Kumquats, die süß-säuerlichen Zitrusfrüchte, werden europaweit nur auf Korfu in nennenswerten Mengen angebaut und verarbeitet – kofferpacken.at hat einen Produzenten besucht.

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Ist das sauer! Das Gesicht verzieht sich, die Augen kneifen sich zu kleinen Schlitzen zu. Wer zum ersten Mal in eine frisch vom Baum gepflückte Kumquat beißt, bereut es vielleicht in der ersten Sekunde. Schnell wird aber aus dem bitter-säuerlichen ein zitronig-erfrischender Geschmack und schon ist die nächste Frucht vom Baum gepflückt.

Kumquatsproduzent in Griechenland

Kumquats-Produzent Halikias: Habe mich immer wieder gefragt, wie ich zu Hause in der Natur leben kann.

Kumquats sind kleine, gelblich-orange, aus Asien stammende Früchte, die auch als Zwergorangen oder Zwergpomeranzen bezeichnet und mitsamt Schale und Kernen verspeist werden. In Europa sind sie wenig bekannt und werden einzig auf der griechischen Insel Korfu kommerziell angebaut und genutzt. Eigentlich kommt die Frucht aus China, wurde aber um 1900 vom britischen Botaniker Merlin erstmals auf die Insel gebracht.

Grelloranges Souvenir

Kandierte Kumquats

Kumquats sind aus Asien stammende Zitrusfrüchte, die mitsamt der Schale gegessen werden. Die Früchte wurden um 1900 von einem Briten nach Korfu importiert. Kandiert sehen sie so aus.

„Kumquats werden seit 1924 auf Korfu kultiviert“, weiß Dennis Halikias, der die Früchte seit mehr als 24 Jahren zu Likören und anderen Spezialitäten verarbeitet. Seine Produkte sind in vielen Supermärkten und Souvenirshops auf der Insel zu finden: Neben Schnaps und dem als Mitbringsel beliebten grellorangen Likör werden Marmelade, Greek Delight, Zuckerl, in Schokolade eingelegte, kandierte oder frische Kumquats verkauft. Seit 2012 gibt’s den eigentlich orangen Likör auch in Rosa, mit Kräutern, Bittermandel und Anis.

Halikias neueste Kreation sind dehydrierte Früchte, die er erst kürzlich auf den Markt gebracht hat. Der 58-Jährige experimentiert gerne herum, immer wieder kommt er auf neue Ideen. „Der traditionelle Markt ist schön und gut, aber man muss immer Neues ausprobieren, um seinen Konkurrenten voraus zu sein.“

Kumquatbaum auf Korfu

Dieser Kumquatsbaum hat einen Ehrenplatz in Halikias‘ Plantage: Er gehörte einst seinem Vater und hat ihn auf die Idee gebracht, mit Kumquats seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Handvoll Kumquats-Produzenten auf Korfu buhlen mit ihren Produkten um Verkaufsflächen in griechischen Supermärkten und vor allem um die Gunst der Inseltouristen. Halikias betont, mehr als nur Souvenirs erzeugen zu wollen, bei ihm stehe Qualität im Vordergrund. „In meinem Likör ist echter Fruchtsaft, dafür habe ich eigens eine Maschine aus Asien importiert, die anderen verwenden nur den Extrakt. Und ich bin der Einzige, der ein handgefertigtes Destillierungs-System hat“, sagt er nicht ohne Stolz.

In seinem Betrieb ist alles Handarbeit, der Likör wird manuell in die Flaschen abgefüllt, die dehydrierten Früchte Stück für Stück per Hand in einer geheimen Zucker-Mischung gerollt und eingepackt.

Ab in den Kochtopf

Kumquatliköre

Überblick über das Likör-Sortiment

Halikias kauft seine Früchte mittlerweile von Kumquats-Farmen im Norden und Süden der Insel zu, wo sie von Hand geerntet werden. Die Kumquats blühen im Juni, die Früchte werden zwischen Ende März und Ende Dezember geerntet. Die 180 Bäume auf seinem eigenen Grundstück tragen das ganze Jahr über Früchte, die er für Tests, zum Herumexperimentieren und für den eigenen Kochtopf nutzt. „Wenn man die Bäume laufend mit Wasser versorgt, tragen sie das ganze Jahr über Früchte.“

Der Stadt den Rücken gekehrt

Die Kumquat werden in Zucker gewälzt.

Echte Handarbeit: Die dehydrierten Kumquats werden in einer geheimen Zucker-Mischung gewälzt.

Der Familienbetrieb, in dem neben zehn Angestellten Halikias Frau sowie Tochter Helena mithelfen, liegt hoch oben in den Olivenhainen nahe dem Bergdorf Ano Garouna. Halikias, eigentlich studierter Ökonom, hat 1989 der Großstadt Thessaloniki, die Griechen nennen sie Saloniki, den Rücken gekehrt, sein Sportgeschäft an den Nagel gehängt und ist als Farmer in seine Heimat Korfu zurückgehrt. „Fragen Sie mich nicht, wie ich das gemacht habe, ich hatte ja keine Ahnung von Landwirtschaft“, sagt er heute, „ich bin später oft stundenlang vor dem Internet gesessen und habe nachgelesen.“

„Das hier ist mein Leben“

Auch die Tochter hilft im Kumquat-Unternehmen mit.

Auch Tochter Helena hilft nach der Schule im Familienbetrieb mit.

Mit der Rückkehr nach Korfu erfüllte er sich damals einen großen Wunsch. „Als ich in Saloniki lebte, habe ich mich immer gefragt, wie ich wohl wieder nach Hause zurückkehren und in der Natur leben kann.“ Damals sehnte er sich nach Ruhe und Idylle in seiner korfiotischen Heimat. Er wollte daheim Zeit verbringen. „Die habe ich jetzt zwar nicht. Ich presche schnell voran – aber nicht des Geldes wegen, sondern weil ich meine Arbeit gerne mache – das hier ist mein Leben und ich mag, was ich tue.“

Gerüchteküche

Das Gerücht, dass es auf Korfu bald ein eigenes Parfum aus Kumquats gebe, kann Halikias nicht bestätigen. „Das ist technisch gar nicht möglich“, winkt er ab. Aber er hat schon den nächsten Trumpf im Ärmel: 2013, so der graumelierte Tausendsassa, der nebenbei auch Olivenöl, Limoncello und Ouzo herstellt, will er ein knalloranges Erfrischungsgetränk auf den Markt bringen. (Maria Kapeller, kofferpacken.at)