Portugal. Sonne, Meer und Strand. Der erste Gedanke fällt nicht unbedingt auf’s Wandern. Aber genau das kann man dort. Sehr gut sogar. Und mit – eben – Sonne, Meer, Strand und der rauen Küste als immerwährende Begleiter.

Die Rota Vicentina ist einer der spektakulärsten Weitwanderwege Europas. Das Netz von insgesamt 400 Kilometern Wanderwegen ist in verschiedene Wandertouren aufgeteilt: den Historischen Pfad, den Fischerpfad sowie mehrere Rundwege.

Das Besondere: Die Region Alentejo, durch die die Wanderwege führen, ist bei ausländischen Touristen wenig bekannt. Die Portugiesen lieben sie wegen der frischen Meersfrüchte, des Rotweins und des Olivenöls. Und weil die Küste größtenteils unverbaut und naturbelassen ist.

Der gesamte Weitwanderweg Rota Vicentina ist Teil des Naturparks Sudoeste-Alentejo e Costa Vicentina. Der Fischerpfad ist knapp 80 Kilometer lang und führt entlang von schroffen Felsen und wildromantischen Stränden.

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Der erste Schritt ist etwas Besonderes. In ihm stecken Vorfreude, Neugierde, Zutrauen – aber auch Selbstzweifel. Was, wenn der Rucksack zu schwer ist? Die Blasen an den Füßen zu arg? Die Strecke zu weit? Geübte Weitwanderer wie der Oberösterreicher Martin Moser können darüber wahrscheinlich nur lachen. Aber wer nicht ständig Hunderte von Kilometern auf Schusters Rappen unterwegs ist, für den sind schon 15 Kilometer am Tag eine Herausforderung. Wohl bemerkt: eine sehr, sehr sehr schöne Herausforderung.

Rota Vicentina Fischermens Trail

Wandern entlang Portugals Küste

Ein Kraftakt: Wandern entlang der Küste in Portugal

Man schwitzt, man flucht. Man genießt und jubiliert innerlich. Man geht. Man setzt Fuß vor Fuß. Man wandert, man wandelt. Aber all die Mühen verblassen, wenn man zurückdenkt an die atemberaubenden Aussichten. Die steilen Felsklippen. Die sandigen Pfade, auf denen jeder Schritt ein kleiner Kraftakt ist.

Die Weite von Portugals Küstenlandschaft. Die winzigen Blümchen, die vom Wind gepeitscht sind. Das Rauschen des Atlantiks. Die glühende Sonne, der befreiende Wind. Der Tag, an dem man durch ein einziges Meer aus Nebel und Sprühregen wanderte. Die Schlange am Wegesrand. Oder das heiß ersehnte Eis, das man sich bei eine schattigen Mittagsrast gönnt.

Herrliche Ausblicke auf Strand und Meer beim Küstenwandern in Portugal

Wandern an Portugals schroffer Küste

Nebel am Weitwanderweg Rota Vicentina entlang Portugals Westküste

Die Dagebliebenen unterstützen

Man wandert durch einen sehr ursprünglichen Teil Portugals, denn die Region Alentejo ist landwirtschaftlich geprägt. Quasi das Gegenstück zur massentouristisch genutzten Algarve. Im Alentejo wachsen uralte Korkbäume, weite Felder ziehen sich durch das Landesinnere, kleine Fischerdörfer zieren die größtenteils unverbaute Küste. Traditionell ziehen die Jungen weg, nach Lissabon oder ins Ausland. Daheim gibt es nicht viele Jobs.

Blick auf Odexeice in Portugal

Haus im typischen Stil der Region Alentejo

Dorf Odexeice an der Rota Vicentina in Portugal

Beim Wandern auf der Rota Vicentina unterstützt man die, die da geblieben sind. Die kleinen Greißler, die Wirte, die Betreiber der privaten Pensionen. In den einfachen Tabernas kommen frischer Fisch, Meeresfrüchte oder Wildschweinbraten auf den Tisch.

Große Hotels oder gar Luxushäuser gibt es nicht.  Aber das braucht es auch nicht. Als Wanderer ist man den ganzen Tag in der Natur. Abends sehnt man sich nach dem Luxus des Einfachen: ein frisch überzogenes Bett, ein Glas Wein, eine Mahlzeit. Nicht mehr. Vielleicht sogar weniger.

Pure Freude und die Sehnsucht nach mehr Weitwandern

Nach vier Tagen naht das Ende. Natürlich hat man sich im Nachhinein zu viele Gedanken gemacht. Natürlich war der Rucksack schwer. Sehr schwer. Aber man hat es gepackt. Natürlich haben sich gleich am ersten Tag Blasen an den Füße aufgetan. Aber mit Blasenpflastern kein Problem. Und klar, jeden Tag zig Kilometer zurückzulegen, ist kein Kinderspiel. Naja, zumindest nicht mit einem mehr als zehn Kilo schweren Rucksack auf dem Rücken.

