In Polen finden Alicia und Oscar, was ihnen ihre Heimat Spanien nicht bieten kann: Arbeit und Stabilität. Damit sind sie nicht alleine – immer mehr Spanier bewerben sich in Polen für Jobs.

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 Ein Küchentisch im Norden Polens. Der schmale Raum ist mit Leben erfüllt. Alicia und Oscar sind Spanier. Sie reden laut, schnell und lachen viel. Was die beiden verbindet: Sie haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um in Polen ihr Glück zu suchen.

Nichtmal Putzjobs

Alicia, 28, kommt aus Teneriffa. Dort hat sie stets gearbeitet und nebenbei studiert oder Kurse gemacht. Irgendwann waren keine Jobs mehr da; nicht mal Putzjobs. Über ein Freiwilligenprogramm kam sie nach Polen. Jetzt arbeitet sie für ein Taschengeld in einem Tageszentrum für Menschen mit Beeinträchtigung. „Hier hat mein Leben ein bisschen Stabilität. Ich bin glücklich.“

Fixes Jobangebot in Polen

Auch Oscar, 30, aus Madrid, sieht in Polen eine Chance. Nach mehreren Jahren im Berufsleben entschied er mit Mitte 20, seinem Leben eine andere Richtung zu geben. Er studierte in Spanien Sozialarbeit. Dann kam die Krise und er konnte nie Fuß in seinem neuen Job fassen. Als Freiwilliger in Polen bewährte er sich und bekam eine fixe Anstellung angeboten. Also Polen. Und dann? „Wenn ich das Gefühl habe gehen zu müssen, werde ich gehen.“

Jetzt ist es still im Raum. „Das mit der ‚Verlorenen Generation‘ in Spanien stimmt“, sagt Alicia. Junge Menschen hätten keine Chance auf die Erfüllung, nach der sie sich sehnten. „Ich kenne keine Familie, in der jeder einen Job hat“, erzählt sie weiter, „obwohl wir alle eine gute Ausbildung haben.“

In Spanien waren Ende 2013 fast 27 Prozent der Einwohner ohne Job. Bei den unter 25-Jährigen mehr als die Hälfte. Wer der Arbeitslosigkeit entkommen will, studiert weiter oder geht ins Ausland.

Der Traum vom eigenen Haus: ausgeträumt

Also Polen. Oscar bringt die Situation vieler junger Spanier, die in andere Länder ausweichen, auf den Punkt. „Im Ausland zu leben ist großartig – wenn man das möchte. Aber nicht, wenn man einfach keine andere Möglichkeit hat.“ Klar, als Spanier könne man auch trotz der Wirtschaftskrise Karriere machen und sich eine Zukunft aufbauen. „Aber eben nicht in Spanien.“ Der Traum vom bürgerlichen Leben im eigenen Reihenhaus sei ausgeträumt; die Kredite unbezahlbar.

Ihre Familien sehen die beiden zurzeit so gut wie gar nicht. Trotzdem fühlen sie sich bereichert. Denn durch das Europäische Freiwilligenprogramm haben sie viele Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen kennengelernt.

Andere Dinge, die im Leben wirklich glücklich machen

Also Polen. Und was dann? Alicia bewirbt sich für Au-Pair-Jobs – überall, nur nicht in Spanien. Am meisten wünscht sie sich, nach Irland zu gehen.

Oscar setzt sich keine Ziele. Er möchte in seinem Job als Sozialarbeiter Fuß fassen. Egal wo. „Ich kann noch viel mehr geben, als ich es jetzt tue.“ Er sehnt sich nach geistiger Herausforderung. Danach, etwas zu bewegen. Was er sich noch wünscht? Vielleicht eine bessere Wohnung. „Aber es sind andere Dinge, die im Leben wirklich glücklich machen.“ (Maria Kapeller, März 2013, kofferpacken.at)