Ohne kitschig klingen zu wollen: Im Sultanat Oman findet man Landschaften und Gerüche wie aus dem Märchen. Wir haben uns einfach treiben lassen und die Atmosphäre inhaliert. Und wenn mal was schief ging, war immer eine helfende Hand zur Stelle.

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Der Fischmarkt von Maskat ist ein unscheinbarer Ort. Ein überdachter Platz, die Verkäufer hocken neben ihrer Ware, keine Spur von hektischem Treiben. Die Meisten sind schon in aller Herrgottsfrüh auf den Beinen, um im Indischen Ozean auf Fischfang zu gehen. Das Eis, auf dem Barsche, Garnelen und anderes Meeresgetier gebettet sind, hat sich längst in Wasser aufgelöst. Touristen trifft man – wie fast überall im Oman – nur vereinzelt an.

Gespräche auf dem Fischmarkt

Unbeholfen schauen wir uns um. Zum Glück: Eine Gestalt im traditionellen weißen Dishdasha, einer langen weißen Männerbekleidung, schlüpft kurzerhand und ohne unser Zutun in die Rolle des Touristenführers. Ja, Schwertfische angle man hier, erklärt er, und zeigt auf ein Riesenexemplar. Haie gebe es auch, redet er weiter, und führt zu den Exemplaren, sie haben ungefähr die Länge eines Unterarmes. „Wollt ihr einen Fisch kaufen?“ „Ja, aber wir haben keine Küche in unserem Hotel.“ Kurzes Verhandeln mit dem Fischverkäufer. „Er meint, Haifisch ist nur in Currys oder Suppen gut. Aber dieser Fisch wird euch schmecken. Dort drüben gibt es ein Restaurant, das frisch für euch grillt.“

Alte Handelshäuser mit Holzbalkonen entlang der Corniche, der Hafenpromenade Maskats

Frisch gegrillter Fisch

Nachdem die vier Euro für die zwei Fische bezahlt sind, geleitet der „Führer“ seine zwei Schützlinge in ein nahegelegendes Straßenrestaurant. Er spricht kurz mit dem Koch. „Kommt in einer Stunde wieder, dann ist euer Fisch gegrillt.“ So schnell wie er plötzlich da stand, ist der betagte Mann wieder weg. Der Fisch wird für einen Euro pro Stück mit frischem Gemüse zubereitet und an der Corniche, der Hafenpromenande Maskats, verpeist.

Wanderung durch das Tal Wadi Shab

Wadi Bani Khalid

Freundliche Wegweiser im Nirgendwo

So wie am Fischmarkt ergeht es Fremden im Oman nicht selten: Plötzlich taucht wie aus dem Nichts eine helfende Hand auf, die genauso schnell weg ist wie sie da war. Zum Beispiel, als wir uns im Niemandsland verfahren. Plötzlich kommen zwei Männer wie aus dem Nichts und deuten, ihrem Wagen zu folgen. Ein paar Minuten stehen wir da, wonach wir die ganze Zeit gesucht hatten: Vor dem Wadi As Shab, einer tiefen Schlucht mit Dattelpalmen, uralten Bewässerungswegen und türkisblauen Wasserbecken.

Ohne Blechschaden durch die engen Gassen

In der Küstenstadt Sur steckt unser Auto in einer derart engen Gasse fest, dass wir befürchten, das niemals ohne Blechschaden zu überstehen. Auf einmal steht ein einheimischer Junge, vielleicht 16 Jahre alt, vor uns und fuchtelt wild mit den Händen. Wir verlassen uns auf seine Ortskenntnis und seine Navigierkünste und Minuten später sind wir wieder auf einer breiten Straße. Als wir uns erneut umdrehen um uns zu bedanken, ist der Junge verschwunden.

