Nach 13 Jahren Mangement-Karriere stand Katja Kuegel kurz vor einem Burnout. Obwohl sie Diabetes hat, bereiste sie daraufhin die halbe Welt. In Nepal ist ihr Herz hängengeblieben. Dort unterstützt sie jetzt Einheimische beim Aufbau einer Hilfsorganisation.

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Es war nicht immer leicht, aber trotz ihrer Diabetes-Erkrankung ist Katja Kuegel in den letzten eineinhalb Jahren um die halbe Welt gereist. In Nepal traf sie auf Einheimische, die unter anderem genau zu diesem Thema – Diabetes – eine Hilfsorganisation gründen wollten. Seither ist Katja mit an Bord. GaauGhar NEPAL bedeutet übersetzt so viel wie „Dörfer Nepals“. Die Bewohner entlegener Dörfer im Osten des Landes sollen Gesundheitsvorsorge und Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Unter anderem durch Yoga. Und unter anderem als Vorbeugung gegen Diabetes. Im Interview mit kofferpacken.at erzählt Katja, wie es dazu kam, was konkret gemacht wird und wie man sie unterstützen kann.

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kofferpacken.at: Diabetes und Bluthochdruck – wie kommt es, dass diese Zivilisationskrankheiten der modernen Gesellschaft immer häufiger auch in nepalesischen Dörfern verbreitet sind?

Katja: Diabetes Typ 2 kommt vor allem in den Städten häufiger vor, da es zu Bewegungsmangel und schlechtem Essen kommt. In den Dörfern habe ich höhere Werte eher bei Menschen ab 40 gesehen. Ungesunde Snacks, die es auch mittlerweile in den Dörfern gibt, und eine einseitige, sehr kohlehydratreiche Ernährung mit Reis, Kartoffeln und Linsen tragen meiner Meinung nach zur Entstehung bei. Bluthochdruck kommt teilweise vom lokalen Alkohol, einem Hirsegetränk, und ebenfalls von der Ernährung.

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kofferpacken.at: Wie sieht das staatliche Gesundheitssystem in den abgelegenen Regionen Nepals aus?

Katja: In den Dörfern gibt es kleine Health Posts, die wiederum mehrere Wards – also kleinere Dörfer – versorgen, die schon mal drei Stunden zu Fuß entfernt liegen. In den Posts gibt es ein bis zwei Mitarbeiter, die eine Grundausbildung haben, sich um kleinere Dinge kümmern und Tetanus-Spritzen geben können. Zudem erhalten die Health Posts Medikamente vom Bezirk. Jedoch nicht immer das, was man braucht, und manchmal leider abgelaufen. Finanziert werden für die Kinder auch Impfungen. Aufklärung findet eher wenig statt. Nach unserem ersten Besuch hat der Bezirk eine Schulung zum Thema Diabetes durchgeführt, sodass die Mitarbeiter die Dorfbewohner unterstützen können. Wenn das schon die Auswirkung unseres ersten Besuchs war, dann macht das alles Sinn, was wir tun …

kofferpacken.at: Worin liegt das größte Problem?

Katja: Für spezielle Medikamente, Blutuntersuchungen oder Arzttermine müssen die Dorfbewohner mit einem Jeep in die Stadt fahren, über Nacht bleiben und am nächsten Tag wieder zurück. Manche können sich das nicht leisten, sodass es zu Komplikationen und früherem Tod führen kann.

kofferpacken.at: Vorbeugung kann solche Situationen vermeiden. Ihr setzt neben Aufklärungsarbeit auch auf Yoga. Warum?

Katja: Yoga kann bei chronischen Krankheiten helfen, dass Beschwerden zuverlässig und nachhaltig gelindert, manchmal auch geheilt werden und dass das Management mit der Krankheit verbessert wird. Dies geschieht durch gezielte regelmäßige Körperübungen, auch Asanas genannt, Atemübungen (Pranayama) und Meditation. Sie aktivieren beispielsweise das Herz-Kreislaufsystem, was gut gegen Bluthochdruck ist. Und sie unterstützen den Stoffwechsel und kräftigen die Muskulatur, was bei Diabetes hilft.

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kofferpacken.at: Was wollt ihr darüber hinaus noch mit euren Projekten bewirken?

Katja: Unser Ziel ist es, entlegene Dörfer in Sachen Gesundheit & Yoga, Bildung, Umweltschutz & Farming Projekte langfristig zu unterstützen. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe und vor allem viel Aufklärungsarbeit leisten. Wir wollen die Einheimischen bei Lösungsfindung und Umsetzung einbeziehen, um wirklich langfristig etwas zu bewegen. Mit Farming Projekten wie zum Beispiel Bienenstöcken oder Samen für Kardamom können die Einheimischen ein kleines Einkommen erwirtschaften.

kofferpacken.at: In einem der Dörfer, Bhainse, warst du angeblich die erste Ausländerin, die zu Besuch war. Wie hat sich das angefühlt? Wie haben die Leute reagiert?

