„Romeo und Julia“ – DIE italienische Liebesgeschichte wird in Verona am Leben erhalten, die Romantik von den Touristen gelebt. Als eine der schönsten Städte Italiens, bietet Verona romantischen Kitsch.

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 Der berühmte Balkon der Julia.

Der berühmte Balkon der Julia.

Ein Blick in den Hof des Hauses der Capuleti und die Legende lebt. Die tragische Liebesgeschichte von „Romeo und Julia“ ist weltweit bekannt und spielt sich vor der Kulisse Veronas ab. Auch heute spinnt sich die Legende weiter um die Montecchi und Capuleti, zwei verfeindete Familien, deren Nachkommen sich ineinander verlieben, und das gegen den Willen der Eltern. Ob es dieses Schicksal tatsächlich gegeben hat, oder ob es pure Erfindung war, die erstmals 1531 in Venedig veröffentlicht wurde, ist nicht bekannt. Selbst in Verona hat man außer den romantischen Erzählungen keine Beweise für den Wahrheitsgehalt.

Durch das Anketten von Schlössern schwören sich unzählige Paare in Verona ewige Treue.

Durch das Anketten von Schlössern schwören sich unzählige Paare in Verona ewige Treue.

Das hielt die Stadt allerdings nicht davon ab nach einem Haus mit Innenhof und Balkon zu suchen, das aus dieser Zeit stammt, denn die Touristen pilgerten in Massen nach Verona um den Balkon der Julia mit eigenen Augen zu sehen. Fündig wurde die Stadt in der Via Cappelo, wo früher angeblich eine Familie namens Cappello (italienisch für „Hut“) lebte, die zur damaligen Zeit Cappelletti genannt wurde. Dies glich dem Familiennamen der Julia Capuleti, und so wurde das Haus kurzerhand zum Haus der Capuleti gekürt. Der Haken daran: Das Gebäude bot keinen Balkon, und so wurde nach Shakespeares Beschreibung angebaut.

Der Balkon der Julia und was die Statue verheißt

Und noch ein Liebesbeweis: Das Bemalen der Durchgänge zum Haus der Capuleti.

Und noch ein Liebesbeweis: Das Bemalen der Durchgänge zum Haus der Capuleti.

Blickt man vom Balkon in den Innenhof, fallen die vielen Touristen ins Auge, die von Shakespeare mal mehr, mal weniger Ahnung haben. Ein kurioser Aberglaube umrankt die kupferne Statue der Julia unter dem Balkon: Berührt man ihre recht Brust, verspricht einem das ewiges Glück in der Liebe. Lange überlegen muss man nicht wo man hin greift, die rechte Brust der Julia ist von den vielen Besucherhänden blitzblank poliert. Und reckt man seinen Hals durch die Besucherströme hindurch, kann man auch einen Blick auf den gemauerten Hut über dem Tor werfen, was wiederum eine Erinnerung an die Via Cappello mit der angeblich hier ehemals wohnhaften Familie Cappello sein soll.

Geduldig warten die Herren der Schöpfung auf ihre Liebste, um sie als persönliche Julia auf dem steinernen Balkon zu fotografieren. Und das kann schon mal eine Weile dauern, die Schlangen im Inneren des Palazzos sind lang. Ist das alles geschafft, drängelt man sich weiter durch die Hobby-Fotografen, um bei den Liebesschwüren anzukommen, die im Durchgang zum Innenhof mit Buntstiften, Kreide und auf mit Kaugummi festgeklebten Zetteln an der Wand verewigt werden. Zumindest für bestimmte Zeit, denn der Durchgang muss aufgrund der vielen Liebeserklärungen regelmäßig gereinigt und neu ausgemalt werden.

Das Grab der legendären Giulietta Capuleti

Und um die Legende noch einmal aufleben zu lassen, bietet sich ein Besuch beim Grab der Julia an. Im ehemaligen Kapuzinerkloster in der Kirche von S. Francesco al Corso befindet sich der Sarkophag aus Veroneser Marmor. Auch hier trifft man auf die Legende von Romeo und Julia, denn viele Liebespaare pilgern zur mit Blumen geschmückten Ruhestätte.

Egal ob Legende oder Wahrheit, Verona ist – für die Veronesen – die Stadt der Liebe, und das wird den Besuchern auch an jeder Ecke versichert, egal ob vom Blumenverkäufer, vom Marktstandler, von den Buchhändlern oder den Souvenirverkäufern. Die Legende lebt … offensichtlich. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)