Abenteuer statt Relaxen, Polizeistation statt Strand. Wir haben auf Barbados Bekanntschaft mit Junkies, Gaunern und einem Fahrflüchtigen gemacht.

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Schweiß, Hitze, Moskitos. Wir strampeln uns das dünne Leintuch vom Körper, liegen wie erstarrt auf dem Bett, starren in die Nacht. “Was hast du mit dem Geld gemacht?”, dröhnt es in unseren Ohren. “Die verdammten Rechnungen bezahlt.” Ein Wort folgt dem anderen, es wird lauter, lauter, lauter. Es ist erst die zweite Nacht in unserem privaten Appartement, draußen pfeifen die Frösche, die Hunde der Hausherren kratzen unruhig auf dem hölzernen Verandaboden. Unsere Ferienwohnung grenzt direkt an das Haus der Vermieter an, sie Deutsch-Niederländerin, er Barbadier-Niederländer. Im Kleiderkasten finden wir eine hoch gestellte Matratze, dahinter versteckt sich eine Verbindungstür zu jenem Teil des Hauses, in dem das streitsüchtige Vermieterpaar wohnt.

Nächtliche Eingebung

Mitten in der Nacht wird uns klar: Hier stimmt etwas nicht. Die Eindrücke des Tages fügen sich wie ein Puzzle zusammen. Das ständige Rümpfen der Nasen, das nervöse Getue der Hunde. Der Mitarbeiter des Elektrizitäts-Anbieters, der genervt einen Teil des Stroms abdreht und der nicht zu überhörende Streit um Geld. Unsere Vermieter sind einmal überschwänglich und voller Tatendrang, dann wieder zurückgezogen und desinteressiert. Kokain? In der Karibik nichts Seltenes.

Karibik: Zwischenstation für illegale Drogen

Barbados wird ebenso wie andere Inseln der Kleinen Antillen von Drogenschmugglern benutzt, um ihre illegale Ware aus der Luft abzuwerfen oder mit kleineren Schiffen zu transportieren und zwischenzulagern. Der internationale Flughafen Grantley Adams verbindet die Karibikinsel immerhin regelmäßig mit den USA, Kandada und Großbritannien. Das Kokain gelangt so von Südamerika über Barbados in westliche Gefilde. Marihuana wird über St. Vincent und die Grenadinen und Kolumbien nach Barbados gebracht. Es kann passieren, dass man mitten am Tag auf mit Marihuana zugedröhnte Kokosnussverkäufer am Strand trifft. Vorsicht ist auch vor Aloevera-Verkäufern geboten, auch sie können zwielichtige Absichten haben und sich als Dealer entpuppen. Und dass man in der belebten Ausgehmeile St. Lawrence Gap – kurz the Gap – Drogendeals ins Ohr geflüstert bekommt, ist keine Seltenheit.

Kräftiger Tritt ins Gaspedal

Die Nacht ist noch lange nicht vorbei, der Streit zwischen dem Vermieterpaar eskaliert, jetzt wird mit dem einheimischen Mitarbeiter um die Wette geschrien. “Du bist gekündigt”, ruft die Hausherrin wütend. Das lässt er sich nicht gefallen und schreit zurück. Wir halten den Atem an, irgendwann verfallen wir in einen unruhigen Schlaf. Am nächsten morgen bringt uns eine Firma das bestellte Leihauto. In einem unbemerkten Moment packen wir unsere sieben Sachen zusammen, katapultieren sie ins Fahrzeug und treten das Gaspedal durch. Wir suchen uns ein günstiges Hotel am Strand, erst dann machen wir eine Verschnaufpause. Von den Vermietern hören wir nie wieder etwas. Später kommt uns zu Ohren, dass es schon öfter Vorfälle wie diese gegeben habe, einmal sogar mit Polizeieinsatz.

