Kein Internet, kein Handyempfang, keine Shops – zu Fuß entlang der Küste Neuseelands. Im Gepäck: Essen für fünf Tage, Wasser und ein Zelt.

***

Die ersten paar Kilometer sind die anstrengendsten. Immerhin geht es bergauf und wir müssen die Strecke noch vor Einbruch der Dunkelheit schaffen. Der mehr als zehn Kilogramm schwere Rucksack fühlt sich nach einer Weile wie Blei auf den Schultern an. Aber bald ist das erste Stück geschafft, die Whariwharangi Bay erreicht.

Aussicht am Abel Tasman Coastal Track in Neuseeland

Dichter Urwald mit Blicke auf’s kristallklare Meer – der Abel Tasman Costal Track ist einer der beliebtesten und einfachsten Wanderwege in Neuseeland.

Jetzt heißt es: Zelt aufstellen, das spärliche Abendmahl essen und die Hände am Lagerfeuer wärmen. Am nächsten Tag schlafen wir aus, was heißt: Wir wandern erst am späten Vormittag los, als die Sonne schon weit oben am Horizont steht. Lektion 1 gelernt: Früh aufstehen lohnt sich, im Kühl des Morgens kommt man leichter voran und danach heißt es ausspannen und schwimmen bis es dunkel wird. Der Nachteil: Der Wecker am Handy stört das Robinson-Crusoe-Gefühl.

Zelten am Abel Tasman Track Neuseeland

Zeltplatz am Meer: Totaranui Bay am Abel Tasman Costal Track, Neuseeland.

Must do: Neuseelands Great Walks

Der 51 Kilometer lange Abel Tasman Costal Track ist einer der beliebtesten 9 Great Walks in Neuseeland. Er befindet sich im Norden der Südinsel und ist der am besten gewarteten Wege – Trekking für Beginner sozusagen. Die Wege sind gut präpariert und ausgeschildert, an vielen Zeltplätzen gibt es Trinkwasser. Ranger kontrollieren abends nicht nur die Tickets, sondern geben auch ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Man ist zwar fernab der Zivilisation, aber irgendwie doch nie alleine. Auf der Strecke freunden wir uns unter anderem mit einem Chilenen, einem Italiener, zwei Deutschen, einem Franzosen und zwei Österreichern an.

Am dritten Wandertag heißt es auf jeden Fall früh aufstehen: Wir müssen die Bucht von Awaroa überqueren, um zum Zeltplatz zu gelangen. Das geht nur eineinhalb Stunden vor und bis zu zwei Stunden nach der Ebbe. Es ist also noch früh, als wir unsere Schuhe ausziehen und in Flip Flops über die von Muscheln überzogene sandige Bucht trotten. Bald darauf kommen wir in Awaroa an.

Tidal Crossing am Abel Tasman Costal Track in Neuseeland

Der Weg nach Awaroa kann nur in der Zeit kurz vor und kurz nach der Ebbe angetreten werden – andernfalls steht einem das Wasser bis zum Halse.

Wir hatten uns darauf gefreut, fünf Tage lang ohne Handyempfang, Internet und anderen Schnickschnack auszukommen. Und jetzt? Besser als gedacht! Wir frühstücken, hängen unsere Kleider zum Trocknen auf und schauen der Flut zu, wie sie langsam Wasser in die Bucht spült. Mittags ist das Inlet weitestgehend gefüllt und lädt wie ein riesengroßes Planschbecken zum Baden ein.

Bark Bay: Türkisblaues Meer am Abel Tasman Costal Track in Neuseeland

Kommt der Südsee schon sehr nahe. Nur das Wasser könnt wärmer sein: Bark Bay, Abel Tasman Costal Track, Neuseeland.

