Was ist typisch für Barcelona? Carmen Casas, 31, studierte Pädagogin, erzählt wie es sich hier lebt.

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Insidertipps aus Barcelona

Carmen, 31, liebt an Barcelona die Nähe zum Meer.

kofferpacken.at: Wie würdest du Barcelona mit nur drei Wörtern beschreiben?

Carmen: Eine mediterrane Stadt: sonnig, modern (und modernistisch), lebendig!

kofferpacken.at: Was ist für dich typisch Barcelona?

Carmen: Das „Pà amb tomàquet“ ist etwas sehr Typisches. Es ist eine Spezialität, bei der Brot mit Tomaten, Öl und Salz eingerieben wird. Das sind einfache und leckere Zutaten, die man fast in jeder Küche findet. Für mich ist das, gemeinsam mit Marmelade und Omelette, das typischste katalanische Essen – es ist wie hausgemachtes Fast Food und praktisch, um altes Brot zu verwerten.

kofferpacken.at: Tapas Bar oder Restaurant – wo treffen Reisende auf Einheimische?

Carmen: Ich schlage vor, in einer Vermuteria oder einem Celler zu starten. Diese Bars hatten früher keine Küche, also haben sie Konserven und eingelegte Gurken (sehr lecker!) angeboten. Heute ist das zwar nicht mehr so üblich, aber ich liebe es, dort Wermut mit Olive zu trinken und nach einem Sifon zu fragen (Druckbehälter, aus dem man Sodawassser in den Wermut presst; Anm.). Im Viertel Gràcia gibt es zwar viele nette Vermuterias, aber ich empfehle die Bar Calders (c/Parlament, 25). Noch mehr Vermuterias findet man unter www.enocasionesveobares.com.

Um Einheimische zu treffen, kann man außerdem am Montagen ins Teatreneu (c/Terol, 26) gehen, dort treffen sich die Couchsurfer jede Woche. Es geht um 20.30 Uhr los – sie bringen Reisenden auch gerne ein paar Wörter Katalan bei, zum Beispiel „Bon dia“ (Guten Morgen), „Gràcies“ (Danke) oder „Adéu“ (Auf Wiedersehen). Die meisten Katalonier sind sehr stolz auf ihre Kultur!

Wermut-Bar in Barcelona

Carmen mit ihren Freundinnen in einer Wermut-Bar

kofferpacken.at: Barcelona ist für sein fabelhaftes Nachtleben bekannt – wie sieht bei dir eine typische Partynacht aus?

Carmen: Eine tolle Fortgehmeile ist ohne Zweifel die Joaquin Costa in Raval. Dort gibt es Cocktails, Bier, Fast Food und gute Musik. Wer Glück hat und an einem Donnerstag in Barcelona ist, sollte das „Antikaraoke“ in Sala Apolo (c/Nou de la Rambla, 113) probieren.

kofferpacken.at: Und wo wird nach dem Feiern der schnelle Hunger gestillt?

Carmen: Im „Xurreria“ (Carrer de la Marina, 116). Es ist ein fantastischer Ort, um nach einer durchtanzten Nacht im „Razzmatazz“ Churros (spanisches Gebäck; Anm.) mit Schokolade zu essen. Mmmmh … wirklich lecker.

kofferpacken.at: Was ist dein Lieblingsplatz in Barcelona?

Carmen: Kein Ort, sondern ein spezieller Tag: Am 23. April ist „Sant Jordi“ – kein typischer Tag, an dem man feiert, aber in der Stadt sieht es danach aus! Bücher und Rosen nehmen dann das Zentrum ein. Der Tag basiert auf einer Legende: Der Heilige Georg besiegt einen Drachen, dessen Blut sich in eine Rose verwandelt. Die Tradition – und ein bisschen der männliche Chauvinismus – besagen, dass Männer an diesem Tag Rosen verschenken. Frauen bieten am selben Tag Bücher an (am 23. April ist zugleich der Welttag des Buches; Anm.). Es ist ein besonderer Tag für mich!

Blick über Barcelona

Ausblick auf die Stadt vom Carretera de les Aigües.

kofferpacken.at: Was magst du an Barcelona?

Carmen: Es ist großartig, in einer Minute am Strand Barceloneta zu sein, wo man schwimmen, das Meer riechen und Fisch essen kann. Man ist aber auch schnell in den Bergen, in der Serra de Collserola, um zu wandern, den Ausblick auf die Stadt zu genießen, den Vögeln beim Singen zuzuhören und ein Picknick zu machen. Und kulturell endet die Stadt nie! Es wird einem nie langweilig, es gibt immer Konzerte, Theater, Filme etc.

kofferpacken.at: Was gefällt dir am Leben in Barcelona weniger gut?

Carmen: Wir haben nicht viele Grünflächen, Parks oder Gärten im Stadtzentrum, das ist eine Schande! Und oft sind mir die Touristenmassen zu viel, außerdem zieht das Taschendiebe an – man muss hier wirklich aufpassen.

kofferpacken.at: Auch Barcelona befindet sich wie der Rest des Landes, in einer wirtschaftlichen Krise. Wie hat das die Stadt verändert?

Carmen: Barcelona hat eine lange Geschichte sozialer Bewegungen. Die jetzige Rezession hilft dabei, diese Bewegungen wieder gedeihen zu lassen und zu stärken. Vereint und mit Kreativität an die Sache heranzugehen – das ist eine gute Antwort, um der Situation gegenüberzutreten. Es gibt mittlerweile viele alternative Projekte wie Tauschmärkte oder die lokale Währung Eco. (Maria Kapeller, kofferpacken.at, April 2013)

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Kooperation Städte-Serie

Unterkünfte in Barcelona gibt’s bei www.oh-barcelona.com.

Dieser Artikel wurde im Rahmen unserer von Go with Oh unterstützten Städte-Serie „Kurz mal nach …“ verfasst. Dabei berichten wir über europäische Städte, in denen Go with Oh Ferienwohnungen, Gästezimmer und/oder Hotels anbietet.