kofferpacken.at-Autorin Maria Kapeller am Tourismus-Barcamp von 7. bis 8. September 2013 in Kaprun

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Für alle, die es noch nicht wissen – so läuft ein Barcamp ab: Ein Barcamp ist eine Nicht-Konferenz, bei der sich die Teilnehmer in ungezwungener Atmosphäre über einen speziellen Themenkreis austauschen. Zu Beginn werden die Themen als so genannte „Sessions“ festgelegt, gleich darauf kann jeder präsentieren und mitdiskutieren.

Castlecamp für Tourismus & eMarketing 7. & 8. September 2013, Kaprun Das Castle Camp in Kaprun fand heuer bereits zum sechsten Mal statt, die meisten der Teilnehmer kennen sich seit Jahren. Man hat das Gefühl, da findet ein großes Familientreffen statt. Neue Gesichter sind stets willkommen – dazu habe auch ich in diesem Jahr gehört.

Worum ging‘s und wer war dabei? Im Mittelpunkt der Diskussionen standen wie in jedem Jahr die Themen Tourismus und eMarketing. In Kaprun waren hauptsächlich Touristiker und IT-Profis (Suchmaschinenoptimierung, Content Management Systeme etc.) vor Ort. Neben mir außerdem noch einige wenige Reiseblogger.

Meine Session: Reisejournalismus

Ein ungeschriebenes Barcamp-Gesetz lautet: Neulinge vor! Ich habe mich deshalb spontan gemeldet, eine Session zum Thema Reisejournalismus zu leiten. Blöd, wenn man nicht weiß, was einen erwartet. Aber es ist schnell eine rege Diskussion zu Themen entstanden wie:

Was ist guter Reisejournalismus?

Meine Kritik: Jeder redet immer und überall von Content, aber originäre, authentische Berichte über Destinationen scheinen weniger willkommen zu sein als geschönte PR-Texte. Reisende sind mündige Bürger und wollen auch so behandelt werden.

Andere Meinungen: Reiseblogs sind authentisch. Sie helfen dabei, sich über die Basics hinaus über ein Reiseziel zu informieren. Weitere Meinungen gab es kaum, die Diskussion ist schnell vom Thema Inhalte abgedriftet. Die Frage, ob sich Reisejournalisten oder Blogger für ihre Berichterstattung von Touristikern zahlen lassen dürfen, schien interessanter.

Dürfen sich selbständige Online-Reisejournalisten/Blogger von Touristikern finanzieren lassen?

Meine Kritik: Dass Journalisten möglichst unabhängig bleiben sollen, gilt auch für Blogger. Wenn Reisen bezahlt werden, dann soll dies transparent geschehen.

Andere Meinungen:
-Blogger sollen sich für Inhalte bezahlen lassen – immerhin stellen sie Reichweite, relevante Inhalte für die Suchmaschinen und Know-How zur Verfügung.
-Touristiker ärgern sich über Blogger, die sich als freie Blogger ausgeben, aber Bezahlung erwarten.
-Die Professionalisierung der Blogger als Dienstleister steht erst am Anfang.

Wo liegen die Probleme im Reisejournalismus?

Meine Kritik: Journalisten werden immer mehr zu Handlangern von Touristikern. Touristiker machen ihre Sache gut, wenn sie ihre Destination möglichst perfekt repräsentieren. Aber: Der Job von Journalisten ist es nicht, dies unreflektiert zu übernehmen.

Andere Meinungen: Auch Touristiker sehen nicht alles durch die rosarote Brille, können das aber naturgemäß in ihren eigenen Medien, Blogs und Online-Plattformen nicht preisgeben.

Kommunikations-Fachmann Günter Exel moderierte eine weitere Session zum Thema Blogger/Journalisten/Touristiker – hier einige Outputs:

 

Was können Blogger/Online-Journalisten im Tourismus beitragen?

-andere Zielgruppen ansprechen-soziale Netzwerke nutzen-Online-Inhalte bleiben bestehen, Print ist schnell unaktuell – der Wert steigt also mit der Zeit-individuelle Berichterstattung, anderer Zugang

Wie sollen Touristiker passende Blogger/Online-Journalisten auswählen?

-über Netzwerke wie reiseblogger.at oder reiseblogs.org
-Touristiker orientieren sich an Kennzahlen wie Suchmaschinen-Sichtbarkeit oder Internaktionsrate
-Touristiker sind Erfolgsmessung anhand von Kennzahlen gewohnt, Blogger haben aber geringere Reichweite als alteingesessene Medien

Feedback zum CastleCamp2013

-Aus Sicht eines Neulings sind die Barcamper in Kaprun eine alteingesessene Familie, die aber durchaus offen für neue Gesichter ist.

-Es tut richtig gut, wenn der Kopf mal zum Querdenken angeregt wird.

-So ein Austausch kann einem die Augen öffnen, was die eigene Arbeit betrifft (ja, wir werden uns künftig wirklich dem Thema SEO widmen. Echt. Bald.) …

-Andererseits können Themen sicherlich totdiskutiert werden, wenn zu viele Fachleute auf einem Haufen beisammen sind. Marketing, perfekt gestaltete Websites und möglichst viel Komfort für den Gast sind sicher wichtige Gradmesser im Tourismus. Aber: Es gibt auch Reisende, die sich auf kleinere und größere Abenteuer einlassen wollen. Meine schönsten Erlebnisse waren ungeplant, Begegnungen mit Menschen, die kleinen Dinge des Lebens, Nebensächlichkeiten.

-Organisation, Location, Umgang miteinander etc. waren sehr sympathisch – gerade deshalb, weil es auch mal lauter wurde und man sich respektiert, aber nicht mit Samthandschuhen anfasst.

-Wanderschuhe sind bequemer als High Heels, altes Gemäuer inspirierender als schicke Büros.

(Maria Kapeller, September 2013, kofferpacken.at)