Wandern entlang Portugals Stränden

Der letzteSchritt. Er müsste eigentlich prall gefüllt sein mit purer Freude. Mit Erleichterung und Selbstbewusstsein. Ja, so ist das auch. Aber der größte Teil davon ist Wehmut. Dass die Zweisamkeit mit der Natur schon vorbei ist, das In-Sich-Gehen. Hätte man doch bloß noch mehr Zeit, noch mehr Weg. Noch mehr Küste. Noch mehr Portugal. Noch mehr Weitwandern.

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Koffer packen und los geht’s:

Hinkommen
Nach Lissabon oder Faro (näher) und weiter mit dem Bus nach Sines. Von dort aus los starten oder mit dem Lokalbus bzw. Taxi (ca. 15 Euro) weiter nach Porto Covo, dem offiziellen Ausgangspunkt des „Fishermens Trail“. Im Sommer und Herbst gibt es direkte Busse von Lissabon nach Porto Covo. Bustickets für Portugal kann man online über Rede Expressos kaufen.

Route
Die Rota Vicentina liegt in der portugiesischen Region Alentejo und reicht bis in die westliche Algarve. Wir haben uns für den knapp 80 Kilometer langen „Fishermens Trail“ (Fischerpfad) entschieden, die ehemalige Fischerroute direkt entlang der Küste. Nach insgesamt 75 Kilometern in vier Tagesetappen (rund 16 bis 22 Kilometer pro Tag) haben wir noch einen Tag angehängt und sind bis an die westliche Algarve, nach Aljezur, gewandert. Die genaue Strecke:

Porto Covo – Vila Nova de Milfontes (20 km)
Vila Nova de Milfontes – Almograve (15 km)
Almograve – Zambujeira do Mar (22 km)
Zambujeira do Mar – Odexeice (18 km)
extra: Odexeice – Aljezur (18 km)

Kondition
Normale Kondition reicht. Aber der Fishermans Trail führt zum großen Teil entlang sandiger Pfade – das kostet Energie. Hinzu kommt ein großer Rucksack mit viel Wasser und dem Nötigsten. Wer nicht anders kann oder will, lässt sich den Rucksack von Unterkunft zu Unterkunft transportieren.

Beste Reisezeit
Für die gesamte Rota Vicentina von September bis Juni. Für den Fischerpfad von November bis Juni, da es ansonsten sehr heiß werden kann. Wir haben den Weg Ende Juni absolviert. Die Temperaturen waren hoch aber erträglich, da an der Küste ein ständiges Lüftchen weht. Am besten gleich früh morgens los marschieren.

Mitnehmen & Verpflegung
Es gelten die üblichen Empfehlungen für Weitwanderer: Gutes, festes Schuhwerk, Sonnencreme, Sonnenbrille, Kopfbedeckung, ausreichend Verpflegung und Wasser mitnehmen. Auf den einzelnen Tagesetappen gibt es manchmal keine, manchmal nur beschränkte Einkaufsmöglichkeiten.

Übernachten
Preiswerte Pilgerherbergen wie auf dem Camino de Santiago gibt es nicht. Ab günstigsten übernachtet man auf Campingplätzen. Wir haben uns für die etwas bequemere Variante entschieden, und in kleinen Pensionen (20 bis 30 Euro Nacht/Person im Juni) übernachtet. Vorbuchen lohnt sich, um sich das Suchen vor Ort einer Herberge zu ersparen. Es tut gut, nach einem anstrengenden Wandertag zu duschen und sich in ein sauberes Bett zu kuscheln. Die etwas vornehmere Variante sind die weißen Landhäuser (casas brancas) im traditionellen Stil der Region Alentejo (ab ca. 40 Euro aufwärts Nacht/Person im Juni). Viele von ihnen haben einen Pool.

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 Sieben Tage, sieben Reisetipps

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Projekts #7ways2travel entstanden. Eine gemeinsame, langfristige Aktion von sieben heimischen Reisebloggern. Jeden Monat schreibt jeder von uns über ein ausgewähltes Thema. Im Oktober 2016 dreht sich alles rund ums Wandern.

7ways2travel Reiseblogger Österreich

Hier geht’s zu den Texten und Reisetipps der anderen Reiseblogger:

Gerhard von www.andersreisen.net & www.schienenreisen.com
Mallnitz – Obervellach: Wandern entlang der alten Tauernbahn

Melanie von www.urlaubsgeschichten.at
Wanderung um den Seewaldsee am Fuße des Trattbergs

Angelika von www.wiederunterwegs.com
Wilde Wasser Schladming mit Hundling

Jürgen und Melanie von www.lifetravellerz.com
Strandwanderung an der französischen Atlantikküste

Cori und Flo von www.travelpins.at
Vintgar Schlucht in Slowenien

Gudrun Krinzinger von www.reisebloggerin.at
Levadawanderung Madeira