Rio de Janeiro. Eine Stadt, die regelmäßig unter den zehn gefährlichsten der Welt genannt wird. Wie man sicher durch Rio kommt, erklärt uns Carolin, die dort ein halbes Jahr verbracht hat.

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Eine Grundregel ist in Rio zu beachten: „Du kannst es haben, aber man darf es nicht sehen.“ Carolin aus Salzburg lebte ein halbes Jahr in der Stadt des Karnevals und konnte einiges von der Lebensart der Brasilianer lernen. „Rio ist nicht die geeignetste Stadt, um zu zeigen was man hat und damit anzugeben“, erklärt die Studentin. Aufgrund der sozialen Probleme und Unterschiede sollte man von Schmuck und teurem Zubehör absehen.

Gefahr in Rio?

Lediglich 394 Meter hoch ist der Zuckerhut, der von der Stadt aus gut zu sehen ist.

Lediglich 394 Meter hoch ist der Zuckerhut, der von der Stadt aus gut zu sehen ist.

„Gefahr ist eine Definitionssache,“ wägt Carolin ab. Überfälle gehören zum Alltag – und man sollte den Tätern geben, was sie verlangen. „Auf diese Weise passiert einem meistens nichts Weiteres. Ziele sind meist Geld, Handy oder Ausweis – aber nicht das Verletzen von Menschen.“ Carolin trug ihr Geld stets am Körper verteilt und führte nur eine Alibi-Geldtasche mit sich, die sie jederzeit hätte abgeben können. „Auf keinen Fall Dokumente im Original mitführen, sondern eine beglaubigte Kopie, die man vor Ort in einem Cartório für ein paar Real machen lassen kann.“

Einer der bekanntesten Stadtteile Rios ist die Copacabana, die auch für ihren langen Sandstrand bekannt ist.

Einer der bekanntesten Stadtteile Rios ist die Copacabana, die auch für ihren langen Sandstrand bekannt ist.

Von den Überfällen sind sowohl Einheimische als auch Touristen betroffen. Unvorsichtiges Verhalten ist oft ein Grund, warum Touristen überfallen werden. „Auf keinen Fall alleine durch einen Tunnel zu Fuß gehen“, rät Carolin. Nur in Gruppen. „Unauffälligkeit ist der Schlüssel – aber das ist oft gar nicht so einfach. Man fällt als Tourist ohnehin schon genug auf, weil man langsam geht und sich überall umschaut“, erzählt die Salzburgerin.

Taxis als Verkehrsmittel in Rio

Das Taxi gilt als sicheres Verkehrsmittel in Rio. Vor allem am Abend und wenn man in eine Gegend möchte, die man nicht kennt. Carolin merkt an, dass man sich außerhalb der Zona Sul – der so genannten Touristenzone – nicht per Bus fortbewegen sollte. Das Bussystem ist nicht einfach verständlich, da die Haltestellen eher „flexibel“ sind. Und: „In den Gebieten außerhalb der Zona Sul kann es auch vorkommen, dass Busse überfallen werden“, weiß Carolin.

Armut und Reichtum als Nachbarn

Carolin erklärt kofferpacken.at, warum die Situation in Rio so angespannt ist: „Arm und reich wohnen hier sehr nahe beieinander und die Regierung ändert nur sehr langsam etwas an dieser Situation. Die Initiativen bestehen, aber sie brauchen viel Zeit, bis sie wirklich anlaufen.“

Rio liegt an der Guanabara-Bucht, von wo aus man auch eine gute Sicht auf den Zuckerhut und den Corcovado mit der Christusstatue hat.

Rio liegt an der Guanabara-Bucht, von wo aus man auch eine gute Sicht auf den Zuckerhut und den Corcovado mit der Christusstatue hat.

Vor allem in den Favelas, den Armenvierteln, ist die Situation angespannt. Man sollte auf keinen Fall auf eigene Faust in eine Favela aufbrechen und auch keinen Bekannten dorthin folgen. Es gibt geführte Touren, die die Lebensumstände dort aufzeigen und die soziale Situation in Rio erklären. Carolin merkt an, dass Rio allgemein keine Stadt für Einzelgänger ist: „Selbst Cariocas, das ist der Name der Bewohner von Rio de Janeiro, schließen sich nicht nur aus Geselligkeitsgründen zu einer Gruppe zusammen, sondern auch der Sicherheit wegen.“

Vorbereitet sein

Man sollte sich vor einer Reise der Umstände klar werden. Denn auch für Touristen können Situationen auftreten, die den Standardreisenden verschrecken können. Carolin nennt Strandspaziergänge am Morgen als Beispiel. „Es sollte einen nicht überraschen, dass viele Menschen am Strand schlafen. Es gibt für sie keine andere Möglichkeit.“ Obdachlose schlafen meist tagsüber, weil sie Angst haben, nachts draußen zu nächtigen. Carolin weist aber auch darauf hin, dass die scheinbar schlafenden Menschen am Straßenrand betrunken sein oder unter Drogeneinfluss stehen können. (Daniela Nowak, kofferpacken.at – Fotos: Adeilton Ferreira)

Carolins Tipps für die persönliche Sicherheit

* Abzocke ist bei Touristen ein Leichtes. In allen Situationen wird den Touristen das Geld abgenommen – von Taxifahrten bis hin zu Straßeneinkäufen. Handeln ist erlaubt.

* Wenn die Polizei eine Person kontrolliert sollte man sich entfernen. Schaulustige sieht man selten, denn man weiß nie, ob die Beteiligten bewaffnet sind und von ihren Waffen Gebrauch machen.

* Keine Wertsachen mitführen, die Tasche als „Alibi“ verwenden und mit einem schweren Gegenstand, beispielsweise einer Wasserflasche, füllen. „So ist der Angreifer zufrieden, denn er hat keine Zeit nach etwas Bestimmtem zu suchen und nimmt einfach die ganze Tasche mit.“ Geld, Kreditkarten, Wertsachen und Handy am Körper tragen.

* Typische Kennzeichen von Angreifern sind nur schwer festzulegen. Eine Kappe dient häufig dazu, das Gesicht bei der Flucht zu verdecken. „Aber das ist natürlich keinesfalls ein verlässliches Merkmal“, meint Carolin.