In Australien läuft vieles anders, als die Bilder in unseren Köpfen es vormachen. Warum Kängurus ziemlich unbeliebt sind plus vier weitere Klischees & Vorurteile – und was dahinter steckt.

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Klischee Nr. 1: Australier lieben ihre Kängurus

Kängurus sind klein, lieb und einfach zum Knutschen? Falsch gedacht! Australien-Urlauber, die Einheimische fragen „Wo kann ich denn jetzt endlich Kängurus sehen?“ bekommen meistens einen tiefen Seufzer als Antwort. Nicht etwa, weil die Frage so abwegig wäre, sondern weil viele Australier von den Viechern ganz einfach genervt sind.

Känguru in Australien

Känguru in einem Hausgarten in Australien

 

Wallaby in Australien

Zutrauliches Wallaby in einem Tiergarten in Australien

Die Tiere werden bis zu 1,60 groß und verirren sich gerne mal in schön gepflegte Hausgärten. „Wenn man Kängurus in die Enge drängt, kann es gefährlich werden“, erzählen Einheimische. Außerdem sind die Kängurus im Straßenverkehr das, was in Österreich die Rehe sind: potenzielle Unfallverursacher. Vor allem in der Nacht müsse man beim Autofahren höllisch aufpassen, um nicht versehentlich ein über die Straße laufendes Känguru anzufahren, hört man. Übrigens: Es gibt rund 50 Känguruarten, die kleineren und leichteren heißen Wallabys – und haben einen eindeutig besseren Ruf.

Klischee Nr. 2: Ganz Australien ist von der Sonne verbrannt

Stimmt nicht! Wenn wir an Australien denken, haben wir oft Bilder vom Outback mit seinen Wüstenlandschaften im Kopf. Aber das ist nur ein Teil des riesigen Kontinents, der zugegebenermaßen der trockenste der Erde ist. Die Sonne birgt viele Gefahren: Von Sonnenbrand, Hitzeschlag und Hautkrebs bis hin zu Waldbränden, vor denen auf großen Hinweistafeln gewarnt wird.

Weinregion in Australien

Weinregion an der Ostküste Australiens

Tatsächlich lässt sich Australien aber in drei Klimazonen einteilen, in denen das Wetter höchst unterschiedlich ist. Das aktuelle Wetter hängt nicht nur von der geografischen Region, sondern auch von der Jahreszeit ab. Bei unserem Roadtrip entlang der Ostküste im Februar 2015 wurden wir nicht nur von Sonnenschein begleitet, sondern auch von dunklen Wolken und viel Regen. Und wir waren überrascht von den vielen grünen Landesteilen – vom Weinbaugebiet über Weideflächen bis zu uralten Wäldern.

Klischee Nr. 3: In Australien wimmelt es von gefährlichen Tieren

Spinnen, Schlangen, Krokodile – wer sich TV-Dokumentationen über Australien anschaut überlegt sich danach meistens zwei Mal, ob er sich diesen Gefahren wirklich aussetzen will. Fakt ist, dass die Einheimischen selbst extrem gelassen mit der gefährlichen Tierwelt umgehen. Die meisten der 20 Millionen Australier leben sowieso in großen Städten, fernab von Dschungel und Wüste. Vorsichtig sind sie aber trotzdem. Zum Beispiel würden sie nie durch hohes Gras gehen, ohne fest auf dem Boden aufzutreten – die Vibration verscheucht Schlangen. Immer wieder kommt es vor, dass sich (giftige) Schlangen in Häuser verirren und von professionellen Schlangenfängern wieder herausgeholt werden müssen.

Erste-Hilfe-Set für Schlangenbisse

Erste-Hilfe-Set für Schlangenbisse

Zur Beruhigung: Die Wahrscheinlichkeit, von einem giftigen Tier gebissen zu werden, ist vergleichsweise gering. Und falls doch einmal etwas passieren sollte: Australien ist hoch entwickelt und sehr gut mit Gegengift ausgestattet. Mittlerweile sterben nur mehr ein bis zwei Menschen pro Jahr an giftigen Schlangenbissen.

Klischee Nr. 4: Haie sind die größte Gefahr im Wasser

Es stimmt, dass es in Australien immer wieder zu Haiangriffen kommt. Im Durchschnitt enden jedes Jahr rund vier davon tödlich, das Thema ist in den australischen Medien stets präsent. Dabei ist aber zu beachten, dass der Kontinent über eine Küstenlänge von knapp 37.000 Kilometern verfügt. Gut besuchte Strände werden von Booten und Hubschraubern aus überwacht. Droht Gefahr, werden die Strände vorübergehend geschlossen. Um Schwimmer und Surfer zu schützen, dürfen in Westaustralien seit 2014 Haie in bestimmten Zonen getötet werden – was unter Einheimischen und Urlaubern aber mitunter für Empörung sorgt.

Surferstrand in Australien

Surferstrand an der australischen Ostküste

 

Quallensaison in Australien

Quallen-Hinweisschild mit Essigbehältern auf den Whitsunday Islands

 

Schutzanzug in der Quallensaison in Australien

Whitsunday Islands: Während der Quallensaison sollte man nur mit Schutzanzug ins Wasser gehen.

Eine viel größere Gefahr im Wasser sind ohnehin giftige Quallen. Besonders während der Quallensaison darf man in manchen Gebieten, etwa rund um die Whitsunday Islands, offiziell nur mit einem Schutzanzug ins Wasser gehen. Pro Jahr sterben auf dem gesamten Kontinent rund 20 Menschen an Quallenbissen – also deutlich mehr als an Haiangriffen. Gefahrenlos im Ozeangewässer baden kann man übrigens in einem der zahlreichen Meerwasserpools direkt an der Küste.

Klischee Nr. 5: Australien ist extrem teuer

Zugegeben, dieses Vorurteil lässt sich nicht so ohne Weiteres widerlegen. Erstens muss man alleine für den langen Flug nach Down Under tief in die Tasche greifen. Zweitens sind die Kosten vor Ort tatsächlich vergleichsweise hoch. Trotzdem: Auch in Australien kann man relativ günstig über die Runden kommen. Wer hauptsächlich in den (oft extrem gut ausgestatteten und gemütlichen) Hotels oder in Airbnb-Unterkünften schläft und selber kocht, schont die Reisekasse schon mal kräftig. Auch Motels und Hütten auf Campingplätzen sind nicht nur komfortabel und gut ausgestattet, sondern bei einer Belegung von drei bis vier Personen mit rund 25 Euro/Person auch gut leistbar.

Airbnbn-Unterkunft in Australien

Bezahlbar: Airbnb-Unterkunft in Melbourne

In vielen Naturparks kann man nicht nur für wenig Geld zelten, sondern auch an öffentlichen Barbecue-Plätzen grillen. Für Inlandsreisen bieten sich Zugpässe, Roadtrips mit Freunden und Flüge mit Billigairlines wie Tigerair oder Jetstar an. Was richtig viel Geld kostet und Sparfüchse vermeiden sollten: Geführte Tages- oder Mehrtagestouren, Einkehr in Bars und Restaurants, Übernachtungen in Hotels.