Katja: Der Osten Nepals ist nicht sehr touristisch erschlossen. Da dieses Dorf nur aus fünf Häusern bestand, kommt da keiner vorbei. Die Leute waren sehr neugierig, die Kinder waren natürlich etwas schüchtern. Das ganze Dorf hat nach und nach vorbei geschaut und zum Abschied habe ich frisch gepflückte Erbsen bekommen. Diese Menschen haben für mich so einen zufriedenen Eindruck gemacht, obwohl sie ja nichts hatten und sie waren sehr gastfreundlich. Ich fühlte mich irgendwie sicher und angekommen – was vielleicht auch mit der wunderschönen Aussicht auf den dritthöchsten Berg der Welt Kanchenjunga zu tun hatte.

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kofferpacken.at: Du selbst siehst ja den zum Teil Überhand nehmenden Volunteer-Tourismus eher als kritisch an. Für eure NGO sucht ihr aber selbst nach Freiwilligen – erst einmal nach Yoga-Lehrern.

Katja: Ich selbst habe in Nepal miterlebt, dass man Volunteers das Geld aus der Tasche zieht. Deshalb: Vorsicht bei nepalesischen Kinderheimen! Was ich kritisch finde ist, dass manche Firmen sehr viel Geld von den Volunteers verlangen und diese oft nur für sehr kurze Zeit im Land bleiben. Aber ich glaube, wenn man gezielt und überlegt mit dem Thema umgeht, ist es eine wundervolle Erfahrung für beide Seiten. Volunteers sehen wir nicht als die langfristige Lösung, da wir vor allem mit den Einheimischen – ob Behörden oder Dorfbewohnern – zusammenarbeiten möchten. Aber im Gespräch mit ihnen hat sich herausgestellt, dass sie Yoga-Volunteers gerne willkommen heißen würden.

kofferpacken.at: Wie sieht euer Konzept aus?

Katja: Unser Yoga Projekt hat das Ziel, dass langfristig ein Einheimischer Yoga-Stunden in seinem Dorf anbieten kann und vielleicht auch langfristig in der Schule – wie es ja schon die Regel in Indien ist. Wenn wir es schaffen, durch regelmäßige Praxis mit Hilfe von Volunteers geeignete Personen zu finden, denen wir dann eine Yogalehrer-Ausbildung finanzieren würden, dann können die Dörfer auf eigenen Beinen stehen. Wichtig ist für uns, dass Volunteers mindestens vier Wochen lang im Dorf bleiben, um wirklich beim Aufbau des Yogas zu helfen. Und der Volunteer soll natürlich auch viel mitnehmen – wunderbare Erfahrungen in der Natur, der Kultur, vielleicht eine wenig Nepalesisch lernen oder zumindest das eigene Dal Baht kochen..

kofferpacken.at: Was ist an GaauGhar Nepal anders als an anderen Hilfsorganisationen?

Katja: Unsere NGO ist klein, was einen großen Vorteil gegenüber namhaften Hilfsorganisationen hat. Unsere Spenden werden fast 1:1 für die Projekte verwendet, unter anderem weil unsere Fixkosten und Marketingausgaben sehr gering sind. Zudem sind bislang nur wenige NGOs im Osten Nepals tätig, da viele sich auf die Umgebung von Kathmandu konzentrieren.

kofferpacken.at: Wer kann euch wie unterstützen? Was hilft jetzt am meisten, was langfristig?

Katja: Unterstützen kann uns jeder. Geldspenden sind leider das notwendige Übel für die Finanzierung unserer Projekte. Unser Spendenlink ist: www.gofundme.com/2c643g4 – egal ob kleine oder große Spende.

Wichtig ist auch, dass Menschen über unsere NGO im Familien- oder Freundeskreis, mit den Kollegen etc. sprechen.

Wir suchen zudem Schulen, die Interesse an einer Schulpartnerschaft haben, oder Firmen, die uns langfristig unterstützen. 

Aktuell benötigen wir auch noch englischsprachige Bücher – gerade für Kinder, da wir eine Schulbücherei im Dorf Memeng aufbauen wollen. Auf unserer Website gibt es mehr detaillierte Infos zu allen Projekten inklusive der Adresse, um die Bücher zu schicken.

Manche Notwendigkeiten ergeben sich bestimmt nach unserem nächsten Besuch im September, deshalb einfach mal auf www.gaaugharnepal.org schauen und für den Newsletter anmelden.

Fotos: GaauGhar NEPAL