Not macht erfinderisch: Weil im Pinzgau niemand die Abfälle vom Scheren haben wollte, entwickelte eine Schafbäuerin eine nachhaltige Geschäftsidee: Filzprodukte aus Schafwolle.

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Lange Zeit wussten die Pinzgauer Schafbauern nicht, was sie mit der Wolle machten sollten. Keiner fand Verwendung dafür, niemand wollte das Abfallprodukt vom Scheren. Bis Hilde Enzinger, selbst Schafbäuerin, vor 20 Jahren eine Idee hatte: Die Wolle aufzuheben, zu waschen und sie zu warmen Patschen, den so genannten Pinzgauer Doggeln, zu verarbeiten. Und zwar mit der ältesten Textiltechnik der Menschheit – dem Filzen.

Filzen: Salzburger Wollstadel

Hilde Enzinger und Tochter Heidi in ihrem Wollstadel

 

Gefärbte Schafwolle im Wollstadel

Die Schafwolle lässt der Wollstadel in einem Ötztaler Betrieb färben.

Heute betreibt Enzinger den Wollstadel im Pinzgauer Bramberg am Wildkogel gemeinsam mit ihren zwei Töchtern Heidi und Silvia. Neben Patschen fertigen die Frauen auch Strickjacken, Handschuhe, Socken, Hauben, Decken und Handtaschen von Hand an. Bäuerinnen aus der Region arbeiten ihnen zu.

Sitzkissen, Handtaschen und Co. selber filzen

In Workshops können Besucher aus Schafwolle, Wasser und Seife ihr eigenes Filzprodukt herstellen. Gar nicht so einfach: Es gehört viel Gespür und Fingerspitzengefühl dazu. Anfänger probieren sich an einfachen Gebrauchsgegenständen wie Sitzkissen, Fortgeschrittene können ihren eigenen Hut oder eine individuelle Handtasche filzen.

Sitzkissen filzen im Salzburger Wollstadel

Filzen ist gar nicht so einfach! Dieses Sitzkissen hat Maria beim Recherchetermin selbst gefilzt.

Zuerst wird die Wolle in dünne Schichten geteilt und fein säuberlich übereinander gelegt. Dann kommt heißes Wasser auf die Wolle, mithilfe von Kernseife wird sie flach gedrückt. Am Schluss kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und das Filzprodukt mit eingefärbter Schafwolle verzieren.

Filzen: Handtaschen, Socken, Patschen etc.
Neben gefilzten Produkten gibt es im Salzburger Wollstadel auch Selbstgestricktes zu kaufen.

Drei Kilo Wolle pro Schaf und Jahr

Schafwolle gilt als gesundheitsfördernd und hilft angeblich gegen Leiden wie Nackenschmerzen, Gelenkentzündungen oder Blasenleiden. Die Wolle bringen die Bauern aus der Region in den Wollstadel. Zwei Mal im Jahr wird geschert, ein Schaf liefert rund drei Kilo Wolle pro Jahr. Die richtige Bezeichnung für die Tiere lautet eigentlich „Tiroler Schafe“, der Pinzgau grenzt im Westen an Tirol. Heidi erklärt dazu im ernsten Tonfall des Pinzgauer Schmähs: „Wir nennen sie aber Pinzgauer Schafe, das gefällt uns besser.“

 

Koffer packen und los geht’s:

Filzkurse finden jeweils am Dienstag und Donnerstag (ganzjährig) um 13.30 Uhr statt. Dauer: ca. drei Stunden. Kosten: Von 25 bis 72 Euro, je nachdem, welches Filzprodukt im Kurs entsteht. Buchung: salzburger@wollstadel.at