Foto:Hostel-Gründerin Aristi (l.) und Mitarbeiterin Marina (r.)

Eine junge Griechin hat vor zwei Jahren das einzige Hostel auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki eröffnet. Panik schieben ist für sie keine Option.

****

Man könnte fast meinen, das Hostel „White Rabbit“ war vor nicht allzu langer Zeit ein ganz normales Familienhaus. „Das war es auch“, sagt Aristi (am Foto links), „ich bin hier teilweise aufgewachsen.“ Die 26-jährige Griechin hat die Herberge vor zwei Jahren eröffnet – weit und breit das einzige Hostel auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Ausnahmen sind nur die Jugendherbergen im 90 Kilometer entfernten Thessaloniki und die Betten im Gemeinschaftszelt, die ein Campingplatz in der Nähe von Sarti anbietet.

„Größtes Problem in Griechenland ist die Panik“

Hostelgründung mitten in der Krise – warum das? „Erstens übernachten bei uns ja keine Griechen. Zweitens finde ich, dass die Leute hier zu viel Panik haben“, sagt Aristi. Das größte Problem Griechenlands sei die weit verbreitete Angst um die Zukunft und die negative Spirale, die sich daraus entwickelt habe. „Ich kriege das Ganze nicht wirklich zu spüren. Wirklich hart trifft es eher die Städter und jene, die sich früher ständig Geld von der Bank ausgeborgt haben und einen gewissen Lebensstil hatten. Mir geht es nicht viel anders als vor der Krise.“

Hostel White Rabbit in Greece

Einer der zwei Gemeinschaftsräume in White Rabbit Hostel, Chalkidiki, Griechenland.

Obwohl: Aristi hat eigentlich Ingenieurwesen studiert und erst vor kurzem abgeschlossen. Statt sich ein Praktika oder einen Job in diesem Bereich zu suchen, hat sie lieber das Hostel eröffnet. „Es ist derzeit schwer, solche Jobs zu bekommen. Und wenn, dann ist der Vertrag auf ein halbes Jahr befristet.“ Wer weiß, was sie nach der Uni gemacht hätte, wäre die Finanzkrise nie eingetreten? Vielen Leuten, kritisiert die 26-Jährige jedenfalls, mangle es in der jetzigen Situation an Alternativen – die müsse man sich selber suchen.

Mit Glück und Erfindergeist zum eigenen Hostel

Sie hatte Glück – und etwas damit anzufangen gewusst. Das Gebäude ist in Familienbesitz, in den letzten Jahren hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester und deren Freund darin gewohnt. Ständig waren Bekannte da, um sie zu besuchen. Irgendwann kam Aristi auf die Idee, die Tür auch für fremde Gäste zu öffnen und ein Hostel zu gründen. „Wir haben hauptsächlich Besucher aus der Schweiz, Deutschland, Italien, aber auch aus Ländern wie Australien.“

Diesen Sommer hilft ihre Freundin Marina (am Foto rechts) aus. Auch sie wird ihr Studium bald beenden: Architektur. Häuser bauen, sagt sie, das sei aber nicht ihr Ding. Und so wird der „White Rabbit“ wohl weiterhin von zwei jungen Akademikerinnen geschmissen.

 

Koffer packen und los geht’s:

  • Das Hostel „White Rabbit“ liegt in Psakoudia, ca. 90 Kilometer von der griechischen Hafenstadt Thessaloniki entfernt. Anreise entweder per Bus (neun Euro) oder per Mietauto (empfohlen).
  • Wer kein eigenes Auto hat, dem wird hier schnell langweilig werden: Bis auf einen Strand und ein paar Olivenhaine gibt es nicht viel anzuschauen. Als Ausgangspunkt, um die Halbinseln Sinthonia und Kassandra zu besichtigen, ist das Hostel aber gut geeignet.
  • Das Hostel ist sauber, hat eine große Küche mit Gemeinschaftsraum, einen langen Balkon und einen großen Garten, in dem im Sommer eine Bar geführt wird. Preis: 13 Euro im 4-er Schlafzimmer, 18 Euro im Doppelzimmer.

Fotos: White Rabbit, kofferpacken