Südseefeeling in Bark Bay

Am nächsten Morgen geht’s wie gewohnt weiter. Durch dichten Urwald mit meterhohen Farnpalmen und entlang goldener Strände mit kristallklarem Wasser. Lektion 2: Den Rucksack so fest wie möglich nach oben schnallen und das Ganze vor jeder Wanderung wiederholen. So fühlt er sich erheblich leichter an und irgendwann spürt man ihn fast gar nicht mehr. In Bark Bay geht es tagsüber etwas lebhafter zu, weil neben Wanderern auch Kajakfahrer und Tagesurlauber per Boot hierherkommen. Ab dem späten Nachmittag haben wir die Bucht mit der breiten Sandbank wieder fast für uns alleine. Südseefeeling breitet sich aus – nur das Wasser könnte eine Spur wärmer sein.

Wieder sitzen wir abends am Lagerfeuer. Der Schock kommt erst in der Nacht, als sich eine Maus durch die dünne Zeltwand beißt. Sie hat wohl die Essensvorräte gerochen, die im Rucksack verstaut waren. Wir flüchten ins Cooking Shelter und starten gleich um sechs Uhr in der Früh los, ohne wirklich geschlafen zu haben.

Neuseeland: Abel Tasman Track

Weitreichende Ausblicke über die Tasmanische See am Abel Tasman Coastal Track

Die letzten 20 Kilometer

Die letzte Zeltnacht lassen wir aus und marschieren die restlichen 20 Kilometer bis ans Ende des Tracks. Die restlichen Kilometer schlurfen wir nur mehr dahin, die Müdigkeit überholt uns und die Füße schmerzen bei jedem Schritt. Irgendwann heißt es: Geschafft! Trotz des nächtlichen Besuchs steht fest: So ein Track ist die anstrengendste, aber auch intensivste und schönste Art und Weise, Neuseeland zu erleben. Es ist herrlich, Tag und Nacht in der Natur zu sein, seine Essensvorräte mal genau abzählen zu müssen und sich und seine Umgebung intensiv zu spüren.

 

Tipps:

  • Viele Wanderer begehen innerhalb von drei Tagen nur den südlichen Teil des Tracks. Es lohnt sich aber, die gesamte Strecke zu gehen. Im Norden trifft man auf weitaus weniger Wanderer.
  • Wir empfehlen, in Wainui Car Park zu starten und den Weg von Nord nach Süd – also in die entgegengesetzte Richtung als die meisten anderen – zu gehen. Am Ende kann man sich dafür in Marahau mit kalten Getränken und Pizza verwöhnen lassen. Diese Möglichkeit gibt es am nördlichen Ausgangspunkt nicht.
  • Unbedingt mitnehmen: Wasser, Essen für die gesamte Zeit der Wanderung, Taschenlampe, Zelt, Flip Flops.
  • Obwohl der Track einfach ist, muss genau vorgeplant werden: Zelte bzw. Hüttenplätze müssen taggenau beim Department of Conservation reserviert werden, ein Shuttlebus gebucht und ein Gezeitenplan vom örtlichen Tourismusbüro geholt werden.
  • Die kleineren Zeltplätze sind oft idyllischer als die größeren, aber haben manchmal kein Trinkwasser. Wir empfehlen, vermehrt die kleinen Plätze zu buchen und das Wasser am Weg von den großen Campgrounds zu holen.
  • Nicht in Bark Bay zelten, hier gibt es scheinbar ein großes Problem mit Mäusen! Alternativ kann ein Schlafplatz in der Hütte gebucht werden.
  • Nicht auf allen Campingplätzen gibt es Trinkwasser – aber an vielen. Es reicht, ein paar Liter Wasser mitzunehmen und diese bei jeder Gelegenheit aufzufüllen. Oft gibt es sogar Duschen und Cooking Shelters, wo man seinen Gasofen aufstellen kann. Wir haben uns auf Trockenfutter beschränkt: Brot, Erdnussbutter, Äpfel, Kekse, Cracker usw.
  • Neben den 9 Great Walks gibt es in Neuseeland zahlreiche weitere mehrtägige Wanderungen. Wer Zeit und Muße hat, kann das Land auch auf dem 3.000 Kilometer langen Te Araroa-Weg von Nord nach Süd bewandern.