Lokalaugenschein im Hongkonger Stadtviertel Mong Kok. Polizei räumt Straßen, Protestwillige bleiben.

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Die Stimmung ist aufgeheizt, die Polizei hat sich mit Schutzschildern und Schlagstöcken ausgerüstet und tritt im Großaufgebot an. Tagsüber sind die Straßensperren im Hongkonger Stadtteil Mong Kong aufgelöst worden, der Verkehr fließt zum größten Teil wieder. Wo fast zwei Monate lang vor allem junge Studenten und Arbeiter für ein freies Wahlrecht demonstriert haben, dröhnen jetzt wieder Autos, Taxis und Doppeldeckerbusse vorbei.

Regenschirmrevolution Hongkong Polizei bei den Demonstrationen in Hongkong

Internationale Medien berichten über Hongkong

Und trotzdem: Tausende Protestwillige haben sich am Abend versammelt, um sich abermals für mehr Demokratie auszusprechen. In den Seitenstraßen kommt der Verkehr immer wieder ins Stocken. Die Demonstranten skandieren gegen die Polizei, klatschen ihren Anführern zu, filmen und fotografieren mit ihren Smartphones. Lauthals rufen sie Sätze im Chor wie „Ich will allgemeines Wahlrecht“. Viele haben sich bereits eine Mund- und Nasenmaske aufgesetzt, um sich vor den Pfeffersprays der Polizei zu schützen – die in den vergangen zwei Monaten des Öfteren zum Einsatz gekommen waren.

Polizist bei der Demo in Hongkong

Die Polizei ist bemüht, die Menschenmassen zurück auf die Gehsteige zu drängen. Die Straßen sollen friedlich geräumt werden. Laut der Tageszeitung South China Morning Post sind aber bereits nicht nur Demonstranten verhaftet worden, sondern auch einige Polizisten – wegen Körperverletzung an Protestierenden.

Tausende Demonstranten in Hongkong Polizie im Einsatz in Hongkong Demonstration in Hongkong

Nur ein paar Blocks weiter geht der alltägliche kommerzielle Wahnsinn Hongkongs seinen gewohnten Gang: Von teuren Uhren über saftige Schweinsohren bis hin zu knalligen Nike-Schuhen wird alles an den Mann bzw. an die Frau gebracht. Von den Protestchören ist hier nichts mehr zu hören.