Ein New Yorker Einkaufserlebnis der anderen Art. Tausende Frauen wollen hier nur eines: Victoria’s Secret lüften. In großen Lettern prangt der Markenname über den opulenten Toren, die Tag für Tag tausende Frauen empfangen. Und sie alle wollen nur eines: Victoria’s Secret lüften.

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Der Victoria's Secret Store in der 34. Straße mitten in Manhattan.

Der Victoria’s Secret Store in der 34. Straße mitten in Manhattan.

Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern, Frauen aller Nationalitäten stürmen in die unterschiedlichsten Richtungen, Glitzer, Farben und überdimensionale Plakate springen den Besuchern ins Auge. Verzeihung, den Kundinnen. Fast fühlt man sich bei Victoria’s Secret in Manhattan als Besucher einer Attraktion und weniger als Kundin. In ganz Manhattan stechen die vielen pinken Einkaufstaschen in den Händen zufrieden lächelnder Frauen ins Auge. Das Angebot und die Einrichtung des Stores in der 34. Straße, gleich um die Ecke vom Empire State Building, erschlagen bereits beim Eintreten in Victorias Reich. Doch anonym bleibt man nicht lange.

Service vom Feinsten

„Hi, mein Name ist Annie! Jacke aus, Arme hoch und los geht’s!“ Wie automatisiert werfen die Damen der Schöpfung ihre Arme gen Himmel und werden sogleich von geschulten Händen abgemessen. Meine Herren, hier geht es um Brustumfang und Körbchengröße, denn bei Victoria’s Secret werden die Dessous aus dem Fernsehen verkauft. Mädchenträume werden wahr – vorausgesetzt man hält den Trubel im Shop aus.

In den Kabinen angekommen, reichen die persönlichen Beraterinnen und BH-Experten den Neuankömmlingen einen Zettel mit ihrem Namen, der von ihnen gemessenen BH-Größe inklusive einer so genannten Bra-Box, die alle Modelle der Victoria’s Secret Reihen beinhaltet. So kann man sich durch die verschiedenen Modelle probieren, die es in den unterschiedlichsten Farben und Designs auszusuchen gilt.

Der Kampf um die Körbchen

Jetzt beginnt der Kampf um die Körbchen. Hier eine 34 Doppel-D, dort eine 32B. Alles was die Victoria’s Secret Bag tragen kann, oder was der Geduldsfaden ertragen kann. Der Ansturm auf das Sortiment kann durchaus anstrengend werden, was sich auch in den Gemütern der begleitenden Herren widerspiegelt. Im Eingangsbereich kampieren sie sprichwörtlich unter den Plakaten der Victoria’s Secret Engel und werden regelmäßig von übereifrigen Verkäuferinnen verscheucht. Der Verkäufer vom Hot Dog-Stand direkt vor dem Eingang macht das Geschäft seines Lebens mit einer Pepsi um vier US Dollar.

Shoppen als Event

Bei Victoria’s Secret ist das Shopping-Erlebnis durchaus als Event zu betrachten. Die Aufmerksamkeit der New Yorker Verkäuferinnen mag für einen Europäer etwas befremdlich sein. Die Abmessungen stimmen nur bedingt, es empfiehlt sich von unterschiedlichen BH-Expertinnen abmessen zu lassen und so genannte Sister-Sizes zu probieren. Und obwohl der Einkauf bei dem Dessous-Virtuosen den Stressfaktor „hoch“ verdient, wird man ihn so schnell nicht vergessen. Nicht zuletzt aufgrund der teilweise hohen Preise. Und doch verlässt man das volle Geschäft mit einer pinken Einkaufstasche und einem Lächeln auf dem Gesicht. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)