Farbenfrohe Plakate, Neon-Leuchtreklamen, Blitzlichtgewitter. Ein Wimpernschlag. Und alles, was am Times Square passieren kann, passiert.

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Egal zu welcher Tageszeit, zu welcher Jahreszeit oder zu welcher Phase eines Lebens, der New Yorker Times Square hinterlässt bleibende Eindrücke. Die Mehrzahl macht es hier aus, denn mit einem „Eindruck“ kommt man hier nicht aus.

Mit allen Sinnen

Der "Naked Cowboy" singt tagein, tagaus für die Besucher.

Der „Naked Cowboy“ singt tagein, tagaus für die Besucher.

Den Times Square können wir nicht nur sehen, nicht nur riechen oder schmecken. Wir müssen ihn erleben. Am besten strecken wir die Arme aus und drehen uns im Kreis. Vielleicht versuchen wir alles rund um uns auszublenden. Und trotzdem hören wir die Hupen der Yellow Cabs, und ja, es ist bestimmt ein Yellow Cab, das hier hupt. Die Frage „Do you like stand-up comedy?“ tönt gleich aus unterschiedlichen Richtungen. Wir hören im Sommer das Rattern der Klimaanlagen über unseren Köpfen und spüren den kalten Zug, der aus den Shopping-Tempeln dringt. Wir hören x-fach die Auslöser von Foto- und Videokameras und die gängigen Floskeln „Cheese“ oder „Spaghettiiiii“. Wir hören auch das Rascheln der Einkaufstüten der Touristen und die Typen von TKTS, wie sie den Besuchern den Inhalt der Broadway Shows erklären.

Töne, Gerüche und Eindrücke

Wir sehen kaum New Yorker, denn sie meiden den Times Square, vor allem im Sommer. Wir sehen dafür umso mehr Besucher aus aller Welt, die versuchen, sich wie New Yorker zu verhalten und bei Rot waghalsig über die Straße laufen. Wir hören die Gitarrentöne vom Naked Cowboy, der bereits seit Jahren eine beinahe nackte Karriere mitten am Times Square macht. Mit etwas Glück sehen wir auch eines der Naked Cowgirls. Wir hören laute Rockmusik, die dem Hard Rock Café entweicht und riechen den Duft von Shrimps aus der Bubba Gump Shrimp Company und denken an Forrest Gump und Tom Hanks. Wir sehen überdimensionale M&]Ms über dem zugehörigen Store blinken und über das bunte Treiben am Times Square wachen. Wir sehen auch die großen Reklametürme – einer hinter uns, einer vor uns. Auf einem sehen wir die glänzende Kugel vom vergangenen Silvester, die am Times Square zu Mitternacht alle Augen auf sich richtet. Die Leuchtreklamen bewegen sich schnell und wellenförmig über die Häuser und flimmern in unseren Augenwinkeln.

I HEART NEW YORK

Wir erhaschen immer wieder einen Blick auf die Souvenirstände, die von den Touristen bevölkert werden und die leuchtenden T-Shirts mit „I HEART NEW YORK“ und hören die dazugehörigen Feilschereien zwischen Touristen und pakistanischen Verkäufern. Wir stehen wieder an unserer Ausgangsposition. Das und vieles mehr ist in der Zwischenzeit passiert. Als wir gerade einmal Zeit hatten zu blinzeln.

Knistern in der Luft

Wir hören, wir riechen, wir sehen, wir schmecken vielleicht auch. Aber vor allem fühlen wir auf dem Times Square. Wir fühlen die kosmopolitische Macht von Manhattan geballt an einem Platz im Zentrum der Insel. Eine Art Knistern in der Luft. Und auch wenn der Times Square eher wenig mit dem typischen New York und schon gar nichts mit den typischen USA zu tun hat: Hier findet jeder seine eigene Magie. Im Zeitraum eines Wimpernschlags. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)