Robert Tichler aus Linz hat im süditalienischen Apulien das gefunden, wonach er schon lange Zeit gesucht hatte.

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kofferpacken.at: Wohin hat dich deine Reise geführt?

Robert Tichler: Ich habe im vergangenen Herbst eine einwöchige Rundreise durch Apulien gemacht.

kofferpacken.at: Was waren deine Tops?

Robert Tichler: Ich war schon seit einigen Jahren auf der Suche nach „meiner“ perfekten Altstadt. Toskana, Andalusien, Kykladen, Sizilien, Korsika – nirgendwo erfüllte sich gänzlich der Wunsch nach engen, pittoresken, undurchschaubaren, malerischen, gepflegten aber doch herben Gassen, gespickt mit einer überschaubaren Anzahl an Kollegen sprich Touristen, bis ich das Herz Apuliens entdeckt habe. Besonders empfehle ich hierbei die Städte Locorotondo, Martina Franca und Cisternino im Landesinneren, aber durchaus auch die noch vor einigen Jahren zu meidende Altstadt von Bari. Man darf sich nur nicht von den zweckmäßig errichteten modernen Stadtteilen ringsum der Altstädte abschrecken lassen, dafür entschädigen die „Centro Storico“ auf jeden Fall die rustikalen Durchfahrten.

kofferpacken.at: Was waren deine Flops?

Robert Tichler: Apulien hat eigentlich keine richtigen Flops geboten – landschaftliche Pracht darf sich der Reisende mit Ausnahme der Ostküste aber nicht erwarten. Zu intensiv wird in Apulien Landwirtschaft betrieben, wodurch allerdings ein für süditalienische Verhältnisse doch ansehlicher Wohlstand zu beobachten war. Mein persönlicher immer wiederkehrender Reiseflop hat sich aber auch in Apulien wieder bewahrheitet – die in diversen Reiseführern angepriesenen einheimischen Küchenklassiker wie das gefüllte Bauchfleisch des Gargano sind nirgendwo zu finden. Allerdings: Wo gibt’s in Österreich heute noch Leberschädl auf der Speisekarte?

kofferpacken.at: Dein persönliches Highlight?

Robert Tichler: Mein absolutes perönliches Reise-Highlight befindet sich einige Kilometer außerhalb Apuliens in der Basilikata, aber die Stadt Matera in einer Apulien-Reise auszulassen grenzt meiner Meinung nach fasst an Reise-Blasphemie. In Mitteleuropa noch weitgehend unbekannt, bietet Matera ein phänomenales Stadtbild, das seinesgleichen sucht. Grund dafür war die für europäische Verhältnisse unfassbare Armut der Stadt bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wodurch sich über 20.000 Bewohner ihre Häuser wie Höhlen in den Felsen gebaut haben.

Die hygienisch bedingte Zwangsabsiedlung der Bewohner vor 60 Jahren hinterließ ein einzigartiges Stadtbild, das zu Beginn der 90er Jahre restauriert wurde und heute auch ohne schlechtes Gewissen besichtigt werden kann, da sich Matera mittlerweile zu einer relativ prosperierenden Region entwickelt hat. Unbedingt in Matera übernachten! Ein Spaziergang durch die dunkle Höhlenstadt am Abend entwickelt einen unvergleichlichen morbiden Flair.

Foto: Robert Tichler

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