Diamantenbesetzte Ringe und gefälschte Luxus-Handtaschen. In Hongkong gibt es nichts, was es nicht zu kaufen gibt. Da bleibt wenig Platz für Armut – aber auch die existiert.

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Noch steigt der Geruch der Garküchen in die Nase. Ein Schritt weiter und man findet sich da, wo die Wege immer enden: In einer Shopping Mall, einem Mega-Einkaufszentrum, einem Minimarkt, der Kaufmeile in der Metro-Unterführung, einem Nike-Store der zufällig auch Adidas-Jacken im Sortiment hat oder vor dem Schaufenster eines Luxus-Juweliers, in dem ein einziger Ring 100.000 Euro kostet.

Skyline Hongkong Island

Kommerz-Moloch Hongkong

In Hongkong führen viele Wege ins Shoppingparadies. Oder, etwas negativer ausgedrückt: Die Sonderverwaltungszone ist ein einziger Kommerz-Moloch. Im Touristenviertel Kowloon reihen sich Rolex-Boutiquen an quirlige Straßenmärkte, auf denen von der Drachenfrucht bis zur gefälschten Swatch-Uhr alles feilgeboten wird.

Skyline der Hongkong Island

Drüben – also mit dem Schiff über’s Meer – liegt Hong Kong Island, der gediegene Finanzdistrikt der City. Von der Promenade auf Kowloon wirft einen die Skyline auf der anderen Seite abends fast aus den Socken. Was da gegenüber blinkt und leuchtet ist der Inbegriff von Kommerz: Unzählige Bürotürme mit riesigen Leuchtreklamen. Jeden Abend pünktlich um acht Uhr findet hier ein beliebtes Touristenspektakel statt: Bei der „Symphony of Lights“ wird den Zuschauern eine Lasershow mit Musik geboten – das hört sich allerdings spektakulärer an, als es ist. Es wirkt, als müsste man dieses Sinnbild des Kommerzes immer wieder aufs Neue loben und preisen.

Platzmangel und Käfig-Menschen

Aber bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Hongkong, das bis 1997 Teil der britischen Kronkolonie war, gilt als die liberalste Volkswirtschaft der Welt. Allerdings haben nicht alle die Chance, am Kuchen mitzunaschen: Die unteren sozialen Schichten wohnen auf engstem Raum. Manche werden sogar Käfig- oder Sarg-Menschen genannt, weil sie sich mit extrem wenig Platz und oft ohne Fenster begnügen müssen. Der Mindestlohn wurde gerade auf 30 Hongkong-Dollar angehoben – das sind rund drei Euro pro Stunde. Sozial Schwache müssen also mit wenigen Hundert Euro im Monat auskommen.

Hochhaus in Hongkong Wohnsiedlung in Hongkong

Wohnungspreise explodieren

Haushaltshilfen aus Indonesien und anderen asiatischen Ländern haben wenig Rechte, ein geringes Einkommen, sind aber rund um die Uhr für wohlhabende Familien im Einsatz. Weil zumindest Kost und Logis gestellt werden müssen, schlafen viele auf einer Matte am Boden. Währenddessen verdienen die meist europäischen Expats in den Banken und Bürotürmen um ein Vielfaches mehr und residieren in luxuriösen Appartements. Schon eine eng gehaltene aber schöne und saubere 2,5-Zimmer-Wohnung im Zentrum kann um die 1.500 Euro Miete pro Monat kosten. Das ist aber bei weitem noch nicht so viel wie man für Luxus-Wohnungen auf Hong Kong Island zahlt.Leuchtreklamen in Hongkong

Hongkong ist nicht gleich China

Was auffällt: Hongkong ist nicht gleich China. Und umgekehrt. Sowohl im Gespräch mit Einheimischen als auch beim Lesen der englischsprachigen Medien wird klar: Ist von Hongkong die Rede, geht es um die liberale, europäisch geprägte, reiche Stadt, die den Status einer Autonomieregion hat. Mit „Mainland China“ dagegen ist der Rest Chinas gemeint – der große Bruder, in dem das versmogte und strenge Peking die Regeln vorgibt. Die Demonstrationen, die Hongkong in den letzten Monaten geprägt haben, wären auf dem Festland niemals möglich gewesen. Dort werden Dissidenten und politisch Aktive sogar innerhalb des Landes am Reisen gehindert, wenn ihre Ansichten der Regierung nicht in den Kram passen.

Sauna in Hongkong Love Hotel in Hongkong

Fazit: Konsum ist nicht alles

Kommerz hin oder her – Hongkong ist trotzdem auf jeden Fall eine Reise wert. Wer kann, sollte gleich eine oder zwei Wochen bleiben. Dann kann man das Ganze gemütlicher angehen und muss sich von den Menschenmassen in den Straßen nicht stressen lassen. Auch abseits der Konsumtempel gibt es viel zu erkunden: Straßenmärkte, einsame Strände und Wanderwege außerhalb des Zentrums, Teestuben, Karaokebars, ominöse Sauna-Clubs (allerdings nur für Männer). Zu erwähnen sind auch die unzähligen Dessert-Shops, in denen man nach dem Essen allerlei Süßes kredenzt bekommt.

Wer sich traut und als Paar reist, kann stundenweise ein Love Hotel mieten (Tipp: Hotel Ginza und Hotel Rendezvous in Tsim Sha Tsui). In Honkong ist das nicht anrüchig, sondern gang und gäbe. Schließlich wohnt man meist auf so engem Raum, dass gerade frisch Verliebten ein bisschen Privatsphäre gegönnt wird.

Dessert Shop, Hongkong Dessert Shop in HongkongDim Sum in HonkongNudeln im Cafe de Coral in Hongkong

Koffer packen und los geht’s:

  • Generell wird in Hongkong auf Ordnung und ein gutes Zusammenleben geachtet: Das Verkehrssystem ist top, U-Bahn und Busse sind günstig und funktionieren reibungslos.
  • Essen gehen ist sehr teuer, wer sich aber an Märkte, Teestuben und Dim Sum Buden hält, kommt einigermaßen gut davon.
  • Auch Hotels sind nicht gerade günstig. Bei Backpackern beliebt sind die Chungking Mansions – ein Gebäudekomplex der zig Budgetunterkünfte beherbergt. Tipp: Lieber vorerst nur eine Nacht buchen und zahlen und dann entscheiden, ob man hier wirklich bleiben will.