Wüstenstadt Nizwa

Gute Straßen, wenig Kriminalität

Mit dem Leihauto kommt man im Sultanat am schnellsten und einfachsten herum: Die Straßen sind gut ausgebaut und in manchen Gebieten fast leer. Mietautos sind günstig und Benzin ist, da das Land selbst zu den Öl-fördernden Staaten zählt, unschlagbar billig. Eine 1.000 Kilometer lange Autofahrt kostet weniger als in Europa einen Kleinwagen halb voll zu tanken.

Auch um die Sicherheit muss man sich als Individualtourist wenig Sorgen machen: Kriminalität ist hier angeblich nahezu unbekannt. Das hat seinen Grund: Erstens wurde der durch das Öl erwirtschaftete Reichtum an die Bevölkerung weitergegeben. Zweitens gehört ein großer Teil der Bevölkerung den Ibaditen an, einer moderat konservativen Richtung des Islam.

Weiß getünchte Häuser nahe der Küstenstadt Sur

Großzügiger Sultan, der keine Kritik duldet

Das Land im Osten der Arabischen Halbinsel wird zwar seit mehr als 40 Jahren von Sultan Qaboos in Alleinherrschaft regiert. Der Sultan hat aber viel für sein Volk getan: Er ließ Straßen, Schulen und Spitäler bauen. Einzelne Berufszweige wie zum Beispiel der des Taxifahrers sind Einheimischen vorbehalten. Die meisten Omanis reden in den höchsten Tönen von ihm – sicher nicht nur deshalb, weil Kritik am Staat – so wie in den meisten islamischen Ländern – per Strafe verboten ist.

Sonnenuntergang am Strand von Maskat

“Alle mögen den Sultan”

„Alle mögen den Sultan“, sagt auchAkbar, Anfang 50, Händler im Souk von Muttrah.„Obdachlose erhalten Geld von ihm, Behandlungen im Krankenhaus sind gratis und die Löhne sind in den letzten Jahrzehnten start gestiegen.“ Er holt ein aufgeschlagenes Buch in arabischer Schrift hinter seiner Theke hervor und zeigt auf die Bilder vom Sultan, seinem Vater, dessen Vater usw. Der Aufruhr in der Arabischen Welt in den vergangen Jahren ist fast spurlos am Oman vorbeigegangen, Proteste gab es nur vereinzelt. Sicherlich nicht hinderlich für das hohe Ansehen, das Qaboos genießt: Alle Leistungen des Sozialstaates werden dem Einzelnen als persönliche Gaben des Sultans präsentiert.

Akbar verkauft im Souk von Muttrah traditionelle omanische Khanjars, Krummdolche.

Geschäftiges Treiben im Souk

Der Souk von Muttrah

Vom Massentourismus ist das Land bisher verschont geblieben. Weder in den von Dattelpalmen umsäumten Wadis, den ausgetrockneten Flusstälern, noch an der perfekt ausgebauten Küstenstraße trifft man insgesamt mehr als eine Handvoll Reisender. Einzig durch den Souk von Muttrah strömen bereits an vielen Tagen Kreuzfahrttouristen, um für einige Stunden im 1001-Nacht-Feeling zu schwelgen. Und das stellt sich hier tatsächlich einfacher ein als zum Beispiel zwischen den Hochglanzbauten und gekünstelten Goldmärkten der Arabischen Emirate.

Traditionelle Bäckerei in den engen Gassen Maskats

Jasminduft, der Ruf des Muezzin und das beste Brot der Welt

Am schönsten ist der Souk aber am Abend. Dann sind die Tagestouristen verschwunden, es riecht überall nach Weihrauch und Jasmin. Der Ruf des Muezzin legt sich über die engen Gassen, im Viertel hinter dem Souk duftet es nach frischem Fladenbrot. Wir holen uns eine warme, in Zeitungspapier eingewickelt Flade. Als wir bezahlen wollen, winkt der Bäcker mit einer Handbewegung ab. (Maria Kapeller, kofferpacken.at)