Arbeit gegen Unterkunft und Verpflegung. Das ist das Prinzip von Workaway. kofferpacken.at hat es zwei Wochen lang ausprobiert. Erfahrungen und Tipps aus erster Hand.

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Schon komisch, wenn man zu einer völlig unbekannten Person ins Auto steigt. Mit dem Wissen, dass man die nächsten Wochen gemeinsam verbringen wird. Diesmal hat es mich über die Online-Plattform Workaway nach Portugal verschlagen. Im Auto wartet Mieke auf mich, die im Landesinneren einen Campingplatz betreibt.

Camper am Campingplatz Toca do Raposa

Das Konzept von Workaway: Reisende können ihre Arbeitskraft gegen Kost und Logis eintauschen. Konkret heißt das: Man hilft einer Familie, einem kleinen Unternehmen oder einem Tourismusbetrieb in einem Land nach Wahl ohne Bezahlung aus und bekommt dafür Unterkunft und Verpflegung gestellt. Meistens sind es Fünf-Tage-Wochen mit vier bis fünf Stunden Arbeit pro Tag.

Workaway: von Weingut bis Kloster

Ein kurzer Blick auf die Angebote auf der Website der Organisation zeigt, welche Projekte aktuell Unterstützung suchen. Vom Weingut in Spanien über die Paradiesapfel-Farm in Israel bis zum Schafhirten in Österreich ist alles mögliche dabei. Oder wie wäre es, eine Farm in Norwegen zu renovieren? In einem buddhistischen Kloster in Birma (Myanmar) mitzuhelfen? Oder in der Karibik segeln zu lernen? Manche Familien suchen auch einfach nur jemanden, der mit ihnen Deutsch oder Englisch übt.

 Campingplatz Toca do Raposa

Ich bin also im portugiesischen Niemandsland gelandet. Drei Stunden nordwestlich von Lissabon spuckt mich der Bus in einem Städtchen namens Olivera do Hospital aus. Mieke holt mich mit ihrem in die Jahre gekommenen, dunkelroten Kombi ab. Sie stammt eigentlich aus Belgien, lebt aber seit mehr als 20 Jahren in Portugal. Zwischen Olivenhainen, Wiesen und Wäldern betreibt sie den Campingplatz „Toca da Raposa“.

Pool am Campingplatz Toca do Raposa

Am ersten Wochenende werde ich noch verschont, abends essen wir gemeinsam und trinken Portwein. Auch in den darauffolgenden zwei Wochen sind die Aufgaben gut zu bewältigen: Unkraut zupfen, den Pool sauber halten, Kartoffeln schälen, ab und zu Gäste bedienen.

Putzen gehört auch dazu

Die Saison hat erst begonnen und wir putzen in die Jahre gekommene Camper und schleppen Tische und Stühle in der Gegend herum. Die Arbeit macht mir Spaß, es tut gut, mal nicht stundenlang am Computer zu sitzen. Wenn Zeit bleibt, arbeite ich an einem Infoblatt mit Tipps über die Region für Touristen.

Workaway in Portugal

In meiner Freizeit erledige ich das Nötigste am Laptop oder spaziere durch die Umgebung. Es riecht nach Pinien, uralte Olivenbäume tragen klitzekleine schneeweiße Blüten und wilder Lavendel wächst in groben Büscheln an jeder Ecke. Ich pflücke Blumensträuße, entdecke wild wachsende Kamille.

Die Umgebung auf sich wirken lassen

In den Dörfern der Umgebung räkeln sich Orangen- und Zitronenbäume entlang der Hausmauern. Einmal presse ich frischen Orangensaft mit Orangen aus dem Garten, ein anderes Mal backe ich Kirschkuchen für meine neu gewonnenen Freunde.

Wilder Lavendel beim Workaway in Portugal

Blumenstrauß beim Workaway in Europa

Sonnenuntergang Workaway

Die zwei Wochen vergehen schnell. Mieke, ihre Köchin Aimee aus England und ich gewöhnen uns rasch aneinander. Mir zeigt das wieder einmal: Überall auf dieser Welt gibt es Orte, an denen man herzlich empfangen wird. Und Menschen, mit denen man sich von Anfang an versteht. Das Leben scheint austauschbar. Über Plattformen wie Workaway kann man kurzerhand in ein neues, gänzlich anderes Leben schlüpfen. Eine wertvolle Erfahrung.

Was ich bei Workaway gelernt habe

  • Dass es gut tut, aus der eigenen Komfortzone auszutreten und sich auf eine neue, unbekannte Erfahrung einzulassen.
  • Dass es Spaß macht, den ganzen Tag im Freien zu sein und die Natur mit allen Sinnen zu genießen.
  • Körperliche Arbeit ist man als Büromensch überhaupt nicht mehr gewohnt, sie schadet aber nicht.
  • Von Mieke habe ich gelernt, dass man sich im Leben niemals unterkriegen lassen und stets nach vorne blicken soll.
  • Aimee aus England hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, für Träume zu kämpfen.

Interessiert? Tipps für Workaway-Anfänger

  • Workaway ist eine Plattform, über die man Arbeitsaufenthalte in vielen Ländern der Welt suchen kann. Um eines der Projekte anzuschreiben, muss man sich gegen eine Jahresgebühr von 23 Euro registrieren.
  • Wer bewusst in eine fremde Kultur eintauchen möchte (Sprache, Essen etc.), sollte darauf achten, bei Einheimischen unterzukommen. Viele der Workaway-Hosts sind selber Auswanderer.
  • Bei Workaway können aus Fremden schnell Freunde werden. Natürlich achtet man dann nicht immer genau darauf, wie viel Zeit man eigentlich mit Arbeit beziehungsweise Freizeit verbringt. Wichtig ist, dass die Hosts sich an die Vereinbarungen halten und man auch selber ein Auge darauf hat.