Jiri aus Tschechien hat seit zwei Jahren keinen festen Wohnsitz – und radelt oft Monate lang durch Europa.

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Jiri: mit dem Rad durch Europa

Jiri aus Tschechien: mit dem Rad durch Europa.

Jiri Semerad sitzt inmitten der alten Festungsmauern von Rhodos Stadt. Dass es nur so vor Touristen wimmelt, scheint ihn nicht zu stören. Im Gegenteil. “Endlich wieder zurück in der Zivilisation”, sagt er mit einem sanften Lächeln. Der Tscheche ist seit drei Monaten mit dem Rad quer durch Europa unterwegs. Von Prag über Österreich, Ungarn, Südosteuropa bis in die Türkei. Und die hat er so gut wie ganz durchquert, bis er mit dem Schiff auf die griechische Insel übersetzte.

Durchs türkische Hinterland

Im Osten der Türkei war es nicht einfach, weiterzukommen. Wenige sprachen Englisch, manche schauten ihn schief an. Ein Mann, der ganz alleine auf dem Rad unterwegs ist? In Anatolien vielen nicht ganz geheuer. “Zwei Mal wurde ich angesprochen, ob ich homosexuell bin. Einmal haben mir Kinder Steine nachgeworfen.” Aber sonst sei alles glatt gelaufen. Weiblichen Reisenden empfiehlt er den Osten der Türkei allerdings nicht, es sei dort viel zu patriarchalisch.

Seit zwei Jahren unterwegs

Ein Nomade ist Jiri eigentlich nicht erst seit drei Monaten, sondern seit zwei Jahren. Damals hat der heute 37-Jährige seine Wohnung aufgegeben und zog zum ersten Mal los. Seither ist er – mit Zwischenstationen daheim – viel auf Reisen. Meistens mit dem Rad. 100 Kilometer strampelt er oft an einem Tag ab, einmal waren es sogar 200. Wenn das Geld ausgeht, arbeitet er ein paar Monate lang in Großbritannien.

“Ich versuche noch immer herauszufinden, was ich in meinem Leben wirklich machen will”, sagt er. “Ich mache vieles, aber ich habe das Gefühl, nichts richtig zu können.” Dass er mit diesen Gedanken nicht alleine ist, bestätigen die vielen Bekanntschaften auf Reisen. Immer wieder trifft er auf andere Radler, die per Drahtesel die Welt erkunden. “In der Türkei hab’ ich sogar eine 70-jährige Australierin kennengelernt, die gerade aus dem Iran kam.”

Die Freiheit, jeden Tag neu zu entscheiden

Was ist es, dass einen antreibt, auf jeden Luxus der Welt zu verzichten? Nur mit sich selbst und der Straße zu sein? Und das über Monate hinweg? “Es ist die absolute Freiheit”, entgegnet Jiri, jetzt mit fester, überzeugter Stimme. Das kommt von innen heraus. Und er wiederholt es mehrmals im Gespräch. Die Freiheit, jeden Tag neu zu bestimmen, welchen Weg er einschlägt. Die Freiheit, das Zelt aufzuschlagen, wo es ihm gefällt. Oder unter freiem Himmel zu übernachten, die Sterne über ihm. In ein Hotel zieht es in selten. Er braucht nichts außer sein Rad, sein Zelt, seinen Campingkocher. “Ich hab’ meine Küche immer mit mit”, sagt er und klopft gegen die angekratzte Pfanne.

 

Info:

Wer Jiris Rad-Abenteuer miterleben will, kann seiner facebook-Seite folgen: www.facebook.com/sutoja