Maria Brand, geboren in Kapverde, aufgewachsen in Angola und Portugal, der Liebe wegen nach München verzogen, und nun zurück in Portugal. Sie spricht sieben Sprachen und verwöhnt Touristen aus aller Welt mit Heilmassagen, Yoga und Pilates in ihrer derzeitigen Heimat Lagos an der Algarve. Und … sie bleibt sich selbst treu.

****

kofferpacken.at: Wie beginnst du deinen Tag?

Maria: Bevor ich aufstehe, versuche ich mich auf den Tag mit guten Gedanken vorzubereiten, mit positiver Energie.

kofferpacken.at: Was bedeutet Glück für dich?

 Im portugiesischen Lagos gibt Maria Massagen, Yoga- und Pilates-Kurse und strahlt so ihre persönliche Ruhe auch auf andere aus.

Im portugiesischen Lagos gibt Maria Massagen, Yoga- und Pilates-Kurse und strahlt so ihre persönliche Ruhe auch auf andere aus.

Maria: Glück ist in erster Linie, mit sich selbst im Einklang zu sein. Wenn es mir gut geht, kann ich es auch ausstrahlen und dann bekommt man es auch wieder zurück. Glück ist zu wissen, dass ich jeden Tag etwas zu essen habe, dass ich eine Wohnung habe, dass ich in einer schönen Umgebung wohne, und dass die Menschen, die ich gerne habe, auch mich gerne haben. Glück ist auch, meiner Tochter zuzusehen, wie sie wächst und auch jeden Tag bereit zu sein, die Veränderungen im Leben mit offenen Augen zu sehen und zu akzeptieren.

kofferpacken.at: Hast du ein Laster?

Maria: Ich lasse mich ungerne dominieren, da ich schon immer ein gewisses Pflichtbewusstsein hatte. Ich habe das Gefühl, ich könnte ein schlechterer Mensch sein. Ich bin mit mir zufrieden. Und das ist vielleicht das Problem zwischenmenschlicher Beziehungen, denn manche Menschen denken, dass sie andere dominieren können. Ich lebe mein eigenes Leben, und habe mich selbst wieder entdeckt, da ich mir selbst treu bleiben möchte. Von meinem Inneren her bin ich nun mehr auf mich bezogen und habe auch gelernt, dass die wichtigste Liebe die Liebe zu sich selbst ist. Mittlerweile bin ich nicht mehr verletzt oder traurig, wenn mich jemand nicht so mag, wie ich bin. Das Leben ist eine Schule, und ich habe mir vorgenommen, es als solche zu betrachten.

kofferpacken.at: Worauf freust du dich gerade?

Maria: Ich freue mich über vieles – dass ich mich getraut habe, meinen Weg zu gehen, dass ich immer das lerne, was ich lernen möchte. Ich hatte einen Laden, wo ich selbstkreierten Schmuck und Mode verkaufte, aber das war nicht genug für mich. Ich möchte immer Neues erfahren und unter Menschen sein. Ich möchte etwas Gutes tun und auf mein Herz hören, und darauf freue ich mich schon jetzt. Wie es weitergeht. Das bestätigt mich wiederum, dass ich auf meine innere Stimme hören soll.

kofferpacken.at: Gibt es etwas, das du in deinem Leben als ungerecht empfindest?

Maria: Ich glaube manchmal kann man vieles als ungerecht empfinden. Früher habe ich das öfter so empfunden, aber wenn man sich damit beschäftigt, kommt man darauf, dass man im Leben bestimmte Dinge selbst anzieht. Menschen sind ganz kompliziert, es ist eine Aufgabe, sich mit sich selbst zu verstehen und dann auch noch in einer Beziehung mit anderen. Ich finde schon Sachen ungerecht, zum Beispiel wie manche Menschen mit mir umgehen. Da denke ich dann aber wieder, das sind ihre Schmerzen, ihre Probleme. Es kommt alles zurück, was man aussendet. Wenn man das Gefühl hat, etwas ist ungerecht, dann muss man die Gerechtigkeit in seinem Leben suchen. Wichtig ist, dass man die Augen und das Herz öffnet. Es sind kleine Momente und kleine Begegnungen, die einem sehr viel geben. Ich lerne mehr und mehr zufrieden zu sein, wenn ich etwas ungerecht finde, dann fühle ich mich wie ein Opfer. Und ich will kein Opfer sein. Wenn ein Tag nicht so gut läuft, dann kommt danach ein neuer. Man kann sich auch die Ruhe nehmen, ein Buch lesen, eine Yogastunde einlegen, gute Gedanken haben, sich mit Freunden treffen und auch einfach tief durchatmen. Dann geht’s wieder.

kofferpacken.at: Was würdest du tun, wärst du ganz plötzlich unendlich reich?

Maria: Die meisten Menschen, die plötzlich reich sind, verlieren das Geld ganz schnell. Da wollen sie ein Auto, das sie sich nie leisten konnten, das ist nicht mein Fall. Das Auto muss nur fahren. Ich wollte schon früher in Afrika Kindern helfen. Wäre ich plötzlich reich, würde ich so etwas machen. Etwas, das man wachsen sieht. Eine Kettenreaktion. Es gibt so viele Kinder auf dieser Welt, die kein Heim haben, die die Eltern verloren haben, Leute die leiden, Krankheiten, die Welt ist groß.

kofferpacken.at: Gibt es einen Ort, der dich magisch anzieht, oder an den du immer wieder zurück kehrst?

Maria: Hier ist es immer der Strand, wenn ich kann. Gerade im Winter. Es gibt wunderschöne Stellen auf dieser Welt. Ich bin sehr eklektisch. Oft bin ich überfordert bei solchen Fragen. Meine Tochter fragt mich auch immer, was ist deine Lieblingsfarbe, dein Lieblingstier. Ich bin nicht fixiert. Portugal ist sehr schön, an der Küste entlang. Fürs erste gebe ich mich zufrieden hier zu sein. Im Winter am Strand zu sein, wenn kein Mensch dort ist, am Kliff entlang spazieren, am Strand entlang joggen, den Sonnenuntergang genießen. Das hat was. Es ist auch wichtig, dass wir das genießen, was wir haben, anstatt immer dem Verlangen nach etwas Unerreichbarem nachzujagen. Irgendwann wird sich etwas ergeben, man muss tagtäglich dran arbeiten. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)

kofferpacken.at – So ist das Leben

In der Reihe „So ist das Leben“ der Rubrik KOSMOPOLIT stellt kofferpacken.at Menschen aus allen Ländern der Welt dieselben Fragen, um einen kleinen Einblick in die Lebenswelt anderer Kulturen zu bekommen.