Unfall mit Fahrerflucht

Auf Barbados gibt es viel zu entdecken: Strände, Rumhütten, tropische Gärten. Nach dem Umzug in die neue Unterkunft wiegen wir uns in Sicherheit und kurven die Insel mit dem Leihauto auf und ab. Einmal legen wir einen faulen Tag ein, um am Worthing Beach mit Schildkröten zu schwimmen. Als der Magen knurrt, begeben wir uns auf Essenssuche, unsere Badetücher lassen wir am Strand liegen. Beim Zurückfahren kracht es: Die Straße ist zum Bersten voll, der Verkehr bewegt sich nur langsam im Stop-and-go-Tempo voran. Tusch. Der Kopf fällt vor, prallt zurück gegen die Kopflehne des Autositzes. Das Auto hinter uns kracht gegen unseren Wagen.

Wir winken den Lenker zur Seite, um auf einem Parkplatz stehen zu bleiben. Schnell zeigt sich, dass er sich keiner Schuld bewusst ist. Als er vorgibt zum Auto zu gehen, um sein Handy zu holen und die Polizei zu rufen, gibt er stattdessen Gas und zischt davon. Auffahrunfall mit Fahrerflucht statt eine weitere Runde mit den Meeresschildkröten. Wenigstens haben wir uns das Kennzeichen gemerkt und machen uns zur nächsten Polizeistation auf, wo wir den Rest des Nachmittags verbringen.

Polizeiwaffe Bleistift

Die Beamten sind gelassen, fast ein bisschen träge, so wie fast jeder hier auf Barbados. Es ist keine faule Trägheit, eher eine sehr entspannte. Von den Mauern der Polizeistation blättert die Farbe ab, im Inneren schnurrt ein Deckenventilator, zwei Kollegen schauen Fußball. Der einzige Computer im Raum ist nicht angeschlossen. Der Polizist, der unseren Fall aufnimmt, ist rundlich und hat große, freundliche Augen. Wir wiederholen unsere Geschichte wieder und wieder. Erst hört er nur zu, dann macht er sich mit einem Bleistift Notizen, die er uns zur Durchsicht gibt. Am Ende schreibt er das Ganze noch einmal schön säuberlich auf ein neues Blatt Papier.

Die Arbeit ist getan, jetzt wird geplaudert. Ob wir schon die schönen Tropfsteinhöhlen besucht haben? Es folgen ein paar Tipps für die Insel und das Versprechen, wegen des genauen Startpunktes einer geführten Wanderung noch einmal im Hotelzimmer anzurufen. Wir dürfen zurück zum Strand.Ein paar Tage später treffen wir uns zufällig wieder. Der Polizist erzählt uns, dass der Lenker des Wagens keinen Führerschein besitzt und das Auto lediglich für einen älteren Herrn in Schuss hält. Er wird vor Gericht kommen. Wie die Geschichte ausgeht, werden wir nie erfahren.

Barbados, ein Albtraum? Natürlich nicht. Die meisten Autofahrer sind zuvorkommend, sie lassen einen auch dann den Vortritt, wenn man aus einer Seitenstraße in die Hauptstraße biegt. Die Taxilenker warnen einen gutmütig, wenn man vergessen hat, beim Parken das Licht abzudrehen. Mit Einheimischen kommt man am Strand oder im Supermarkt ganz einfach ins Gespräch. Und die Polizisten verwandeln sich kurzerhand in einen Touristenservice und rufen um sechs Uhr früh im Hotelzimmer an, um eine morgendliche Wanderung zu fixieren. (Maria Kapeller, kofferpacken.at)

 

Infos

Die Karibikinsel Barbados gehört zur Inselgruppe der Kleinen Antillen. Sie ist von Europa aus mit kurzem Zwischenstopp in rund zehn bis zwölf Flugstunden erreichbar.

Der Inselstaat ist eine der am weitesten entwickelten Inseln in der Karibik und Heimat von Sängerin Rhianna. Amerikaner mit dem nötigen Kleingeld verbringen in den luxuriösen Strandresorts gerne ihre Flitterwochen, was die Preise, zum Beispiel in den Restaurants, in die Höhe treibt. Wer geduldig sucht, findet aber Mittelklasse-Hotels um rund 35 Euro/Person und Privatunterkünfte um 20-30 Euro/Person.

Für einen Badeurlaub an den Stränden von Barbados eignen sich die Süd- und Südwestküste am besten. Dort ist die See ruhig, am Worthing Beach im Süden legen Schildkröten ihre Eier ab.