Flugausfälle und Verspätungen – oft weiß man als Reisender nicht, wie man damit umgehen soll. Welche Rechte hat man? Und: Zahlt es sich aus, gegen die Airline vorzugehen? Diese Fragen hat sich die Firma flightright zum Geschäftsmodell gemacht: Sie hilft Kunden dabei, ihre Ansprüche gegenüber Fluggesellschaften durchzusetzen – wenn nötig, bis hin zur Klage. Bekommt der Fluggast eine Entschädigung, erhält das Unternehmen 25 Prozent davon als Honorar.

kofferpacken.at hat den flightright-Mitbegründer und Rechtsexperten Philipp Kadelbach befragt, mit wie viel Geld man rechnen kann und welche Schwarzen Schafe es unter den Airlines gibt.

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Flightright-Mitbegründer Kadelbach

flightright-Mitbegründer und Rechtsexperte Philipp Kadelbach; Quelle: Katja Kuhl

 

kofferpacken.at: Bei welcher Art von Flügen können Sie aufgrund der EU-Fluggastrechteverordnung überhaupt tätig werden?

Philipp Kadelbach: Wir helfen Fluggästen, die Probleme aufgrund von Flugverspätung, -annullierung oder unfreiwilliger Nichtbeförderung hatten. Die Fluggastrechte sind anwendbar auf alle Flüge, die in der EU starten und landen. Für die in der EU landenden Flüge gilt, dass die Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU haben muss.

kofferpacken.at: Was sind die häufigsten Gründe, um Entschädigungen einzufordern?

Philipp Kadelbach: Die meisten Entschädigungsforderungen gehen auf außerordentliche Flugverspätungen zurück. Das heißt, dass der Flieger mindestens drei Stunden Verspätung hatte. Weitere Gründe sind Flugannullierungen sowie unfreiwillige Nichtbeförderung.

kofferpacken.at: Wie hoch sind die Entschädigungssummen durchschnittlich und wovon hängen diese ab?

Philipp Kadelbach: Je nach Flugstrecke staffelt sich der Betrag:Der Fluggast hat Anspruch auf 250 Euro bei einer Distanz von bis zu 1500 Kilometern. 400 Euro für eine Strecke bis zu 3500 Kilometern oder längere Strecken, wenn diese innerhalb der EU liegen. Ihm stehen 600 Euro für eine Strecke größer als 3500 Kilometer zu, wenn diese nicht nur innerhalb der EU liegt.

kofferpacken.at: Viele Kunden wenden sich direkt an Airlines, um ihre Rechte einzufordern. Warum sollte ein Fluggast eine Firma konsultieren, an die er – allerdings nur im Erfolgsfall – eine Provision abgeben muss?

Philipp Kadelbach: Wir übernehmen den gesamten zeitraubenden und für die Einzelperson meistens aussichtlosen Schriftverkehr mit den Fluggesellschaften. Der Kunde trägt mit unserer Beauftragung keinerlei Kostenrisiko. Das ist bei der Beauftragung eines Anwalts anders. Hier werden bereitsfür die Prüfung des Falls Gebühren in Rechnung gestellt.

Flightright verfügt zudem durch tausende erfolgreiche Gerichtsverfahren über eine einmalige Expertise in einem hoch komplexen Rechtsgebiet, die nicht spezialisierte Anwälte nur schwer abbilden können. Auch vertreten wir pro verspätete Maschine in der Regel eine Vielzahl von Fluggästen. So können wir mehr Wissen pro Fall zusammentragen, die Erfolgsaussichten besser einschätzen und Verteidigungslinien der Airlines besser abwehren. Wir haben nicht nur eine eigene Rechtsabteilung, sondern kooperieren mit namhaften Reiserechtsspezialisten europaweit. Zudem verfügen wir über die richtigen Kontakte bei den Fluggesellschaften.

kofferpacken.at: Wie viele Fälle übernehmen Sie pro Jahr? Bei wie vielen davon kommt es zur Entschädigung?

Philipp Kadelbach: flightright hat seit seiner Gründung 2010 bislang rund 300.000 Flugreisenden helfen können.

kofferpacken.at: Im ersten Schritt setzen Sie auf Einforderung der Entschädigung. Sträubt sich die Airline, kommt es zur Klage. Wie häufig ist das der Fall, wie hoch sind hier die Erfolgschancen?

Philipp Kadelbach: Die Erfolgsquote bei den Fällen, die vors Gericht kommen, liegt bei über 95 Prozent. Über 5.000 Klagen waren bereits erfolgreich.

kofferpacken.at: Gibt es Schwarze Schafe unter den Airlines?

Philipp Kadelbach: Die einzelnen Airlines unterscheiden sich in ihrem Verhalten nicht wesentlich voneinander. Die Entschädigungszahlung nicht zu leisten bzw. sogar auch nach Zahlungsaufforderung abzulehnen, ist gang und gäbe. Die drei Airlines mit den meisten Beschwerden, die bei flightright eingehen, sind Air Berlin, Condor und Lufthansa.Dass diese Fluggesellschaften an der Spitze des Rankings stehen, ist selbstverständlich auch darauf zurückzuführen, dass es sich um Airlines mit verhältnismäßig großem Flugaufkommen in unserem Kernmarkt handelt.

kofferpacken.at: Haben Sie auch Kunden aus Österreich? Wie sieht die Situation hier aus?

Philipp Kadelbach: flightright ist bereits für mehrere Tausend österreichische Flugreisende aktiv geworden. Auch in Österreich haben wir Vertragsanwälte, die für unsere Kunden die Klagen übernehmen. Wie in Deutschland beträgt die Verjährungsfrist hier drei Jahre. (Maria Kapeller, kofferpacken.at, Dezember 2013)

 

Flugausfall & Co: Wann hat man Recht auf Entschädigung?

Entschädigungsansprüche können bis zu mehreren Jahren nach geplantem Flugdatum geltend gemacht werden. In Deutschland und Österreich beträgt die Frist drei Jahre.

-Ansprüche können nur dann geltend gemacht werden, wenn die Airline den Reisenden nicht innerhalb von mindestens 14 Tagen vor geplantem Abflugdatum über die Flugänderung informiert hat.

-Der Fluggast selbst muss sich, um später seine Ansprüche durchsetzen zu können, pünktlich am Check-in eingefunden haben.

-Bei Flugverspätung, -annullierung und Nichtbeförderung verpflichtet die Fluggastrechteverordnung die Airlines zu Entschädigungsleistung, wenn diese für die Unregelmäßigkeiten im Flugablauf verantwortlich ist. Dies ist in der Regel bei technischen Defekten der Fall.

-Bei Umständen, auf welche die Airlines keinen Einfluss haben, sind diese zu keiner Zahlung von Entschädigungsleistungen verpflichtet. Beispiele sind Streiks, Schneefall, Eisregen, Aschewolke. Also Wetterbedingungen, die das pünktliche Starten und Landen unmöglich machen.

-Sollte sich aber bei Eisregen beispielsweise der Flug verzögern, weil eine einzelne Fluggesellschaft nicht ausreichend Enteisungsmittel parat hatte, ist die Airline für die Startverzögerung verantwortlich und zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet. (Quelle: flightright)