Ein Hotel hat Judith Böttcher seit Jahren nicht mehr von innen gesehen: Die Pensionistin hält allen Temperaturen stand – in ihrem 18 Jahre alten Campingwagen.

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Wintercampen in Salzburg

An sonnigen Winter- oder Frühlingstagen sitzt Judith Böttcher gerne vor ihrem Wohnmobil und liest.

kofferpacken.at: Wie kommt man auf die Idee, auch im Winter zu campen?

Judith Böttcher: Als wir uns das Wohnmobil vor 18 Jahren bei der Pensionierung meines Lebensgefährten gekauft haben, hatten wir nicht vor, auch im Winter damit zu fahren. Dann haben wir das über Silvester einmal ein paar Tage ausprobiert und gemerkt, wie schön das ist.

kofferpacken.at: Was braucht man als Camper im Winter?

Judith Böttcher: Gas zum Heizen und Warmwasser – zweiteres gibt es aber in den mittlerweile schon sehr komfortablen Sanitäranlagen. Sonst eigentlich nicht viel mehr als im Sommer auch.

Wintercamperin Böttcher

Judith Böttcher: „Wir waren auch schon bei minus 20 Grad campen.“

kofferpacken.at: Wird es Ihnen im Wohnwagen nie zu kalt?

Judith Böttcher: Mein Lebensgefährte hat unseren Camper selbst winterfest gemacht. Er hat eine Heizung und eine doppelte Wand eingezogen, eine Fußbodenheizung gelegt und Thermomatten zwischen Fahrerkabine und Wohnabteil angebracht. Kalt ist uns nie.

kofferpacken.at: Was machen Sie im Winter außerhalb des Wohnwagens?

Judith Böttcher: Wir kommen hauptsächlich zum Schifahren. Wir sind dann zwei bis drei Wochen am Stück unterwegs und bleiben einfach da, wo es uns gefällt. Für Schiausrüstung und nasse Schibekleidung gibt es auf Winter-Campingplätzen Schi- und Trockenräume.

kofferpacken.at: Trotzdem: Wenn es einmal tagelang nur trüb und nebelig ist – wird Ihnen da nicht langweilig?

Judith Böttcher: Nein, dann gehen wir spazieren, ich lese oder stricke. Manche Campingplätze haben einen Wellnessbereich, den wir dann nutzen.

kofferpacken.at: Im Sommer kann man als Camper viel Zeit im Freien verbringen. Im Winter ist es draußen kalt und früher dunkel. Bleibt nur mehr das enge Wohnmobil als Aufenthaltsort. Geht man sich da nicht manchmal gegenseitig auf die Nerven?

Judith Böttcher: Wir sind ein eingespieltes Team. Im Winter ist es zwar ein bisschen eng, aber wir teilen uns einfach ein, wer was zu welchem Zeitpunkt macht. Wir waren auch schon bei minus 20 Grad campen – das war allerdings wirklich etwas eng.

kofferpacken.at: Wie lange sind Sie und Ihr Lebensgefährte am Stück mit dem Camper unterwegs?

Judith Böttcher: Wir sind jeweils ein halbes Jahr lang unterwegs, allerdings aufgeteilt auf einige mehrwöchige Touren. Im Frühjahr sind wir sechs bis acht Wochen auf Tour und zwar in Richtung Süden, nach Kroatien oder Griechenland. Im Herbst fahren wir eher in den Norden, nach Dänemark oder Holland. Auch die Fahrräder und das Surfbrett meines Mannes haben wir immer mit dabei. Wo es schön ist, da bleiben wir. Ich führe jedesmal genau Buch, in den letzten 18 Jahren sind so fast 170.000 Kilometer zusammengekommen.

kofferpacken.at: Was ist das Schöne am Campen?

Judith Böttcher: Bevor wir das Wohnmobil hatten sind wir oft mit dem Flugzeug auf Urlaub geflogen. Irgendwie ist das aber immer das Gleiche und wenn es einem nicht gefällt, ist man sehr unflexibel. Als Camper sind wir ungebunden und frei. Aber: Es rentiert sich nur, wenn man den Wohnwagen auch wirklich oft benutzt.

kofferpacken.at: Was steht bei Ihnen campingmäßig als nächstes auf dem Plan?

Judith Böttcher: Wir überlegen gerade, uns einen neuen Camper zu kaufen – er darf aber nicht zu groß sein, immerhin wollen wir Pässe und enge Straßen damit befahren. (Maria Kapeller, März 2013, kofferpacken.at)

Anmerkung: Wir haben Judith Böttcher auf dem Wellness-Campingplatz Grubhof in Lofer getroffen.