Für’s Reisen gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Zum Glück. Aber ein paar gut gemeinte Ratschläge kann jeder Langzeitreisende gebrauchen. Bitte sehr, hier sind sie:

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1. Entscheide dich für einen Reisestil!

Willst du ein Jahr lang am selben Ort wohnen? Freiwillig arbeiten? Menschen treffen? Alleine sein? Möglichst viel sehen? Massig Zeit in der Natur verbringen? Es gibt mindestens 1001 Möglichkeiten, eine Langzeitreise zu gestalten. Entscheide dich für eine Richtung und behalte diese bei. Dann kannst du so richtig in dein neues Leben eintauchen.

Pass einer Langzeitreisenden

Pass, Herz und Hirn werden laufend mit Neuem gefüllt.

2. Erlebe intensiv und sei aktiv!

Egal, ob es das süße Nichtstun ist oder eine kraftraubende Wanderung: Genieße mit allen Sinnen. Auch auf Reisen ist es immer wieder eine Überwindung, die eigene Komfortzone zu verlassen. Bist du aber erstmal draußen, wirst du merken, dass in dir noch so viel mehr steckt, als du geahnt hast. Du wirst Orte entdecken, mit denen du dich auf wundersame Weise verbunden fühlst. Menschen kennenlernen, die du umarmst als würdet ihr euch ewig kennen. Tränen lachen und jeden Tag voller Unbeschwertheit sein. Aber auch schwitzen, fluchen, dich selbst infrage stellen. Im Alltag hat man oft weder Kraft noch Muße, eine solche Intensität überhaupt zuzulassen.

Langzeitreisen: Besuch bei Einheimischen.

Ungemein bereichernd: Die Gesellschaft einer bunt durchmischten Truppe.

3. Triff so viele Leute wie möglich – aber sei auch mal alleine!

Wie viele Kontakte man auf einer langen Reise zulässt und wie häufig man alleine ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Einerseits ist der Kontakt zu anderen Reisenden und zu Einheimischen unheimlich bereichernd. Andererseits ist es extrem lehrreich, alleine Zeit zu verbringen. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache, aber einen Versuch ist es wert. Und die meisten Alleinreisenden behaupten: Ich selbst bin mein bester Reisepartner!

4. Ja kein schlechtes Gewissen haben!

Viele Reisende fühlen sich schlecht, wenn sie nicht tagtäglich in aller Herrgottsfrüh aufstehen. Sie wollen möglichst viel von ihrer Zeit nutzen, so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich abhaken (Stichwort: Bucketlist). Und hoppen oft innerhalb weniger Wochen zu zig verschiedenen Orten und Städten innerhalb eines Landes, ohne je wirklich irgendwo anzukommen. Wenn nur das schlechte Gewissen der Grund für diese Art des Reisen ist, dann: Weg damit! Es kann nicht jeder Tag vollgestopft mit Ereignissen sein, Hirn und Herz brauchen Ruhepausen. Ein riesengroßer Vorteil beim Reisen ist, dass man tun und lassen kann, was man will. Es gibt niemanden, der einem Vorschriften macht. Da wird man sich nicht zur Geißel seiner selbst machen, oder?

Langzeitreisen: Rucksack im Hostel.

Der Rucksack als einziges Besitztum, das Bett im Schlafsaal als nächtlicher Rückzugsort.

5. Gönn’ dir zwischendurch etwas!

Überfüllte und stickige Busse, miefige Zimmer ohne Klimaanlage, Kakerlaken im Bad … Auch das gehört (für die Meisten) zum Reisen dazu. Erstens weil ein bestimmtes Budget eingehalten werden muss. Zweitens weil der Standard in manchen Ländern und Gegenden nichts anders zulässt. Drittens suchen viele Reisende das Einfache und Authentische, verzichten bewusst auf Luxus. Trotzdem tut es gut, sich zwischendurch etwas zu gönnen: ein Zimmer, das man nicht mit anderen teilen muss, ein sauberes und frisch überzogenes Bett, ein gutes Essen in einem etwas teurerem Restaurant.

6. Alles ist scheiße? Darf es auch sein.

Natürlich nicht jeden Tag. Das wäre irgendwie suboptimal. Und die Reise vielleicht doch nicht das Richtige. Aber wer länger reist, hat auch mal schlechte Phasen. So wie daheim eben. Das Reisen ist in diesem Augenblick der – zugegeben spektakuläre – Alltag. Und im Alltag trifft man halt Leute, mit denen man nicht kann. Hat Bauchweh, oder Kopfweh. Ist traurig oder streitet sich (im Kopf mit sich selbst oder mit dem Reisepartner). Und was macht man da normalerweise? Sich zurückziehen, die Decke über den Kopf, den ganzen Tag fernsehen und auf Besserung warten. Ist erlaubt und tut gut!

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Wie fühlt es sich an, für mehrere Monate am Stück zu reisen? Hier geht’s zum Artikel über Langzeitreisen.