Saftig grüne Wiesen bewandern, Kräuterschnaps verkosten und frische Almbutter aufs Brot streichen. Die Region Hochkönig im Salzburger Land mutiert im Sommer zum Kräuterkönig.

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 Wie ein schlafender Riese wacht der Gipfel des Hochkönigs mit seinen 2.941 Metern über die Orte Maria Alm, Dienten und Mühlbach. Während ganz oben sogar im Sommer manchmal der Schnee stürmt, wachsen auf den Almen und Wiesen im Tal unzählige Blumen und Kräuter. Wir haben uns angesehen, wie die Leute am Hochkönig mit ihrem überdimensionalen natürlichen Kräutergarten leben.

Kräuterwanderung Ein mäßiger Anstieg, daneben eine Wiese mit gelb leuchtenden Punkten. „Das sind Trollblumen“, sagt Wanderführerin Barbara. Jetzt im Frühsommer sind die Almen und Wiesen rund um das Hochkönig-Massiv bunt wie ein Fleckerlteppich von den verschiedensten Blumen und Kräutern. „Die Blumenwiesen schauen hier ganz unterschiedlich aus, je nach Hanglage, Bodenbeschaffenheit, Düngung und Ausrichtung“, erklärt die Wanderführerin. Stimmt: Wandert man gerade noch über eine mit Löwenzahn übersäte Grünfläche, steht man ein paar Stunden später schon in einem Meer aus Vergissmeinnicht, Schafgarben und Nelken. Besucher können die Pflanzen der Region und ihre Wirkung in Form von geführten Kräuterwanderungen, Kräutersalben-Workshops und Kräuter-Kochkursen kennenlernen. „Wusstet ihr zum Beispiel, dass man aus Brennesseln Spinat machen und die Samen in Aufstriche mischen kann?“, fragt unser Guide. Außerdem: Spitzwegerich helfe gegen Insektenstiche und Löwenzahn schmecke lecker im Salat.

Kräuterschnaps verkosten Vor Heinrich Rainers Haus, der Jausenstation Grünegg auf 1.190 Höhenmetern, thront ein Vogelbeerbaum. Wenn Rainer gegen Ende des Sommers die Früchte vom Baum pflückt, kommen 200 Liter Beeren zusammen. Das ergibt dann vier Liter Schnaps. Zu seinem Betrieb, der das so genannte Große Brennrecht besitzt, zählen 120 weitere Vogelbeerbäume, geernet wird von Hand. „Die Ernte ist nur alle drei Jahre möglich und gar nicht so ungefährlich, weil wir dabei auf Leitern stehen.“ Für Heinrich ist es wichtig, den richtigen Erntezeitpunkt zu finden: Nicht zu früh, damit die Beeren den richtigen Geschmack abgeben, nicht zu spät, damit nicht bereits die Vögel darüber hergefallen sind. Auch mit Kräutern arbeitet der Schnapsbrenner, aus Arnika wird zum Beispiel Arnikaschnaps hergestellt. Der ist allerdings nicht zum Trinken, sondern soll bei Wunden, Entzündungen und Muskeltkater Abhilfe schaffen.

Frühstück auf der Alm Auch für Anita Gießner von der Mussbachalm sind die Almwiesen und ihre Pflanzen unabdingbar. Sie lebt den Sommer über auf der Alm und erzeugt Milchprodukte, Almkäse, Butter, Speck und geräuchertes Rindfleisch. Die Tiere ernähren sich dann nicht von Silofutter, sondern von frischen, sonnenverwöhnten Blumen und Kräutern. Das merkt man zum Beispiel bei der selbst gerührten Butter: „Zum Somerbeginn er noch ziemlich hell. Erst wenn ich dann die Milch von den Almkühen verwende, wird sie von den vielen Kräutern goldgelb und schmeckt viel intensiver“, so Gießner. Aus der frischen Almmilch stellt sie außerdem Käse und Topfen her. Gerade hat sie sich dafür einen neuen Kupferkessel dafür anfertigen lassen, der neben dem Ofen in der Stube hängt. Das Käsen ist viel Arbeit: 55 Liter Milch ergeben sieben Wochen später rund vier Kilo Käse. Die Sennerin steht deshalb im Sommer täglich in aller Herrgottsfrüh auf. Wer ihr zuschauen und bei ihr ein Almfrühstück genießen will, sollte im Urlaub also zumindest ein Mal zeitig aus den Federn kommen.

 

Koffer packen und los geht’s:

Die Region Hochkönig besteht aus den Orten Maria Alm, Dienten und Mühlbach und verfügt über 340 Kilometer Wanderwege. Gäste können sich außerdem E-Bikes ausborgen oder mit Pfeil und Bogen durch einen Bogenparcours im Wald jagen. Information: www.hochkoenig.at

Unterkunft Wir haben in Maria Alm übernacht, hier zwei Übernachtungstipps:

Hotel Eder (Vier Sterne): zentral gelegenes, gerade renoviertes und modernes Hotel mit viel Holz und Naturmaterialien; Wellnessbereich.

Berggasthof Hinterreit: höher gelegen, gute Aussicht, große Holzbalkone; im Winter sind hier Skisportler aus aller Welt zu Gast, um auf der hauseigenen Piste zu trainieren.

Offenlegung
Wir waren im Juni 2013 zwei Tage lang auf Einladung von Hochkönig Tourismus in der Region Hochkönig unterwegs. Meinungen, Bilder und Texte sind wie immer „hausgemacht“.

Der kofferpacken.at-Bericht über den Hochkönig ist auch auf der Blogparade zum Thema “Liebstes Grün – Von Gärten, Parks und Grün-Oasen” zu lesen.