Heu rechen und melken statt am Strand faulenzen: Freiwilligenarbeit in den Tiroler Bergen – eine etwas andere Art, den Urlaub zu verbringen.

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Es ist eine unchristliche Zeit, zu der bei den Kirchmairs täglich der Wecker läutet: Um halb drei Uhr in der Früh starten die Bauersleute aus Aschau im Zillertal in den Tag. Auf 1.200 Metern Seehöhe werden dann erst einmal die Milchkühe und Schweine im Stall versorgt, um fünf Uhr wird gemeinsam gefrühstückt. Für Alfred gibt’s Wurst, für Anna geht nichts über ihr morgendliches Honigbrot. „Wir stengan mit de Hennen auf und gehen mit de Hennen ins Bett“, sagt Anna.

Almluft schnuppern

Stephanie muss nicht ganz so bald aus den Federn – sie hilft dem Ehepaar schließlich freiwillig auf dem Bergbauernhof aus. Die Studentin kommt aus Deutschland und möchte später Tierärztin werden. Im Sommer war sie schon des Öfteren in den österreichischen Alpen, um Almluft zu schnuppern und ihre Ferien sinnvoll zu verbringen. Die anstrengende Arbeit macht ihr nichts aus. „Ich weiß ja, worauf ich mich einlasse“, sagt sie. „Hier ist es wunderschön und ich wurde herzlich empfangen.“

Bei der Heuernte helfen

Das Konzept „Freiwillig am Bauernhof“ existiert in Tirol seit 2004 als institutionsübergreifendes Projekt, seit 2006 wird es ausschließlich vom Maschinenring Tirol abgewickelt. Ziel ist es, den Bergbauern Unterstützung – hauptsächlich bei der Heuernte, aber auch im Stall oder bei der Kinderbetreuung – zu bieten. Die Freiwilligen-Einsätze werden außerdem als Beitrag gesehen, Verständnis für die Landwirtschaft im Berggebiet zu schaffen und so eine Brücke zwischen Produzenten und Konsumenten zu schlagen. Die Helfer bekommen für ihre Arbeit zwar kein Geld, aber freie Kost und Logis.

Blasen an den Händen

Nachmittags bietet sich auf der Wiese unterhalb des alten Holzhauses ein idyllisches anmutendes Bild: Anna und Stephanie rechen mit einem Holzrechen das Heu zusammen. Alfred, langer Vollbart und Hut, die Pfeife im Mund, sitzt am Heuwender und dreht seine Runden. Aber die Arbeit am Hof ist hart, die ständig gleiche Bewegung mit dem Holzrechen geht in die Arme. Nicht selten hinterlässt das auf den Händen der Freiwilligen Blasen.

Stephanie scheint hart im Nehmen zu sein, sie steht barfuß auf der Wiese und schwingt den Rechen. Bäuerin Anna sorgt sich da gleich um die Gesundheit, „net, dass du dich vakühlst!“, ruft sie. Schließlich ist sie auf die freiwillige Hilfe angewiesen, selbst ist sie nicht mehr gut auf den Beinen und für einen zweiten Knecht fehlt das Geld.

„Man tauscht sich aus“

Auch Günther Unterkircher aus Hochgallmigg freut sich über die freiwillige Hilfe. Sein Bauernhaus ist der letzte und am höchsten gelegene Hof im Ort und steht auf 1.385 Meter Seehöhe. „Uns sind die Freiwilligen vor allem beim Mähen eine wichtige Hilfe“, sagt Unterkircher, „außerdem kommt Abwechslung auf den Hof. Man redet miteinander und tauscht sich aus.“ Für die Helfer sind die zentralen Motive die naturbezogene und körperliche Arbeit und das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen und den eigenen Urlaub mit einer sinnvollen Tätigkeit zu verbringen. Im Durchschnitt blieben die Helfer rund 16 Tage auf den Höfen.

In Aschau im Zillertal ist die Mittagspause gerade vorbei. Obwohl die Bauersleute und ihre Helferin schon lange auf den Beinen sind, geht es wieder auf die Wiese. „Und in de nächsten Toge zoag i dir, wia i kochen tua“, sagt die Bäuerin zu ihrer Helferin. (Maria Kapeller, kofferpacken.at)

 

Koffer packen und los geht’s:

In Tirol vermittelt der Maschinenring freiwillige Helfer an Bauernhöfe und Bergbauernhöfe, die gegen freie Kost und Logis für einige Zeit mitarbeiten können.

Anmeldung unter: www.freiwilligambauernhof.at