Ein Haus, ein Auto. Mehr braucht es nicht. Warum sich die Grafschaft Donegal für eine individuelle Rundreise am besten eignet.

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Wohin genau?

Irland ist mit rund 70.000 Quadratkilometern etwas kleiner als Österreich. Touristisch gut ausgebaut sind besonders die Hauptstadt Dublin, der Süden der Insel mit der Stadt Cork und der Südwesten der Insel, wo auch die Studentenstadt Galway liegt. Wer einige Wochen Zeit hat, könnte also quer über die Insel flitzen, um bei einer Rundreise so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln. Wir finden: Lieber eine spezielle Gegend aussuchen und diese im Detail erkunden, als rastlos von Hotspot zu Hotspot zu flitzen. Unser Tipp: Die Grafschaft Donegal im Nordwesten der Insel. Dorthin verirren sich vergleichsweise weniger Touristen, und wenn, dann sind es eher Einheimische. Donegal ist rund drei bis vier Autostunden von der Hauptstadt Dublin entfernt.

Wo übernachten?

Natürlich in einem Ferienhaus. Davon gibt es in Donegal viele, eben auch, weil Nordiren gerne ihren Urlaub dort verbringen. Vom traditionellen Cottage mit thatched roof (Strohdach) bis zum luxuriösen Herrenhaus ist alles dabei. Die meisten Ferienhäuser sind sehr gut ausgestattet, von der Küche bis zum Wohnzimmer mit Kamin. Wir haben uns für eine Mischung entschieden und in den No 5 Dundoan Cottages in Downings gewohnt: Zwar eine kleine Feriensiedlung, aber preislich mehr als leistbar und mit weitreichendem Ausblick auf die Küste und direkt an der Rundstraße Atlantic Drive – die wir sicher drei Mal abgefahren sind – gelegen.

Wann hinfahren?

Eines ist klar: Mit Regen muss man in Irland immer rechnen. Aber genau das macht ja mitunter den Reiz der Insel aus: Die Unkalkulierbarkeit des Wetters, die Rauheit windgepeitschter Tage, die herbe, grüne Landschaft. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sich im Mai und im September am besten aushalten lässt. Wer außerdem der Hochsaison im Sommer entkommt, spart bares Geld: Sowohl Ferienhäuser als auch Mietautos sind bis zur Hälfte günstiger als im Juli oder August.

Wie von A nach B gelangen?

Nicht gerade umweltfreundlich, aber für Individualtouristen mit Ferienhaus sicher die praktikabelste Lösung: ein Mietwagen. Hinterm Steuer sollte aber jemand sitzen, der mit dem Linksverkehr zurecht kommt und sich wede vor engen Straßen noch vor steilen Fahrbahnen in Meeresnähe fürchtet. Wer es mit dem Linksverkehr nicht so hat, kann ein Auto mit Automatik-Getriebe mieten. Das ist zwar teurer, verwirrt aber weniger und macht das Fahren im Linksverkehr entspannter. Mietwägen sind in der Nebensaison um vieles billiger als in der Hauptreisezeit im Sommer.

Und warum jetzt nochmal genau Donegal?

Erstens, weil es touristisch weniger gehyped ist als andere Landesteile und somit – in unseren Augen – ursprünglicher und authentischer als der Rest des Landes. Weil es eine in sich abgeschlossene Gegend ist, die in einem typischen Urlaubszeitraum von plus minus zwei Wochen gut zu erkunden ist. Weil es zwar nur ein kleiner Ausschnitt Irlands ist, aber viele Facetten der Insel vereint – von atemberaubenden Stränden bis zu Burgruinen, Klippen und mit Torf bewachsenen Bergen. Weil dort das nördlichste Pub Irlands und der nördlichste Souvenirladen der Insel stehen, der so gar nicht Mainstream ist.

Was essen?

Kulinarische Höhenflüge sollte man in Irland natürlich nicht an jeder Ecke erwarten. Immerhin: Im Pub gib’s nicht nur Bier, sondern oft auch schnelles Essen wie Burger oder Lasagne. Mittlerweile gibt es außerdem viele kleine Cafés und Delis, die (auch vegetarische) Snacks wie Quiches mit Salat, Paninis und Kuchen verkaufen. Und wenn es wieder mal aus heiterem Himmel zu regnen beginnt, flüchtet man einfach in den nächsten Teashop und erwärmt sich an Schwarztee und Scones mit Butter. Wer selbst kochen will: Zum Frühstück schmecken irisches Wheaten Bread, Soda Bread oder Potatoe Farels, zur Jause frischer irischer Lachs und der berühmte Cheddar Käse. Und außerdem: Die Nahrungsaufnahme un die Suche danach rückt ob der berauschenden Landschaften meistens sowieso in den Hintergrund.

Wo trifft man am besten Einheimsche?

Richtig geraten: im Pub. Gespräche ergeben sich schnell und man wird fast überall herzlich aufgenommen. Ehe man sich versieht, singt und tanzt man ausgelassen mit Jung und Alt im Kreis. Da kann man mit einem Augenzwinkern auch die alten Grantler übergehen, die es fast in jedem Pub gibt und die stillschweigend ihr Pint festhalten. Und wenn sie etwas sagen, dann sowas wie „Richte den Leuten in Donegal aus, dass wir sie nicht mögen.“ So geschehen im nördlichsten Pub Irlands auf der abgeschiedenen Halbinsel Inishowen. Eine weitere gute Möglichkeit, um sich unters Volk zu mischen, sind größere und kleinere Musikfestivals.

 

Unsere Empfehlung für die schönsten Donegal-Momente:

  • Atlantic Drive (Küstenstraße mit szenischen Ausblicken)
  • Halbinsel Inishowen mit Malin Head (eine verlassene, raue Gegend mit dem nördlichsten Pub des Landes; hier sollte man ev. eine Übernachtung einplanen)
  • Magheroarty Bay (die angeblich größen Sanddünen Europas)
  • Arranmore Island
  • eine Wanderung am Küstennabschnitt in der Nähe des Doagh Famine-Villages
  • die Gegend rund um den Mount Errigal
  • der Marine Trail im Ards Forest Park (beginnt unscheinbar und eröffnet einem spektakuläre Aussichten)
  • Blick über die Ballymastocker Bay (wird regelmäßig in einem Atemzug mit den schönsten Stränden der Welt genannt)
  • wenn genügend Zeit bleibt: ein Abstecher nach Glencomcille und Umgebung

(September 2013, kofferpacken.at)