kofferpacken.at hat im Schatten der UN-Klimakonferenz in Katar einen taiwanesischen Umwelt-Künstler getroffen, der vom Klimawandel gefährdeten Tieren eine Stimme gibt.

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Tiere am Klimagipfel von Vincent F. J. Huang

Der taiwanesische Künstler Vincent J. F. Huang will mit seiner Kunstaktion an der Küste Tuvalus auf die Probleme aufmerksam machen, die der steigende Meeresspiegel mit sich bringt. Fotos: Vincent F. J. Huang.

Noch bis 7. Dezember 2012 diskutieren 15.000 Delegierte aus allen Teilen der Welt über die Rettung des Weltklimas. Gastgeber der 18. UN-Klimakonferenz ist Katars Hauptstadt Doha. Zeitgleich mit dem Klimagipfel lädt der schwerreiche Wüstenstaat zur Sustainability Expo ein, bei der unter anderem Öl- und Gasproduzenten aus Saudi Arabien und anderen Golfstaaten ihre Nachhaltigkeitsstrategien präsentieren.

Eco-Artist J.F. Huang

Im hintersten Winkel der Halle hat der Taiwaense Vincent J. F. Huang als einziger Künstler auf der Expo seinen Informationsstand. Er bezeichnet sich sich als Eco-Artist und setzt sich mit seinen umweltpolitisch motivierten Aktionen für den Inselstaat Tuvalu ein, zu dem Taiwan gute Beziehungen pflegt. Tuvalu liegt im Pazifik und droht unterzugehen, wenn die Erderwärmung das Eis auf Grönland und an den Polen schmelzen lässt und der Meeresspiegel steigt. Es gibt aber auch Kritiker dieser Theorie, die im Untergangsszenario von Tuvalo nichts als Panikmache sehen.

Tiere als Abgeordnete

Künstlerprojekt am Klimagipfel: Dem Eisbären steht das Wasser bis zum Halse.

Der Künstler lässt Tiere als Abgeordnete des Klimas in Erscheinung treten.

Zurück zur Expo: Künstler Huangs Projekt nennt sich “Animal Delegates”. “Ich habe Tiere als Delegierte zur Klimakonferenz eingeladen um ihnen die Möglichkeit geben aufzuzeigen, wie ihnen von den Menschen Unrecht zugefügt wird”, erklärt er im Gespräch mit kofferpacken.at. Eine seiner Kunstinstallationen zeigt einen Eisbären, der in der Südsee vor Tuvalu ertrinkt, weil der Meeresspiegel steigt und steigt. “Tuvalu ist ein einfaches Land, in dem die Menschen von der Natur und vom Fischfang leben. Es gibt keine Industrie”, sagt Huang. “Die Ironie daran ist, dass gerade diejenigen, die für den Klimawandel am wenigsten können, am meisten darunter leiden. Das ist unfair.”

Plakatives Kunstwerk: Tod der Meeresschildkröte

Eine weitere Installation stellt eine Tanksäule dar. Expo-Besucher, die den Zapfhahn in die Hand nehmen, lösen damit den Tod einer Meereschildkröte und eines Eisbären aus. Das Kunstwerk steht dafür, dass die Bohrungen der großen Ölkonzerne in arktischen Regionen an sehr weit entfernten Orten Existenzen zerstören. “Tuvalu wird eine der ersten Regionen sein, die durch den Klimawandel von der Landkarte verschwindet”, so Huang, der auf Einladung des tuvalischen Premiers nach Katar gekommen ist, um im Schatten des Klimagipfels auf die Situation des Inselstaates aufmerksam zu machen. “Die Regierung hatte auch eine Pressekonferenz einberufen, aber niemand ist gekommen.”

Guerilla-Aktionen mitten im Geschehen

Der Meeresspiegeln in Tuvalo steigt aufgrund der Erderwärmung.

Künstler Huang will auf die Folgen der Erderwärmung aufmerksam machen. Betroffen sind vor allem Inseln, zum Beispiel Tuvalu.

Huang macht auch andernorts mit Guerilla-Aktionen auf die Situation Tuvalus aufmerksam, so ließ er vor einiger Zeit einen Pinguin mitten am Londoner Trafalgar Square den Freitod durch Erhängen ergehen. “Viele Ausstellungen finden im Inneren statt, wo eine große Anzahl der Menschen nicht erreicht werden kann. Ich finde, Künstler sollten draußen mitten im Geschehen sein, um Aufmerksamkeit zu erregen”, sagt er.

Wie wird die Klimakonferenz in Doha ausgehen? “Es wird wie jedes Jahr verhandelt und diskutiert, aber ohne Ergebnis. Man wird die wichtigen Entscheidungen auf die nächste Konferenz in Warschau vertragen”, ist Huang überzeugt. Auch er wird 2013 in Polen wieder vor Ort sein, Ideen hat er schon genug. (Maria Kapeller, 5. Dezember 2012, kofferpacken.at)