Auch in Verona, der Stadt der Liebe, gibt es Gewalt gegen Frauen. Um Geld für deren Schutz aufzutreiben, werden im Frauenhaus auch Zimmer an zahlende Touristinnen vermietet.

****

Verona, das ist die Stadt der ewigen Liebe: Schauplatz von Romeo und Julia, romantische Gassen, überall sieht man verliebte Pärchen, Hand in Hand. Bei all dem Liebesgesülze und den überteuerten Kühlschrank-Magneten in Herzform denkt man an eines am allerwenigsten: Dass es auch hier Frauen gibt, deren Lebensrealität weit entfernt ist von romantischer Liebe, Familienglück und relativem Wohlstand.

Zum Beispiel, weil in der Partnerschaft Gewalt gegen sie angewendet wurde. Weil sie weit von zu Hause auf einen positiven Asylbescheid warten. Oder weil sie so wenig verdienen, dass sie sich keine Wohnung leisten können. Eines haben all diese Frauen gemeinsam: Sie haben weder Geld noch ein ausreichend starkes soziales Netz, um Unterstützung bei der Familie oder bei Freunden zu erhalten.

Der Verein „Protezione della Giovanne“ nimmt sich dieser Frauen an. Er ist Teil der weltweiten katholischen Bewegung „A.C.I.S.J.F“. Alleinstehende Frauen und alleinerziehende Mütter erhalten vorübergehend eine Unterkunft sowie moralische Unterstützung von der Non-Profit-Organisation. Wie lange die Frauen hier wohnen können, wird individuell entschieden. „Manche bleiben nur zwei Wochen, andere bis zu fünf Jahre“, erzählt eine Mitarbeiterin.

Protezione della Giovanne, Verona

Betten für reisende Frauen

Um Geld für den Verein aufzutreiben, ist das Frauenhaus gleichzeitig ein Hostel. Für allein reisende Frauen oder Frauen in Gruppen. Männer sind hier nicht erlaubt. Das hat seinen Grund: Die Frauen sollen hier unter sich bleiben und sich in Sicherheit wiegen können.

Seitengasse beim Hostel Hostel Protezione della Giovanne, Verona

Sicherheit geht vor

Das Hostel liegt in einer ruhigen Gasse in der Altstadt von Verona, aber abseits des Trubels. Von außen sieht es unscheinbar aus, kein großes Schild, das auf eine Unterkunft schließen lassen würde. An den Türen weisen selbst beschriftete Zettel darauf hin, sie gut zu schließen. Aus Sicherheitsgründen wird das große Eingangstor jeden Tag ab 23 Uhr zugesperrt.

Hostel Protezione della Giovanne, Verona

Kein Luxus, aber etwas Sinnvolles

Das Haus hat insgesamt rund 50 Betten. Neben den Zimmern für die Schutz suchenden Frauen sind rund zehn Betten in einem Schlafraum für Reisende reserviert. Luxus erwartet einen hier nicht: Ein Bett, eine Nachttischlampe, frische Leintücher, die man selber überzieht. Es ist ein beklemmendes Gefühl, an so einem Ort zu übernachten. Gleichzeitig auch ein gutes, immerhin ist das Geld gut investiert.

In der Gemeinschaftsküche und ihm Wohnzimmer können die Bewohnerinnen mit den Reisenden in Kontakt kommen. „Das ist sogar gewünscht und wird auch praktiziert“, sagt die Mitarbeiterin, „zu Ostern und zu Weihnachten veranstalten wir sogar gemeinsame Essen.“

 

Koffer packen und los geht’s:

  • Information & Buchung: www.protezionedellagiovani.it
  • Kosten: rund 22 Euro/Person/Nacht, ohne Frühstück
  • Auch die lokalen Organisationen in anderen italienischen Städten betreiben Hostels, zum Beispiel in Venedig, Trento, Rom oder Neapel.