Fünf Tage in St. Petersburg, Russland. Über Mitternachtssonne, zurückhaltende Freundlichkeit und orthodoxe Priester.

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kofferpacken.at: Wohin hat dich deine Reise geführt?

Marion Oberegger: Ich war mit einer Reisegruppe inklusive Reiseleiterin für fünf Tage in St. Petersburg.

kofferpacken.at: Was waren deine Tops?

Marion Oberegger: Ein ganz großes “Top” der Reise war auf jeden Fall, dass sie noch in die Zeit der Weißen Nächte in St. Petersburg fiel. In dieser Zeit wird es nie komplett dunkel. So scheint um 23 Uhr noch die Sonne um dann erst nach Mitternacht für kurze Zeit unterzugehen.

Sehr schön war auch, dass wir gleich am ersten Abend eine Bootsfahrt auf der Newa machen konnten, um so gleich einen ersten Eindruck der Stadt, dem “Venedig des Nordens”, mit all ihren Kanälen und prachtvollen Gebäuden bekommen zu können.

Für Russland-Neulinge empfielt sich wahrscheinlich eine organisierte Reise, unter anderem weil es für Einzelpersonen die der Sprache nicht mächtig sind nicht immer leicht sein dürfte Eintrittskarten für die gewünschte Sehenswürdigkeit zu bekommen. Außerdem, weil man zum Teil extra bezahlen muss um eine sogenannte “Fotoerlaubnis” in gewissen Gebäuden oder Kirchen zu bekommen. So oder so, St.Petersburg ist in jedem Fall eine Reise wert!

kofferpacken.at: Was waren deine Flops?

Marion Oberegger: Als “Flop” könnte man vielleicht die, sagen wir mal, zurückhaltende Freundlichkeit der Russen bezeichnen. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass Moskau in dieser Hinsicht noch “schlimmer” sein soll. Wenn man also in einem Restaurant oder Geschäft höflich, vielleicht sogar auf Englisch oder Deutsch (eine echte Rarität!) und sehr zuvorkommend bedient wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich hierbei um keine gebürtigen Russen handelt.

Es ist in jedem Fall von Vorteil Russisch sprechen, verstehen und lesen zu können, dann sieht die Sache sicherlich schon wieder anders aus.

kofferpacken.at: Wie sieht’s aus mit persönlichen Highlights?

Marion Oberegger: An dem Tag an dem wir die von außen schon sehr spektakuläre Kasaner Kathedrale besichtigten, liefen die Vorbereitungen für die Ankunft des Kreuzes des heiligen Apostel Andreas schon auf Hochtouren. Um einen Blick auf die Reliquie zu erhaschen, trennte ich mich zusammen mit einem Religions- und einem Geschichtelehrer von der Gruppe um mich unters betende und vor allem wartende Volk zu mischen. Zuerst standen wir in der ersten Reihe, dann kamen nach und nach mehr russische Mütterchen, durchschnittlich 1-2 Köpfe kleiner als ich, die mich mit hoffnungsvollem Blick anschauten und auch mit mir sprachen. Ich musste nicht Russisch können um zu verstehen, dass sie sich gerne neben bzw. vor mich stellen wollten, wo ich noch dazu “in Zivil” inmitten von gläubigen Russinnen stand, die ihr Köpfe mit Tüchern oder Schals bedeckt hatten (laut Reiseleiterin Irina keine Pflicht aber eine Frau ohne Kopfbedeckung war in aktiven Kirchen schwer zu finden).

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es in russisch-orthodoxen Kirchen keine Bänke oder andere Sitzgelegenheiten gibt. Die Messe war allerdings schon allein durch die Wechselgesänge eines Chores und der Popes (orthodoxe Priester) beeindruckend und sehr stimmungsvoll und ergreifend. Die Reliquie konnte jeden Moment kommen, aufgeregte Spannung lag in der Luft… nachdem wir aber schon 1 1/2 Stunden – stehend – gewartet hatten, gaben wir auf und überließen unsere Plätze der immer größer werdenden Menschenmenge. Allerdings entschlossen wir uns noch einen Blick von außen auf den Eingangsbereich zu werfen, wo ständig Priester und Sicherheitsleute ankamen und die Kathedrale betraten.

Unsere Geduld machte sich bezahlt und so sahen wir zwar nicht das Andreaskreuz aber dafür die Ankunft des Patriarchen Kyrill I., dem Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, der den wartenden Menschen – also auch uns – freundlich zuwinkte, um dann ebenfalls an den Feierlichkeiten in der Kathedrale (sicherlich als eine der Hauptpersonen) teilzunehmen.

Solche Erlebnisse lassen sich nicht planen, somit war dieses – abseits der Reisegruppe und organisierten Reise – definitiv mein persönliches Highlight!

Foto: Marion Oberegger

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