Schreie von allen Seiten, laute Stimmen, rund um uns Gesichter, die uns überzeugen wollen und Straßen, die wir nicht kennen. Auf der Suche nach einem Taxi am Busbahnhof von Panama City stürzen sich die Taxilenker und Busfahrer auf uns, als wären wir Freiwild.

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Sieben Stunden lang saßen wir in dem klimatisierten Reisebus, der uns von der nördlichen Grenze Panamas in die Hauptstadt Panama City brachte. Müde kämpfen wir uns mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken durch die Menge. Nach ein paar Minuten erreichen wir den Ausgang des gigantischen Busbahnhofes. Eigentlich suchen wir nur nach einem Taxi, doch dieses Unterfangen entpuppt sich als ein waschechtes Abenteuer in der verrückten Hauptstadt von Panama.

Panamas Sprache – wir verstehen nur Spanisch

Graffiti und schräge Designs auf den Bussen.

Graffiti und schräge Designs auf den Bussen.

Kaum treten wir einen Schritt ins Freie laufen Männer auf uns zu, reden auf uns ein, doch es hört sich nur ansatzweise Spanisch an. Der hiesige Dialekt klingt eher nach einer Mischung aus Arabisch und Portugiesisch. Panamas Landessprache ist jedoch eindeutig Spanisch. Wir verstehen kein Wort, Gebrüll rund um uns, Namen uns unbekannter Avenidas und Calles werden uns um die Ohren geschlagen. Der Lärmpegel ist sehr hoch und immer dichter werden die Massen, die in unsere Richtung drängen. Wer sind all diese Menschen und warum schreien sie uns an?

Panama Citys Busfahrer werben um Passagiere

Die Männer, die hier so unhöflich mit uns verwirrten Neuankömmlingen schreien, sind Taxifahrer und Buslenker, und zwischendurch auch Assistenten von Busfahrern. Alle wollen anscheinend, dass wir mit ihnen mitfahren. Woher wollen die wissen, wohin wir wollen? Wissen wir das selbst so genau? Ein Hotel in der Avenida Peru wurde uns am Info-Schalter empfohlen – und da möchten wir auch hin. Stellt sich nur die Frage, wie wir aus dieser Menschentraube unbeschadet rauskommen und welchen der schreienden Männer wir mit unserem Weg beauftragen sollen. Die öffentlichen Busse von Panama City sehen aus wie Monster-Trucks, nur etwas kleiner. In bunten Farben prangen Graffitis und Kunstwerke an den Flanken, rund um die Fenster und auf den klobigen Motorhauben. Und auf einem dieser zuckerlbunten Monster-Trucks steht ein Schild mit „Avenida Peru“.

Gezielt bahnen wir uns einen Weg durch die immer noch schreienden und wild mit den Händen fuchtelnden Männer. „Wir wollen zur Avenida Peru“, erzählen wir dem dicklichen Mann in der Türe. Ein Zahnstocher lugt aus seinem Mundwinkel. „Na, dann einsteigen, Ladies“, meinen wir in undeutlichem Spanisch zu hören und so klettern wir in den besprayten Bus. Mit einigen Münzen in der Hand frage ich den Busfahrer, wie viel Geld er für die Fahrt bekommt. Keine Antwort. Er wippt energisch mit dem Fuß zur lauten Techno-Musik und richtet den überdimensionalen Spiegel, um den eine schwarze Federboa gewickelt ist. Nochmal. „Cuanta costa?“ Wieder keine Antwort. Irgendwann erklärt mir eine Frau auf Englisch, dass die Fahrt innerhalb der Stadtgrenzen 35 Cent kostet und man beim Aussteigen bezahlen soll.

Chaosfahrt durch Panama City

Zwei Plätze in der ersten Reihe sichern uns einen Ausblick der Sonderklasse durch die verzierte Windschutzscheibe unseres bunten Autobusses. Der „Assistent“ mit dem Zahnstocher im Mund bleibt auch bei heulendem Motor in der offenen Türe stehen. Die Musik wird lauter gedreht und über dem Spiegel leuchtet grelles Schwarzlicht hervor. Darüber steht auf Spanisch „Wir lieben dich, Jesus Christus“, gleich daneben eine kleine Discokugel, die im Rhythmus der Fahrt von der Decke baumelt. Nach ein paar Metern folgt eine scharfe Linkskurve, der „Assistent“ lehnt sich weit aus dem Bus hinaus, hält sich nur mit einer Hand an der Stange an der Tür fest und beginnt zu schreien. Avenida soundso, Calle dies und jenes, Plaza auch-schon-mal-gehört und wieder von vorne. Jeder Name der nächsten Stationen wird von den Bus-Assistenten aus dem fahrenden Bus gerufen. Die Menschen am Straßenrand scheinen das Filtern der unterschiedlichen Schreie perfektioniert zu haben und wissen genau, in welches Fahrzeug sie einsteigen müssen.

Die verrückte Hauptstadt Panamas

Mit dem „Discobus“ geht es also quer durch Panama City, eine „ciudad loca“, also eine verrückte Stadt, wie wir später von Einheimischen erfahren. Plötzlich tippt mich jemand von hinten an der Schulter an. Wo wir hin wollen, fragt ein aufmerksamer Panameño, denn hier sei es in der Dunkelheit etwas gefährlich für zwei junge Frauen. Er wollte sichergehen, dass wir wissen, was wir tun. Wissen wir das? Wir sind uns selbst nicht sicher.

Wir machen dem Busfahrer-Assistenten mit Hilfe unserer Spanisch-Kenntnissen und Handzeichen klar, dass wir hier aussteigen möchten, zahlen jeweils 35 Cent und lassen den ganzen Trubel hinter uns. Wir lassen unsere Rucksäcke an unseren Händen auf die Straße hinab gleiten und sehen uns das Schauspiel, das wir gerade von innen erlebt haben, noch von außen an. Laute Musik donnert aus den Fenstern, das Schwarzlicht lässt die Hommage an Jesus leuchten und der Assistent schreit weiter aus der Tür während der Busfahrer bereits zur nächsten Avenida unterwegs ist. Ungläubig blicken wir dem bunten Bus hinterher. Una ciudad loca, eine verrückte Stadt, das ist Panama City für uns bereits nach den ersten Minuten. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)

 

Koffer packen und los geht’s!

Panama City ist die Hauptstadt und gleichzeitig größte Stadt Panamas. Zweitgrößte Stadt ist Colón im Norden des Landes. In beiden Städten ist aufgrund der Kriminalitätsrate Vorsicht geboten. In Panama gilt der Balboa als amtliche Währung. Von dieser Währung gibt es allerdings nur Münzen, als Papiergeld wird der US-Dollar verwendet. Der Kurs ist demnach derselbe wie in den USA.