Besuch in einem Zeltlager von Demonstranten in Hongkong. Wofür bzw. wogegen wird eigentlich demonstriert? Und wie geht es weiter?

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Demonstrant in Hongkong

Kevin, 28, demonstriert seit Wochen gegen die Regierung in Hongkong.

Seit 52 Tagen schläft Kevin auf der Straße. Erst im Freien und jetzt, wo es kühler wird, im Zelt. Der 28-jährige Büroangestellte war fast von Anfang an Teil der Protestbewegung in Honkongs Straßen. Seit Ende September 2014 demonstrieren vor allem junge Bewohner gegen die aktuelle Regierung. Oder, anders ausgedrückt, für mehr Demokratie.

Wir wollen die Regierung zu mehr Demokratie zwingen“, sagt Kevin. Und erklärt, worum es den Demonstranten genau geht. Eigentlich waren den Bewohnern Hongkongs für 2017 erstmals echte freie Wahlen versprochen worden. Das war im Jahr 1997, als die ehemalige britische Kolonie als Sonderverwaltungsregion mit vielen Freiheiten und weitreichender Autonomie zurück an China ging.

Keine echte Demokratie“

Herausgekommen ist eine sehr abgeschwächte Form der Demokratie. „Von den sieben Millionen Einwohnern dürfen nur 1.200 ausgewählte Personen den Regierungschef wählen“, kritisiert der 28-Jährige. Dieser sehr eingeschränkte Personenkreis bestehe hauptsächlich aus Superreichen, Geschäftsleuten, Politikern – kurz gesagt, der höheren Bevölkerungsschicht, die Peking wohlgesonnen ist. Wer sich für das Amt des Regierungschefs aufstellen lassen will, muss erstmal 600 der 1.200 Stimmen für sich gewinnen. Ein Ding der Unmöglichkeit für Otto-Normal-Verbraucher. „Das ist keine echte Demokratie“, ist Kevin überzeugt.

Demonstranten müssen Straßen bald räumen

Zeltlager in Hongkong

Die Demonstranten habe sich auf der Straße eingerichtet: Sofas, Bücherregale, Verpflegung.

Noch vor ein paar Wochen waren Hunderttausende auf den Straßen der Stadt. Jetzt ist es ruhig geworden. In der Nathan Road in Kowloon sowie im Regierungsviertel auf Hongkong Island harren die verbliebenen Demonstranten in Zelten aus. Dazwischen sind alte Sofas aufgestellt und Bücherregale mit Zeitschriften, Büchern und kopierten Zeitungsartikeln.

Mittlerweile regt sich gegen die Protestierenden Widerstand in der eigenen Bevölkerung – viele fühlen sich gestört, weil die Besetzung der Straßen das Alltagsleben und den Verkehr blockiert. Schon wer am Flughafen ankommt, wird beim Gepäckband darüber informiert, dass Teile der U-Bahn aufgrund der andauernden Proteste eingeschränkt sind. Es könnte sein, dass bald noch mehr Demonstranten aufgrund eines Gerichtsbeschlusses ihr Lager räumen müssen. „Ich bleibe bis zum letzten Moment“, ist Kevin überzeugt.

“Wir haben eine Botschaft”

Demonstranten in Hongkong

Die großen Menschenmassen sind nicht mehr auf der Straße – jetzt wird in kleineren Gruppen demonstriert.

Wie hoch sind die Chancen, dass sich durch dir Proteste etwas ändert? Da macht er sich nichts vor. „Die liegen bei null Prozent. Aber wir machen das für die Zukunft. Wir wollen die Leute ermutigen, sich sozial zu engagieren.“ Der Kampf um echte Demokratie ist vorerst verloren. „Aber wir haben eine Botschaft, und wir bekommen Aufmerksamkeit.“