweile verstorben oder im Alter wieder zurück in ihre Heimat gezogen, deshalb stehen hier so viele Häuser leer.“

Koffer packen und los geht’s:

  • Die beste Zeit für einen Besuch in den weißen Dörfern der Axarquia bei Málaga beziehungsweise im Rest Andalusiens ist der Winter. Dann ist es weniger überlaufen, weniger heiß, die Mandelbäume blühen und die Früchte sind reif.
  • Die pueblos blancos sind in rund einer bis eineinhalb Autostunden ab Málaga zu erreichen. Am besten kommt man mit dem Mietauto voran. Die Landstraßen sind steil und kurvig. In den Dörfern selber parkt man den Wagen idealerweise auf öffentlichen Parkplätzen oder außerhalb, da die Gassen extrem eng sind.
  • Im Winter ist es generell sehr ruhig in den weißen Dörfern, was aber angenehm ist. Zwischen 14 und 17 Uhr sind die meisten Geschäfte, Cafés und Restaurants geschlossen.

Übernachten:

Hotels und Hostels sind in dieser Region eher selten. Urlauber mieten sich typischerweise ein Ferienhaus in Andalusien an und unternehmen von dort aus Ausflüge in die weißen Dörfer, in die Berge und an die Küste. Viele Fincas liegen inmitten der grünen, hügeligen Landschaft. So auch die Finca Angarilla, die vier Kilometer außerhalb von Cómpeta situiert ist. Sie hat einen großen Vorplatz mit Pool und offenem Grill.

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Andalusien_Malaga_weisse Doerfer_pueblos blancos_Ferienhaus Angarilla_Ruralidays_Sonnenuntergang

Die Aussicht ist spektakulär und reicht von den Bergen bis ans Meer. An klaren Tagen lassen sich sowohl Sonnen- aufgang als auch -untergang beobachten. An weniger klaren Tagen ist das Tal unter der Finca in eine mystische Nebelhülle getaucht. Das Haus selber ist im andalusischen Stil gebaut. Es bietet Platz für sechs Personen und hat drei Schlafzimmer, zwei Bäder und einen großen Wohn-, Koch- und Essraum mit Kamin und Holzbalken an den Decken.

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Dieser redaktionelle Beitrag ist in Kooperation mit dem Ferienhausportal Ruralidays.com entstanden. Uns wurde für vier Nächte eine Finca zur Verfügung stellt, der Text ist frei recherchiert.

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