Sie verbirgt sich hinter dickem Nebel, taucht unter im Regen, nur um sich danach in strahlendem Sonnenschein zu präsentieren. Die Golden Gate Bridge.

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Komplett versteckt hinter dichtem Nebel.

Komplett versteckt hinter dichtem Nebel.

Ich sitze im Jeep und folge den Instruktionen des Navis. So ganz kann ich nicht glauben, dass es mich auch an mein Ziel bringt. Eigentlich müsste ich es schon von Weitem sehen. Aber nichts.

Am Ziel angekommen. Wirklich? Ich steige aus dem Auto, ducke mich vor der weißen Gischt, die die Autos am Parkplatz mit Wassertropfen benetzt und gehe in die Richtung, von der ich denke, sie könnte stimmen. Doch auch hier nur Grau in Grau.

Mark Twain sagte einst: “Der kälteste Winter, den ich je erlebt habe, war der Sommer in San Francisco.” Jetzt weiß ich genau wovon er sprach. Ich stehe direkt unter der Golden Gate Bridge und sehe – nichts! Keine rote Säule ist auszumachen, nur die Straße, die in die Brücke mündet ist zu sehen. Ein Nebelhorn eines Schiffes ertönt in unregelmäßigen Abständen. Es ist kalt, es nieselt, der Nebel drückt wie ein schwerer Geist aufs Gemüt. Irgendwo hinter diesem dicken Schleier befindet sich die Golden Gate Bridge. Ein scheuer Star versteckt sich hinter der Witterung.

Der Nebel lichtet sich.

Der Nebel lichtet sich.

Neuer Versuch am Baker Beach

Neuer Tag, neues Glück. Auf zum Baker Beach. Der Baker Beach ist mindestens so kalt wie einsam, und die Strömung ist mindestens so gefährlich, wie die Brücke unsichtbar ist. Obwohl – die Sicht wird besser, der Nebel lichtet sich und ich sehe die starken, roten Stahlranken, die sich wie unendliche Arme in den Nebel recken. Es scheint, als würden sie direkt in den Himmel greifen, es ist kein Ende in Sicht.

Die Golden Gate Bridge in voller Pracht.

Die Golden Gate Bridge in voller Pracht.

Doch das reicht noch nicht. Als ich am Hügel von Sausalito ankomme, schieben sich wie von Zauberhand die Wolken zur Seite, ich habe freie Sicht auf den Star, der sich hier in vollem Glanz der Sonne präsentiert. Das Spiegelbild der Sonne glitzert im Wasser, der Stahl reflektiert die Sonnenstrahlen. Wäre nicht der eisige Wind, der für Mark Twain den kältesten Winter hervorrief. Vielleicht versteckt sich die Golden Gate Bridge deshalb hinter den dicken Nebeldecken. Ein bisschen Wärme kann in San Francisco nicht schaden …

 

Koffer packen und los geht’s:

75. Geburtstag der Golden Gate Bridge

Am 27. Mai 1937 wurde die Golden Gate Bridge in der San Francisco Bay nach vier Jahren Bauzeit eingeweiht. 1.280 Meter erstrecken sich zwischen den Brückenpfeilern der “Red Lady”, deren Farbe eigentlich als “international orange” bezeichnet wird. Bei den Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag im Mai 2012 wurde die Brücke mit einem großem Feuerwerk gefeiert – gleichzeitig wurden auch 1558 Paar Schuhe aufgestellt, als Symbol für die Suizidopfer, die seit 1937 beim Sprung von ihr ums Leben kamen. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)