Wir haben uns auf der Ferien-Messe 2014 in Wien nach alternativen Reise-Möglichkeiten umgeschaut. Und sind dabei auf Vertreter von Regionen gestoßen, die lange Zeit als Krisenherde oder Konfliktgebiete galten. Reise-Inspirationen abseits des Mainstreams.

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Vertreterin der Regionalregierung Kurdistans (Irak)

Vertreterin der Regionalregierung Kurdistans (Irak)

Irak: Autonome Region Kurdistan wirbt um Touristen

Der Irak als neue Urlaubs-Destination? Die autonome Region Kurdistan präsentiert sich heuer erstmals auf der Ferien-Messe und wirbt um Touristen. „Wir sind präsent damit die Menschen sehen, dass es bei uns sicher ist“, sagt eine Vertreterin der Regionalregierung im Gespräch mit kofferpacken.at. „Wir sind eine autonome Region, die stabil ist und vom Irak-Krieg nie betroffen war”, so die Vertreterin. Die Stadt Erbil sei 2014 außerdem Tourismus-Hauptstadt im Nahen Osten – die Aufmerksamkeit will man gleich weiter ausbauen.

Derzeit hat noch kein größeres heimisches Reisebüro die Region im Angebot, erste Interessenten gebe es aber schon. Neben Geschäftsreisenden kommen bereits Individualtouristen, Wandern und Kultur stehen weit oben am Programm. Trotzdem gilt: Sich vorab genau informieren und aktuelle Reisehinweise beachten.

Anreise: Austrian Airlines fliegt täglich direkt von Wien nach Erbil (ca. 3,5 Stunden Flugzeit)

Kolumbianerin in traditionellem Salsakleid

Kolumbianerin in traditionellem Salsakleid

Kolumbien: Sicher und vielfältig

Das südamerikanische Land galt lange Zeit als unsicher. Schlagzeilen machte es nur mit Drogenkriegen und Entführungen. Mittlerweile hat sich einiges getan: „Die Regierung hat viel unternommen, es gibt Hotelinvestoren, die Infrastruktur wurde ausgebaut, viele große Firmen haben ihren Lateinamerika-Sitz in Kolumbien“, erzählt Tourismusberater Jewgeni Patrouchev.

Mittlerweile bieten viele deutschsprachige Reiseveranstalter Trips nach Kolumbien an, die Zahl der Besucher aus Deutschland hat sich seit 2008 verdoppelt. Auch Individualtouristen könnten sich frei bewegen, das Busnetz ist gut ausgebaut, der irische Billigflieger Ryanair hat in Kolumbien eine Inlands-Airline aufgebaut. Der Touristiker preist vor allem die Vielfalt des Landes an – von Kaffeeplantagen mit Hotel-Fincas über Dschungelgebiete bis zu karibischen Stränden. Auch das Nachtleben kommt angeblich nicht zu kurz. „Sie werden keine einzige Bar finden, in der nicht Salsa getanzt wird.“

Anreise: zum Beispiel ab Frankfurt/Main mit Lufthansa (ca. 11 Stunden Flugzeit), ab Madrid mit Iberia oder ab Paris mit Air France

Armenische Kunst auf der Ferien-Messe

Armenische Kunst auf der Ferien-Messe

Armenien & Georgien: Wandern am Kaukasus

Auch den Kaukasus kennt man vor allem als Konfliktgebiet aus den Medien. Die Unruhen sind aber auf bestimmte Regionen beschränkt. Die restlichen Gebiete könne man als Individualtourist ohne Bedenken bereisen, so die Tourismusvertreter.

In Armenien sind die Straßen schlecht beschildert. „Deshalb empfiehlt es sich, einen Fahrer oder für bestimmte Strecken ein Taxi zu nehmen“, so Touristikerin Arevik Tadevosyan. Neben Kirchen und Klöstern seien vor allem der Berg Ararat, der Norden mit seinen grünen Plateaus und die Weinbaugebiete sehenswert. Typisch sind Teppichknüpfer und das Kunsthandwerk der Kreuzsteine. Und: Essen spielt eine große Rolle und spiegelt aufgrund der geografischen Lage die unterschiedlichsten Aromen wider.

Georgien verfügt im Umkreis über den einzigen Grenzübergang zu Russland. Mit den Regionen Abchasien und Südossetien sind 20 Prozent des Landes von Russland besetzt. Hierhin können Einheimische wie Touristen nur mit russischem Visum einreisen. Im Rest des Landes erwarten Touristen Wandertouren und frische, lokale Küche. Ein beliebtes Touristenziel ist der über 5.000 Meter hohe Mount Kabezi. Auch hier gilt: Aktuelle Reisehinweise des Außenministeriums bei der Reiseplanung beachten!

Anreise: Austrian Airlines fliegt nach Armenien (ca. 3 Stunden Flugzeit), Turkish Airlines fliegt über Istanbul nach Georgien, Lufthansa fliegt Georgien direkt von München an

Auch Nordzypern wirbt heuer um neue Gäste auf der Ferienmesse.
Auch Nordzypern wirbt heuer um neue Gäste.

Nordzypern: Türkischer Norden steht für Klasse statt Masse

Der griechisch-türkische Konflikt um die Insel Zypern hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder für Aufsehen gesorgt. Trotzdem: Viele Österreicher haben schon einmal im griechischen Süden ihren Urlaub verbracht. Der türkische Norden ist touristisch noch Neuland. Hier gibt es weder Massentourismus noch Bettenhochburgen. „Vor allem die Karpaz-Halbinsel hat viel Natur zu bieten“, so ein Tourismusvertreter. „Hier treffen sie auf wilde Esel und können in traditionellen Unterkünften übernachten.“

Anreise: Mit Turkish Airlines über Istanbul oder Direktflug von Wien nach Südyzypern, dann weiter per Transfer oder Mietauto

Südbalkan: Mazedonien, Montenegro und Bosnien holen auf

Aus den Regionen des ehemaligen Jugoslawien ging vor allem Kroatien als Gewinner hervor, was den Tourismus betrifft. Aber auch weiter südlich wirbt man nun verstärkt um österreichische Urlauber: Mazedonien, das bereits 1991 seine Unabhängigkeit erklärte, steht für Natur, Weinanbau und Kulinarik. Auch Montenegro und die Bosnische Republik Srpska sind auf der Ferien-Messe vor Ort und wollen touristisch aufholen.

Anreise: Montenegro Airlines, Austrian Airlines

 

Generell gilt: Im Zuge der Reiseplanung auf der Website des Außenministeriums vorbeischauen. Dort findet man wertvolle Tipps sowie Infos zu Reisewarnungen.