Die Sarner Tracht gerät langsam in Vergessenheit. Maria und Johann haben ihr ganzes Leben hier verbracht. Und wollen nicht, dass ihr liebstes Kleidungsstück einfach verschwindet.

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Als Maria 1975 ihren Johann heiratete, war für sie klar: „Ich ziehe die traditionelle Tiachltracht aus dem Sarntal an.“ Die Sarner Tracht für Frauen ist bunt und reich an Details, mit handbesticktem Mieder und Seidenschürzen. Schon für Marias Mutter und Großmutter kam bei der Hochzeit nichts anderes in Frage.

Traditionen bewahren

Südtiroler TrachtenpaarMehr als 40 Jahre später trägt das Paar wieder einmal – wie so oft – die vertraute Tracht. Diesmal, um für uns vor die Kamera zu treten. Ein bisschen unwohl fühlen sie sich schon dabei. Aber die Sarntaler sind gestandene Leute und wenig gschamig. Außerdem haben Maria und Johann ganz klare Vorstellungen: Sie wollen die alten Traditionen bewahren und sie für die heutige Generation greifbar machen. Deshalb engagieren sie sich ehrenamtlich in einem Verein und erzählen bereitwillig von früheren Zeiten. Und obwohl mehrere Jahrzehnte zwischen uns liegen, ist spürbar: Im Leben geht es darum, das, was man liebt, zu erhalten. Das gilt wohl für alle Generationen gleich.

Die Tracht als Teil des Alltags

Maria und Johann sind im Sarntal aufgewachsen. Zu einer Zeit, als die Gegend im Winter von der Außenwelt abgeschnitten war. Und man, um etwas zu lernen, im Internat bleiben musste. Sie haben gesehen, wie Straßen gebaut und Fabriken eröffnet wurden. Wie sich das Tal veränderte und die jungen Leute zum Studieren nach Bozen, Innsbruck oder München gingen. Wie immer weniger Kinder zur Erstkommunion in Tracht erschienen – heute meist nur mehr die Buben. Und immer weniger Hochzeitspaare traditionell angezogen waren. Und wenn eine Frau das ganze Jahr über die schwarze Tracht trug, dann trauerten sie mit ihr. Die Tracht war schon immer Teil des Alltags, und wer hier geboren war, kannte jede einzelne Bedeutung.

Die Tracht als Verkaufsschlager?

Jedes der farbenfroh bestickten Tücher ist ein Unikat. Und nur mehr wenige Frauen können heute überhaupt noch die Tracht nähen. Das trifft sich eigentlich gut: etwas in Vergessenheit Geratenes, etwas Besonderes, etwas Handgemachtes. Die besten Voraussetzungen dafür, um geschickte Designer auf den Plan zu rufen, die Werbetrommel zu rühren und die Sarner Tracht in die Boutiquen der Welt auszuliefern.

Nie und nimmer.

Aber, falsch gedacht. Etwas, das einem am Herzen liegt, kann man wohl kaum bewahren, indem man es zur reinen Ware verkommen lässt. Maria und Johann wollen nicht, dass ihre Tracht als Touristen-Souvenir oder Laufsteg-Trend endet. Sie wollen nur eines: Dass sie in ihrer eigenen Heimat, im Sarntal, niemals in Vergessenheit gerät.

 

Koffer packen uns los geht’s:

Das Rohrerhaus: Maria und Johann engagieren sich in einem Verein, der das Rohrerhaus zu neuem Leben erweckt hat. Das traditionelle, mehr als 700 Jahre alte Haus, war eines der ersten Bauernhöfe im Sarntal. Heute ist es ein lebendiges Museum mit dauerhaftem Trachtenraum und vorübergehenden Ausstellungen. Bei Führungen kann man außerdem das Bauerngartl, den Freiluft-Brotbackofen, die alte Rauchkuchl, die Milchkammer, das Schlafgemach und die Stube besichtigen.

Südtiroler SpezialitätenBäuerliches Catering: Nicht nur die Sarntaler Tracht, sondern auch die lokale Küche wollen die Einheimischen wiederbeleben. „Unsere Idee ist es, den Menschen die Produkte vom Hof näherzubringen und die traditionelle Kochweise zu erhalten“, erzählt Bäuerin Rita. Sie gehört zur Caterin-Truppe von „Ollerhand Selbergmochts“, die auf Bestellung einfache bäuerliche Gerichte aus dem Sarntal zubereiten: Striezl mit Speck und Kartoffeln, Nocken mit Krautsalat oder süße, mit Marmelade gefüllte Krapfen.

Offenlegung:
Die Recherche wurde von Booking Südtirol unterstützt. Dabei handelt es sich um eine regionale Buchungsplattform, die eine Alternative zu internationalen Hotel-Buchungskonzernen bieten möchte.