Dort wo einst das World Trade Center stand, fließen nun tausende Liter Wasser in den Abgrund.

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Es mutet etwas gruselig an. Nach umfangreichen Sicherheitskontrollen, die jenen am Flughafen in nichts nachstehen, betritt man Ground Zero. Rundherum noch Baustellen, doch weit entfernt scheint die Zeit, in der hier ein großes Loch klaffte. Der Terroranschlag vom 11. September 2001 in New York, bei dem offiziell 2.753 Menschen umgekommen sind, ist nach wie vor in Erinnerung. Jahrelang herrschte hier eine chaotische Baustelle und keiner konnte sich vorstellen, wie diese Lücke wohl gefüllt werden könnte. Mehr als ein Jahrzehnt später ist das Rätsel gelöst: Genau dort wo die Zwillingstürme des World Trade Centers in den Himmel ragten, befinden sich heute zwei Gedenkpools.

Einer der Pools mit den großflächigen Baustellen im Hintergrund.
Einer der Pools mit den großflächigen Baustellen im Hintergrund.

Dimensionen erahnen

Die Originalgrundrisse lassen die Dimensionen der Türme nur mehr erahnen. Nun ragt nichts mehr gen Himmel, jetzt geht es in die Tiefe. Zwei gigantische Brunnen, die in Etappen unter die Erde führen, stellen das Denkmal an die Türme und die Opfer des Anschlags dar. Entlang der Ränder der beiden Pools wurden die Namen der Opfer in Kupfer eingraviert. Jedes einzelne Opfer erhält hier einen Namen.

Rundherum ragen die Baustellen der Türme für das neue World Trade Center hoch. Kräne lassen erahnen, welche Gebäude die zukünftige Skyline von New York prägen werden. Die Atmosphäre ist trotz der Ausrichtung auf die Zukunft der Vergangenheit gewidmet. Zahlreiche Polizisten signalisieren die angespannte Situation am Ground Zero, an die kollektive Erinnerung der New Yorker.

Der Helm vom FDNY Batalion Chief im Einsatz am 11. September 2001.

Der Helm vom FDNY Batalion Chief im Einsatz am 11. September 2001.

Die Erinnerung lebt

Fast scheint es so, als erkenne man Amerikaner und Touristen aus anderen Teilen der Welt auseinander. Internationale Touristen lassen sich mit den Brunnen fotografieren, Einheimische stehen andächtig vor den eingravierten Namen. Die Stimmung ist Respekt einflößend. Manchmal stellen Betroffene ihre Erfahrungen in kurzen Touren zur Verfügung. Offizielle Führungen gibt es nicht, obwohl in vielen Reiseführern gegensätzlich beschrieben. Die Touren werden von den New Yorkern persönlich angeboten, das Memorial an sich bietet keine näheren Informationen. Das Museum ist nach wie vor in Bau.

Rundherum wird bereits fleißig am neuen World Trade Center Komplex gebaut.

Rundherum wird bereits fleißig am neuen World Trade Center Komplex gebaut.

Komplizierte Ticketsuche

Wer das 9/11 Memorial besichtigen möchte, sollte sich rechtzeitig um Tickets kümmern. Ein Spontanbesuch ist beinahe unmöglich, denn die Tickets – offiziell kostenlos, jedoch mit einer verpflichtenden „Spende“ verbunden – werden nicht direkt am Memorial ausgegeben: Die Eintrittskarten sind bei der Preview Site, ein paar Blocks vom Memorial entfernt, erhältlich.

In die Schlange einreihen

Die Inschriften sollen  kein einziges Opfer in Vergessenheit geraten  lassen.

Die Inschriften sollen kein einziges Opfer in Vergessenheit geraten lassen.

Dort heißt es erst einmal: Anstehen. Es gibt eigene Anstell-Schlangen für neue Schlangen und lange Wartezeiten – exklusive Garantie, überhaupt Tickets zu bekommen. Der einfachste Weg Einlass ins Memorial zu erhalten, ist eine Online-Reservierung. Hier muss man ebenfalls eine „Donation“, eine Spende, von 10 US Dollar leisten und erhält einen Reservierungscode. Damit bekommt man schlussendlich die eigentlichen Tickets in der Preview Site in der Vesey Street. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)