Drei einprägsame Begegnungen in der slowenischen Region Bela Krajina. Und die Einsicht: Schere dich nicht darum, was andere denken. Sondern tue, wonach dir ist.

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Beim Reisen geht es doch auch darum, überrascht zu werden. Von sich selbst, von anderen, vom Leben. Vor den Sehenswürdigkeiten der Welt spuckt man vielleicht ein kurzes „Ah“ und „Oh“ aus. Man knipst ein Bild, das schon Millionen andere auf ihrer Kamera haben. Aber nachhaltig in Erinnerung bleiben oft die Begegnungen mit Menschen – abseits der großen Touristenhochburgen. So wie der Besuch bei Mojca Kramaric. Sie ist Bäckerin in Metlika, im Südosten Sloweniens. Und zwar mit Leib und Seele. Das sieht man und das spürt man. Und ein Foto von ihr, das haben wohl nur die Wenigsten.

Einfach mal zufrieden sein

Aber darum geht es ja eigentlich nicht. Also, wer von wem oder was ein Erinnerungsfoto gemacht hat. Es geht um unvorhergesehene Momente. Und darum, von jeder Begegnung etwas zu lernen. Wer ein paar Worte mit Mojca wechselt, der merkt zum Beispiel, dass es zum Glück noch Menschen gibt, die zufrieden sind. Mit dem was sie haben. Nicht mehr und nicht weniger. Bei dem Ganzen Gejammere und Gesudere, dass sich wie ein niemals endender Strudelteig durch Teile unserer Gesellschaft zieht, ist das eine pure Erfrischung.

Pogaca – eine slowenische Brot-Spezialität

Mojca erzählt bei unserem Besuch von ihren Brotbackkünsten. Pogaca – das ist eine slowenische Spezialität. Das Brot mit Salz und Kümmel wird traditionell als Willkommensgruß gereicht und jeder reißt sich ein Stück davon ab. Mojca bäckt auch Kekse, Kuchen und Torten. „Und zwar bis zu 150 Kilogramm schwere“ sagt sie. Dann fällt sie wieder in schallendes Gelächter.

Slowenische Küche Pogaca

Besonders bei Geburtstagen und Junggesellenabschieden sind die Torten ein beliebtes Dessert. Oder manchmal auch der Hauptact: Denn auf Wunsch lässt sich Mojca besonders skurrile Motive einfallen. Stolz zeigt sie Fotos davon her. Dann entblößt sie ihr neues Tattoo. Und führt in die Garage, wo ein Motorrad steht, dass dem Mitglied einer Rockerbande gehören könnte. In all diesen Momenten lacht sie aus vollem Halse.

Bela Krajina, Sloweniens äußerster Südosten

Bela Krajina, die Region, in der die Bäckerei „Domace dobrote Mojca“ beheimatet ist, ist sozusagen der südöstlichste Zipfel Sloweniens. Kurz bevor die hügelige Landschaft in Kroatien übergeht. Berge, Meer oder die Hauptstadt Ljubljana – alles ist in Reichweite. Aber trotzdem so weit weg, dass die Mehrzahl der Slowenien-Besucher die Region links liegen lassen. Ein Fehler – wenn man wissen will, wie das Land abseits der allseits bekannten Höhepunkte ticken. Außerdem eignet sich Bela Krajina für einen praktischen Zwischenstopp auf dem Weg nach Kroatien ans Meer.

Die Region Bela Krajina ist geprägt von hügeligen Landschaften, aus denen farbenfroh bemalte Imkerkisten hervorblitzen. Von Wäldern, in deren Bären und Wölfe Unterschlupf finden. Von smaragdgrünen Flüssen, die so still zu stehen scheinen wie die Zeit. Apfelbäume, Schafherden, gepflegte Vorgärten und ungemähte Wiesen. Auch das ist Bela Krajina. Und: Weinreben.

Besuch bei einem slowenischen Winzer

„Wir liegen hier 250 bis 400 Meter über dem Meeresspiegel“, erklärt Samoel Malnaric, Weinbauer in der Ortschaft Semic. Guter Wein, sagt er weiter, braucht nur zwei Zutaten: Weintrauben von hoher Qualität und das Weglassen von Chemie. „Wein ist Kunst“, spricht er weiter. Und schenkt ein Glas Chardonnay ein.

Die Arbeit am Weinberg ist hart, Samoel hat eine gute Farbe. Dass so ein Familienbetrieb ein 24-Stunden-Job ist, zeigt sich bei der Weinverkostung am Abend, als Samoels Sohn in den Weinkeller rennt und im Pyjama Ninjafiguren nachahmt. Samoel bleibt cool, packt ihn über die Schultern und trägt ihn ins Bett.

Skurriler Besuch in einer alten Schule

Ein einprägsames, aber gleichzeitig auch skurriles Erlebnis ist der Besuch bei Joze Matekovic. Der Junggeselle lebt im höchsten Dorf der Region Bela Kranjia, in Radovica. Das an sich wäre ja noch nicht schräg. Obwohl, so erzählt man sich, die rund 100 Einwohner des Dorfes seien schon irgendwie immer ein bisschen anders gewesen. Aber Joze sticht besonders hervor.

Schulmuseum in Radowica Slowenien

Er besitzt gleich mehrere Häuser. Eines davon ist eine alte Schule, aus dem Jahre 1957. An manchen Tagen verkleidet sich Joze als Lehrer, nimmt einen Stock in die Hand und führt seinen Gästen ein skurriles Schauspiel vor. Die Besucher sollen dabei spielerisch lernen, wie streng damals unterrichtet wurde. Lachtränen in den Augen sind garantiert.

Das eigene Haus zum Museum gemacht

Außerdem betreibt Joze ein historisches Museum. Das Bett im Schlafgemach ist 200 Jahre alt und im Wohnzimmer steht ein 150 Jahre altes Klavier. Nach der Führung durch die zwei kleinen Zimmer offenbart Joze, dass er eigentlich selber darin wohnt. Wer das Museum sehen will, muss ihn also vorher anrufen, damit er noch schnell aufräumen und die Tuchent am Bett schön glatt streifen kann. „Die Leute glauben, dass ist ein bisschen verrückt, aber ich lebe gerne so“, sagt Joze.

Ja, so ist das in Bela Krajina. Zuerst sieht man nur die Maisfelder, die üppigen Gärten und die Weinhügel. Dann trifft man unverhofft auf Menschen, die so viel Charakter haben, dass man jedes Mal schmunzeln muss, wenn man sich zurückerinnert. Und die einem durch die Blume sagen: Tue das, was dich glücklich macht, egal was andere denken. Nur dann wirst du zufrieden sein.

Infos zu den besuchten Orten:

  • Bäckerei „Domace dobrote Mojca“: Wer vorab kurz anruft, kann die sympathische Bäckerin besuchen und vor Ort Brot, Kekse und Kuchen kaufen. Tel. +386/(0)7/30 60 063. www.domacedobrote.si
  • Im Weingut „Malnaric“ von Simon kann man Weindegustationen buchen und Wein ab Hof kaufen: www.malnaric.si – Tel. info@malnaric.si
  • Wer Jozes Schule & Museum besuchen möchte, bucht am besten auch vorab einen Termin: www.bistrabuca.si

Offenlegung:
Wir waren auf Einladung von „Big Berry“, einem Glamping-Projekt, drei Tage lang in der Region Bela Krajina, Slowenien, unterwegs.