Kein typischer Homestay, kein Hotel. Aber ein Ort, an dem man genau das findet, was das Reisen so reisenswert macht.

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Das Surferstädchen Mui Ne haben die meisten Vietnam-Touristen auf dem Radar. Es gibt viele Unterkünfte (Tipp: Mui Ne Hills Budget Hotel), unzählige Restaurants, Surfschulen, Ausflugstouren und natürlich den kilometerlangen Strand. Achso ja, und eine ganze Menge Russen, die hier ihre Ferien verbringen. Speisekarten, Touranbieter, Surfkurse – alles ist auf den russischen Touristen ausgerichtet. Man könnte auch sagen: Mui Ne ist für die Russen, was Mallorca für die Deutschen ist.

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Coco Homestay: per Bus in die Ruheoase

Ein paar Stunden Busfahrt weiter südlich halten nur mehr wenige Touristen. Schade. Für sie. Denn im Städtchen La Gi ist gerade etwas ganz Besonders im Entstehen: das Coco Homestay. Als Homestay bezeichnet man in Vietnam die Möglichkeit, direkt bei Familien im Haus zu wohnen. Natürlich in einem eigenen Zimmer, aber relativ günstig. Das Coco Homestay tanzt etwas aus der Reihe. Besitzer Le hat sich in seinem Heimatdorf seinen eigenen kleinen Traum aufgebaut: ein großer Garten, ein Teich mit Lotosblüten, eine kleine Bibliothek mitten im Grünen, Liegen auf einem Steg im Wasser.

Der Garten des Coco Homestay inspiriert: Einem schwedischen Musiker hat es hier so gut gefallen, dass er gemeinsam mit einem lokalen vietnamesischen Sänger und einem kanadischen Kameramann ein Video (“Brother oh Brother”) produziert hat.

Der Luxus des Einfachen

Die Zimmer in den kleinen Bungalows und im Haupthaus sind einfach eingerichtet. „Ich wollte nicht, dass das hier wie ein Hotel wirkt und jedes Zimmer ident ausschaut“, erzählt Le. Wer Luxus sucht, dem vermietet er seinen eigenen Bungalow – geräumig, modern, mit amerikanischem Kühlschrank und italienischer Espressomaschine. Der 43-Jährige zählt zu den Gewinnern des in Vietnam noch jungen Kapitalismus. Er hat Jahre lang im schnelllebigen, kommerziellen Ho-Chi-Minh-Stadt (ehemals Saigon) gelebt. Jetzt hat er genug davon und will nur eines: Ruhe und das machen, was ihm gut tut.

Relaxen auf der Baustelle

Zurzeit ist das eine Baustelle. Und zwar mitten am Strand, ein paar Kilometer vom Homestay entfernt. Denn Le hat Pläne: Er baut eine Strandbar und weitere Unterkünfte. Irgendwie scheint, mehr für sich selber als um Geld zu machen. Letzteres wird aber ganz von selbst kommen, wenn erstmal die Kitesurfer den Spot für sich entdecken.

Strand nähe des Coco Homestay

Wir liegen den ganzen Tag faul in der Hängematte und stehen erst auf, als Le uns ein paar Sandwiches mit Schweinefleisch und Chili bringt. Alles ist halbfertig. Und fühlt sich trotzdem genau so richtig an, wie es ist. Abends sitzen wir gemeinsam mit einem deutschen Urlauber und seiner vietnamesischen Freundin im Garten des Homestays. Es gibt Bier, gegrillten Fisch, Oktopus, Krabben und als Nachspeise Jackfrucht. Außerdem Aperol Spritzer und gute Gespräche. Nachts spielen wir Billard, es ist noch immer heiß und die Frösche quaken.

Was ist es, das uns am Coco Homestay so gefallen hat? Was das Reisen für uns so reisenwert macht? Zwei Dinge, mehr braucht es eigentlich nicht. Und am besten genießt man sie zusammen: die Gesellschaft guter Gesprächspartner aus dem Land, das man bereist. Und ein Tisch, gefüllt mit dem besten, was die lokale Küche zu bieten hat.

Koffer packen und los geht’s:

  • La Gi ist per Bus von Mui Ne aus erreichbar. In der Stadt am besten ein Mopedtaxi zum Coco Homestay nehmen. Vorab mit Le telefonieren und die Adresse dem Fahrer zeigen, sonst wird dieser die Unterkunft kaum finden.
  • Wer will, kann sich beim Homestay ein Moped ausborgen, um einzukaufen und zum Strand zu fahren. Die Gemeinschaftsküche kann mitbenutzt werden.
  • Wer hier übernachtet, sollte keine Angst vor den beiden (liebenswerten) Hunden des Besitzers haben.